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Vera Tschurtschenthaler hat alle Höhen und Tiefen des Skifahrer-Daseins erlebt.

Vera Tschurtschenthaler und die etwas andere Skikarriere

Sie ist Südtirols beste Slalom-Läuferin, doch am Endes ihres steinigen, beschwerlichen Weges ist Vera Tschurtschenthaler noch nicht angelangt. Mit SportNews plaudert die Pustertalerin aus dem Nähkästchen, erzählt von ihrer bemerkenswerten Skikarriere und verrät unter anderem, warum diese am seidenen Faden hing.

Als wir Tschurtschenthaler am Telefon erreichen, ist sie soeben von Mailand zurückgekehrt, wo die ersten physischen Tests der Saison auf der Agenda standen. „Alles ist reibungslos verlaufen“, sagt die zuvorkommende, sympathische 23-Jährige aus Sexten. Dass sie jetzt dort steht, wo sie steht, hat sie vor allem der Italienmeisterschaft im vorigen Jahr zu verdanken, wo sie mit zwei famosen Durchgängen die Konkurrenz um beinahe eine Sekunde distanzierte. Es war dies Tschurtschenthalers letzter Strohalm, an den sie sich klammern konnte. Denn zu diesem Zeitpunkt stand ihre Laufbahn bereits auf der Kippe und der Rücktritt im Raum.

Talent schon früh entdeckt
Doch der Reihe nach: Tschurtschenthaler wurde am 30. März 1997 in Innichen geboren und „mit sechs oder sieben Jahren“ zum ersten Mal auf Skiern gestellt. Schnell erlernte sie das Handwerk – vor allem dank ihres Vaters Roman, mit dem sie in jungen Jahren viel alleine trainiert hat. Dass sie später einmal eine Skifahrerin werden möchte, wurde Tschurtschenthaler in der Mittelschule bewusst, als sie bei den meisten Rennen die Nase vorne hatte. Den nächsten Schritt machte sie an der Wirtschafts-Fachoberschule in Innichen, die laut Tschurtschenthaler „viel Rücksicht auf die Sportler nimmt“. Die schulische Ausbildung könne man dort ausgezeichnet mit der sportlichen Karrieren kombinieren, behauptet sie, die mit 19 Jahren in den Nationalkader aufgenommen wurde.

Sie ist Südtirols größtes Slalom-Talent: Vera Tschurtschenthaler © Dennis De Martin Photo


Lediglich 12 Monate später folgte der Rausschmiss. Die Südtirolerin wollte weiterkämpfen, denn sie glaubte weiter an sich. Dennoch sei die Zeit keine leichte gewesen, im Gegenteil: „Ich bin schon ein wenig in Krise geraten“, gesteht Tschurtschenthaler. Einerseits sei es ein „Mega-Kostenaufwand“ gewesen, andererseits musste ihr Vater sie überall hin begleiten. „Ich habe viele Momente gehabt, in denen ich alles aufgeben wollte.“ Umso glücklicher sei sie, dass sie auf die Zähne gebissen hat. Denn nach zwei Jahren außerhalb der Nationalmannschaft schaffte sie auf beeindruckende Art und Weise den Sprung zurück.

Wie? Mit der angesprochenen Italienmeisterschaft in Cortina im vergangenen Jahr, als sie als krasse Außenseiterin ihren Mitstreiterinnen die Butter vom Brot nahm. „Ich weiß selber nicht genau, wie ich das geschafft habe. Während der Saison habe ich ein paar Einsätze im Europacup bekommen, musste dort aber immer mit sehr hohen Nummern starten und konnte mein Potenzial nicht ausschöpfen“, meint die Pustererin. Als sie am Start in Cortina stand, wusste sie, dass es ihre letzte Chance ist. „Ich war extrem fokussiert, habe alles gegeben.“ Es sei ihr alles so aufgegangen, wie sie es sich vorgestellt hatte.
13 Hundertstel fehlten
Die Verantwortlichen des italienischen Wintersportverbandes konnten anschließend nicht die Augen vor Tschurtschenthalers Talent verschließen. Die Wiederaufnahme in die Nationalmannschaft war die logische Folge. Das von den Trainern geschenkte Vertrauen zahlte die 23-Jährige im abgelaufenen Winter dann sofort zurück. Im Europacup fuhr sie konstant in die Top-20, bei ihrem Debüt im Weltcup in Kranjska Gora schrammte sie sogar nur um 13 Hundertstel am zweiten Durchgang vorbei. „Das war natürlich bitter, aber ich war einfach nur froh, dass ich gut gefahren bin. Ich war frei im Kopf“, betont Tschurtschenthaler, die an der Universität in Bruneck Sport, Tourismus und Event-Management studiert. In der nächsten Saison will sie im Europacup konstant in die Top-10 fahren und auch bei Weltcup-Rennen ihr Können unter Beweis stellen.

Eine Sportgruppe fehlt Vera Tschurtschenthaler noch.


Am Ende ihrer mit Hindernissen gezeichneten Reise ist Tschurtschenthaler aber noch nicht angelangt. Denn obwohl sie eine der vielversprechendsten Nachwuchshoffnungen ist, gehört sie keiner Sportgruppe an, stattdessen geht sie immer noch für den ASC Gsiesertal an den Start. Warum das so ist, weiß auch sie nicht: „Ich habe keine Antwort darauf. Nach meinem italienischen Meistertitel habe ich an zwei Wettbewerben teilgenommen, aber mir wurden andere Athletinnen vorgezogen. In diesem Frühjahr habe ich mich erneut beworben – und hoffe, dass es endlich klappt.“ Es wäre an der Zeit, ein Stipendium zu erhalten, sagt sie. Verdient hätte sie es allemal.

Autor: leo

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