
Thorleif Haug, einer der norwegischen Stars von Chamonix 1924. © Jahrbuch des Schweizerischen Ski-Verbandes
Die Entstehung der Olympischen Winterspiele
Die Olympischen Winterspiele sind heute ein globales Sportereignis mit enormer Strahlkraft – doch ihr Weg zur Anerkennung war lang und von Widerständen geprägt. Hier gibt es die Geschichte von unserem Gastautor Christof Thöny.
04. Februar 2026
Von: christof.thöny
Die Idee der Olympischen Winterspiele ist fast so alt wie jene der Umsetzung der 1896 erstmals in Athen nach den Vorschlägen des französischen Barons Pierre de Coubertin ausgetragenen Sommerspiele. Dieser lehnte die winterlichen Wettkämpfe freilich ab, da er keine antiken Vorbilder sah. Zudem sah das schwedische IOC-Gründungsmitglied darin eine Konkurrenz zu seinen Nordischen Spielen. Bei den für 1916 in Berlin geplanten Olympischen Spielen wären auch Skibewerbe im Schwarzwald vorgesehen gewesen. Der Erste Weltkrieg machte den Planungen allerdings einen Strich durch die Rechnung.
Vor allem die Skiläufer der nationalen Verbände drängten nach dem Ende des Krieges auf die Möglichkeit, ihr Können im internationalen Vergleich unter Beweis zu stellen. Von skandinavischer Seite bestanden weiterhin Zweifel, schließlich betrachteten sich die dortigen Verantwortlichen weiterhin als Hüter des „reinen Skisports“, wenngleich sich in den Alpen – insbesondere im Berner Oberland – die alpinen Disziplinen zu entwickeln begannen. Die zweiten Olympischen Sommerspiele nach Kriegsende waren für das Jahr 1924 nach Paris vergeben worden, um einem Wunsch Pierre de Coubertins zu entsprechen.
Vinzenz Buchberger, Skispringer aus der Tschechoslowakei.
Aufgrund des Drucks der Wintersportler sahen sich die Organisatoren gezwungen, im Zusammenhang mit den Spielen eine „Internationale Wintersportwoche“ statt – freilich unter der Auflage, dass das Wort „olympisch“ in keiner Weise vorkommen sollte und auch keine entsprechenden Symbole verwendet werden durften. Mehrere französische Wintersportorte hatten sich dafür angeboten, wobei schließlich Chamonix den Vorrang erhielt. Der Ort bot für die geplanten Bewerbe die besten Voraussetzungen und verfügte darüber hinaus über einen neu errichteten Bahnhof, mit dem die Hoffnung verbunden war, entsprechend hohe Publikumszahlen und damit wirtschaftliche Impulse erzielen zu können. Schon damals wurde die Verbindung zwischen Winterspielen und der Schaffung von Infrastruktur in den Mittelpunkt gerückt, die bis heute von großer Bedeutung geblieben ist.
Anfangs fast nur Männer
Die zwischen der Eröffnungsfeier am 24. Jänner und der Schlussfeier am 5. Februar 1924 ausgetragenen Wettkämpfe umfassten Biathlon, Bobfahren, Curling, Eishockey, Eiskunstlauf und Eisschnelllauf sowie im Skisport den Langlauf, das Springen und die damit verbundene Kombination. Letztere Bewerbe wurden von norwegischen Sportlern dominiert. Die Tageszeitung Sportliv titelte: „Wir haben der Welt den nordischen Weg aufgezeigt“. Frauen waren nur im Eiskunstlauf zugelassen.Der Erfolg der Bewerbe in Chamonix sprach für sich. Nachträglich wurden diese zu den ersten Olympischen Winterspielen erklärt. Damit hatte eine Tradition begonnen, die sich nun – mehr als 100 Jahre später – in Mailand und Cortina d’Ampezzo fortsetzt.
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