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Österreichs Skiheld Toni Sailer 1956 in Cortina. © Sammlung Skispuren

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Österreichs Skiheld Toni Sailer 1956 in Cortina. © Sammlung Skispuren

Cortina d’Ampezzo 1956: Olympische Winterspiele im Zeichen des Fernsehens

Der Wintertourismus nahm in Italien nach dem Ersten Weltkrieg einen bedeutenden Aufschwung. Die Popularisierung des durch das Militär geförderten Skisports trug ebenso dazu bei wie die nunmehrige Zugehörigkeit Südtirols, das für die winterlichen Sportarten günstige Voraussetzungen bot.

Zu einem wichtigen Zentrum entwickelte sich Cortina d’Ampezzo in den Dolomiten, wo bereits 1932 und 1941 alpine Skiweltmeisterschaften ausgetragen wurden (letztere allerdings von der FIS wegen des Zweiten Weltkriegs aberkannt, da nicht alle Nationen am Start waren).


Graf Alberto Bonacossa, ein italienisches IOC-Mitglied, hatte als ausgezeichneter Alpinist und Skiläufer das Potenzial der Olympischen Winterspiele für die touristische Entwicklung erkannt. Er bemühte sich als Vertrauter von Mussolini, die Spiele nach Italien zu holen. Tatsächlich fiel die Wahl für 1944 auf Cortina, die Durchführung blieb jedoch wegen des Krieges aus. Nach Kriegsende erneuerte der Graf seine Bemühungen, die 1949 von Erfolg gekrönt waren: Auf der Delegiertenversammlung entschied sich das Komitee für Olympische Winterspiele zu Ungunsten von Montreal für den Ort in den Dolomiten. Bonacossa erlebte die Erfüllung seines Traumes allerdings nicht mehr, denn er verstarb 1953.

Neue Maßstäbe

Verglichen mit den nun beginnenden Winterspielen wirken die Dimensionen von 1956 natürlich bescheiden. Nur etwa ein Zehntel der heutigen Zahl an Athletinnen und Athleten stand damals am Start. Dennoch wurden in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe gesetzt. Das gilt auch für die symbolische Ebene, etwa durch die Tatsache, dass mit der Skirennläuferin Giuliana Genal Minuzzo erstmals eine Frau den olympischen Eid bei der Eröffnungsfeier sprach.
Die Eröffnungsfeier von Olympia 1956.

Die Eröffnungsfeier von Olympia 1956.

Cortina d’Ampezzo profitierte jahrzehntelang vom Ruf, den die Olympischen Winterspiele 1956 begründet hatten. Das lag vor allem daran, dass es sich um das erste live im Fernsehen übertragene Ereignis dieser Art gehandelt hatte. In Österreich erinnern sich Zeitzeuginnen und Zeitzeugen noch heute an das kollektive Fernsehen in jenem Jahr, das man heute als „Public Viewing“ bezeichnen würde. In Gasthäusern oder bei nachbarschaftlichen Treffen wurden vor allem die drei Goldmedaillen Toni Sailers bejubelt, die nachweislich einen wesentlichen Beitrag zum Selbstbewusstsein der Menschen in der noch jungen Zweiten Republik leisteten. Nach Amerika wurden die aufgezeichneten Fernsehbilder per Flugzeug gebracht, da es noch keine Satelliten gab. Die Berichterstattung unterschied sich dort sehr stark von den Ländern des Ostblocks, da die Winterspiele doch massiv von der Blockbildung des Kalten Krieges geprägt waren.

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