
Um diese Medaillen wird in einem Monat in Italien gekämpft. © ANSA / UFFICIO STAMPA MILANO CORTINA 20
Der Countdown läuft: Noch ein Monat bis Olympia
20 Jahre nach der letzten Olympia in Turin stehen in Mailand und Cortina d’Ampezzo die nächsten Winterspiele in Italien vor der Tür. In genau einem Monat fällt der Startschuss.
06. Januar 2026
Von: cst/apa
20 Jahre nach Turin soll der Heimvorteil Italiens Sportler im Zeichen der fünf Sterne wieder beflügeln. „Torino 2006“ brachte fünfmal Gold und die zweitbeste Ausbeute bei Olympischen Winterspielen, die Begeisterung der Tifosi hielt sich aber in Grenzen. Von 6. bis 22. Februar kehrt Olympia nach Italien zurück. Mit traditionsreichen Austragungsstätten und Investitionen von 3,5 Milliarden Euro will Mailand/Cortina die Bewerbe in den sechs Clustern würdig über die Bühnen bringen.
Sportlich hatte das Olympia-Gastspiel in Turin das Land zufriedengestellt. Enrico Fabris lief zu zwei Goldmedaillen. Rodel-Legende Armin Zöggeler triumphierte wie vier Jahre davor im Eiskanal. Langläufer Giorgio di Centa schloss die Spiele mit seiner zweiten Goldmedaille im 50-km-Skilanglauf ab. Abseits davon wollte ein Olympia-Flair nie so richtig aufkommen. Auch Baustellen, Matsch und Zuschauer-Beschränkungen dämpften die Stimmung.
Neue Anlagen in Cortina und Predazzo
Im Vorfeld von Milano Cortina 2026 scheint fast alles auf Schiene zu sein. Sorgenfalten bereitet noch die Haupthalle Santa Giulia für die Eishockey-Bewerbe in Mailand, die erst drei Tage vor Beginn des Frauen-Turniers fertig sein soll. Kritik gibt es zudem an den beiden Eishallen, weil sie einen Meter kürzer als der NHL-Standard sind. Das gefällt den Chefs der nordamerikanischen Liga, die erstmals seit zwölf Jahren ihren Stars wieder die Olympia-Teilnahme ermöglicht, nicht.Die Skisprung-Anlage in Predazzo wurde modernisiert. © APA/afp / STEFANO RELLANDINI
Die Bob- und Rodelbahn in Cortina, um die es heftige Diskussionen gegeben hatte, ist letztlich um rund 100 Millionen Euro neu gebaut worden und konnte – im Gegensatz zur angebotenen Alternative in Innsbruck-Igls – bei den Weltcuprennen im November problemlos befahren werden. Dem Eugenio Monti Sliding Centre soll danach ein Schicksal wie der Olympia-Bahn von 2006 in Cesana erspart bleiben, die bereits sechs Jahre nach den Spielen aufgegeben wurde.Erstmals Olympia in Südtirol
Adaptiert werden mussten die neu gebauten Schanzen in Predazzo, die sich bei der Generalprobe als zu gefährlich erwiesen und im September die Olympia-Träume einiger Sportlerinnen beendeten. Technische Probleme sorgten in Livigno (Snowboard, Ski Freestyle/Freeski) zu Verzögerungen in der Kunstschneeproduktion, mittlerweile läuft es.Bei der Olympia-Rückkehr in den Alpenraum nach zwei Jahrzehnten setzt man im Gegensatz zu Pyeongchang 2018 und Peking 2022 auf viele traditionsreiche Austragungsstätten wie Bormio, Cortina (beide Ski alpin), Val di Fiemme (Ski nordisch) oder Antholz. Durch die um 52 Mio. Euro modernisierte Anlage im Biathlon-Mekka ist erstmals auch Südtirol in Olympische Spiele eingebunden. 1,6 Mio. Eintrittskarten wurden aufgelegt, die Hälfte kosten unter 100 Euro.
Hohe Preisgelder: Italien will mehr als 17 Medaillen
Sportlich will Italien zumindest die 17 Medaillen von Peking 2022 übertreffen, gab Luciano Buonfiglio, der seit Juni 2025 amtierende Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (CONI), als Ziel vor. Mehr als 200 Athletinnen und Athleten – das größte Aufgebot der Geschichte – sollen dafür sorgen. Als finanzielle Belohnung wurde für jede Goldmedaille 180.000, für Silber 90.000 und für Bronze 60.000 Euro Prämie ausgelobt.CONI-Chef Giovanni Malagò & Co. erhoffen sich viele Medaillen. © APA/afp / ALBERTO PIZZOLI
In zwei Bewerben gehen Italiens Sportler als Titelverteidiger an den Start. Im Mixed-Curling geht der Sieg nur über Stefania Constantini und Amos Mosaner. Sie haben nicht nur vor vier Jahren triumphiert, sondern sind auch amtierende Weltmeister. Arianna Fontana hat sogar ein historisches Gold im Visier. Die 35-jährige Short-Trackerin hält bisher bei zweimal Gold, viermal Silber und fünfmal Bronze und könnte sich mit einem weiteren Triumph zur erfolgreichsten Wintersportlerin des Landes machen.Im Winter haben bisher nur die einstigen Alpin-Stars Alberto Tomba und Deborah Compagnoni dreimal Gold gewonnen. In den Mailänder Eisstadien zählen auch die Eisschnellläufer um die aktuellen Weltmeister Francesca Lollobrigida, Andrea Giovannini und Davide Ghiotto sowie die Eiskunstläufer Sara Conti/Niccolo Macii (Paare) und Charlene Guignard/Marco Fabbri (Eistanz) zu den Medaillenanwärtern.
Das sind die Hoffnungsträger der Azzurri
Im Alpinski ruhen die Hoffnungen in erster Linie auf Speed-Spezialistin Sofia Goggia, die vor acht Jahren in Pyeongchang zu Abfahrts-Gold raste, sowie Dominik Paris und Alex Vinatzer. Die zweifache Weltmeisterin Marta Bassino fehlt verletzt. Federica Brignone, die Dominatorin des vergangenen Winters, hat sich im April komplizierte Brüche am Schienbein und Wadenbein sowie einen Kreuzbandriss zugezogen, will aber auf der Tofana am Start stehen. Lara Colturi ist ebenfalls eine heiße Medaillenanwärterin – allerdings fährt die 19-jährige Tochter von 2002-Olympiasiegerin Daniela Ceccarelli nach einem Disput mit dem italienischen Verband seit vier Jahren für Albanien, dem Land von Ceccarellis Vorfahren.Dorothea Wierer könnte zuhause in Antholz Olympia-Edelmetall holen. © APA/afp / MICHAL CIZEK
Im Biathlon-Kultort Antholz wollen Lokalmatadorin Dorothea Wierer, die unweit des Stadions aufgewachsen ist, und die beiden Hochfilzen-Sieger Lisa Vittozzi und Tommaso Giacomel für Jubelstürme sorgen. Bei den nordischen Bewerben im Val di Fiemme scheinen Podestplätze dagegen nicht in Reichweite zu sein.Verheißungsvoll aus italienischer Sicht könnten die Snowboard-Bewerbe werden. Cross-Weltmeisterin Michela Moioli und Alpin-Seriensieger Maurizio Bormolini führen ein starkes Team an, für das sich auch die Südtiroler Snowboarder aufdrängen wollen. Im Freeski ist die 18-jährige Big-Air-Weltmeisterin Flora Tabanelli auf Edelmetall aus. Im Eiskanal von Cortina ist den Rodlern am meisten zuzutrauen.
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