
Mikaela Shiffrin schlägt einen neuen Weg ein. © ANSA / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Weniger Slalom, mehr Speed: Shiffrin stellt ihren Masterplan vor
Mikaela Shiffrin hat eine für die anstehende Saison wegweisende Entscheidung getroffen. Die dreimalige Olympiasiegerin wird ihre Einsätze im Slalom zurückschrauben und ihren Fokus auf andere Disziplinen richten.
06. Oktober 2026
Von: nie
Nur allzu oft musste sich Mikaela Shiffrin in den vergangenen Jahren einer bestimmten Frage stellen: Verliert man bei so vielen Siegen, Titeln und Triumphen nicht irgendwann den Spaß am Sport? Die Antwort darauf lieferte die achtmalige Weltmeisterin am Dienstagnachmittag in einem halbstündigen Monolog in ihrem Podcast What's the Point with Mikaela Shiffrin – und stellte damit ihren Plan für die Saison 2026/27 vor, der auch die Konkurrenz aufhorchen ließ. Im Slalom wird die 31-Jährige kürzertreten, im Riesenslalom und Super-G will sie dafür angreifen.
Nach dem olympischen Winter, der mit Gold in Slalom sowie dem Gesamtweltcup und der kleinen Kristallkugel im Slalom kaum besser hätte verlaufen können, hatte sich Shiffrin Zeit für eine Selbstreflexion genommen. „Ich habe mir Fragen gestellt, die ich mir sonst nie gestellt habe. So wie: Welche Ziele will ich in diesem Sport verfolgen?“, sagte sie in der Folge mit dem anregenden Namen 'Trying Something New' – zu Deutsch: Etwas Neues versuchen.
„Ich träume von Tagen auf der Piste, an denen ich mich Schwung für Schwung weiterentwickle, wir meine Fehler analysieren und Lösungen finden.“ Mikaela Shiffrin
„Meine Freude am Sport kam nie von Medaillen oder Rekorden“, unterstrich die sechsmalige Gesamtweltcupsiegerin. „Ich liebe es mich zu verbessern. Ich träume von Tagen auf der Piste, an denen ich mich Schwung für Schwung weiterentwickle, wir meine Fehler analysieren und Lösungen finden. Und dann macht es irgendwann 'Klick' – und dieser Moment ist einfach nur wunderschön. Diese Neugierde treibt mich voran.“
Shiffrin startet erst Ende November im Slalom
Diesen Drang, dieses Streben zu einem neuen Maximum verspüre Shiffrin zurzeit im Riesenslalom und Super-G. Um diesen Durst zu stillen, muss sich die Rekord-Weltcupsiegerin zeitlichen Raum verschaffen – wofür sie auf Einsätze im Slalom verzichten möchte. „Ich werde weniger Slalom fahren – nicht keinen, sondern weniger“, erörterte sie. So werde Shiffrin erst in Killington (28./29. November) in ihrer Paradedisziplin an den Start gehen. In Levi (14./15. November) wird derweil erstmals seit 2011 ein Rennen ohne Shiffrin stattfinden, auch in Gurgl (21./22. November) wird der Superstar aussetzen.Was die US-Amerikanerin verstanden haben wollte: „Meine Entscheidung hat gar nichts damit zu tun, dass Slalom 'einfach' wäre, wie so viele Außenstehende in den vergangenen Jahren gemeint haben. Nichts an dieser Disziplin ist einfach“, hob Shiffrin hervor, die in allen Weltcup-Disziplinen mindestens einen Sieg vorzuweisen hat.
„Slalom erfordert die größte Konstanz und kontinuierliche Arbeit. Die körperliche Belastung, die Koordination, die mentale Klarheit, das Material – all das muss unglaublich präzise sein“, erklärte Shiffrin. „Und ich kenne mich gut genug, um zu wissen, wie schnell ich diese Präzision verliere, wenn ich nicht mit maximalem Einsatz dabei bin. Niemand kommt zu einem Weltcup-Rennen und gewinnt einfach so – ich mache das sicher nicht.“
Shiffrin: „Nach 16 Jahren will ich das probieren“
Seit ihrem Debüt am 11. März 2011 im tschechischen Spindlermühle passierte Shiffrin unzählige Slalomstangen, entwickelte eine gesunde Detailversessenheit – und keine Hundertstelsekunde sollte vor ihr sicher sein. „Ich habe es sogar geliebt, wie ein Rennen meinen Körper Schmerzen fühlen ließ. Gerade jetzt habe ich aber mehr Lust darauf, all das in den Riesenslalom und Super-G zu investieren“, merkte sie an.Mikaela Shiffrin hat im Ski Alpin bereits Geschichte geschrieben – wie geht es weiter? © ANSA / DANIEL DAL ZENNARO
Das bedeute nicht, dass eine Disziplin besser oder schwieriger als die andere sei. „Es geht einfach darum, wohin mich meine Neugierde zieht. Und nach 16 Jahren höre ich endlich darauf“, so Shiffrin.
Shiffrin hat „eine Tonne an Fragen“
Klar: Auch im Riesenslalom ist Shiffrin mit 22 Weltcuperfolgen bereits Rekordsiegerin. Ein folgenreicher Sturz im November 2024 und die daraus resultierende Verletzung samt posttraumatischer Belastungsstörung setzten ihrem Wirken in dieser Disziplin jedoch einen Riegel vor.Mikaela Shiffrin will sich weiterentwickeln. © APA/afp / STEFANO RELLANDINI
„Ich frage mich wirklich, was für mich möglich ist“, so Shiffrin, die im vergangenen Jänner trotz dieser Vorgeschichte ihr erstes Riesenslalom-Podest seit zwei Jahren eingefahren hatte. „Zu sehen, dass ich die Geschwindigkeit auch dort habe, wo Angst vorhanden ist ... Ich habe in den letzten Jahren einfach so viel über Mentalität und Ängste gelernt. Das gibt mir enorm viel Vorfreude darauf zu erkunden, wie sich das in Riesenslalom und Super-G auswirkt. Ich habe eine Tonne an Fragen – und will es jetzt einfach herausfinden.“
Während sich die Konkurrenz im Slalom nun größere Hoffnungen auf die kleine Kristallkugel machen darf, sind die Vorzeigeathletinnen der anderen Disziplinen gewarnt. Wie sich der neue Fokus von Shiffrin im Wettkampf und auf den Ergebnislisten ausdrückt, wird sich erstmals beim Saisonauftakt in Sölden am 24. und 25. Oktober zeigen.
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