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Der Eiskanal in Cortina wurde neu errichtet. © APA/afp / FRANCK FIFE

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Der Eiskanal in Cortina wurde neu errichtet. © APA/afp / FRANCK FIFE

Olympia der weiten Wege: Ein alternativloses Konzept

Zu Fuß in rund zehn Minuten vom 3x3-Basketball auf der Place de la Concorde zu den Fechtwettkämpfen im Grand Palais – die Sommerspiele in Paris waren ein Olympia der kurzen Wege. In Mailand-Cortina ist das anders.

Von besucherfreundlichen Distanzen und unzähligen unvergesslichen Begegnungen wie in Paris kann bei den am Freitag beginnenden Winterspielen in Norditalien jedoch kaum die Rede sein. Es warten die geografisch am weitesten verteilten Winterspiele der Geschichte, mit teilweise mehrstündigen Fahrstrecken zwischen den Wettkampfstätten.


Der Vergleich mit Paris hinkt in einem Punkt: Während Sommerspiele in einer Metropole stattfinden können, sind Winterspiele aufgrund der alpinen Topographie zwangsläufig auf mehrere Regionen verteilt. „Wenn wir in den Alpen sein wollen, können wir nicht alles haben“, sagte IOC-Olympiadirektor Christophe Dubi. „Alles ist so groß und komplex geworden, dass es in den Alpen keinen Ort mehr gibt, wo alle zusammen sein können. Das ist einfach nicht machbar.“

Herausforderung für Ticketinhaber mehrerer Disziplinen

Mehr als 400 Kilometer liegen nun allein schon zwischen den beiden Hauptorten Mailand und Cortina d'Ampezzo. Fast vier Autostunden liegen zwischen Verona, wo die Schlussfeier stattfindet, und Livigno. Anders als in Paris ist es aus Sicht der Ticketinhaber beinahe unmöglich, mehrere Sportarten und Events zu besuchen. Das gilt auch für die Sportler, zumal nicht einmal die alpinen Skirennfahrerinnen und ihre männlichen Kollegen an einem Ort um Medaillen fahren: Bormio und Cortina d'Ampezzo liegen weit auseinander.
Bormio präsentiert sich winterlich und von seiner besten Seite. © APA/afp / DIMITAR DILKOFF

Bormio präsentiert sich winterlich und von seiner besten Seite. © APA/afp / DIMITAR DILKOFF

„Ja, das ist weit voneinander entfernt. Aber würden die Skifahrerinnen und Skifahrer andere Orte als Cortina oder Bormio wählen? Das sind die symbolträchtigsten Orte – ohne Zweifel“, sagte Dubi.

Regionales Ereignis und Kosteneinsparungen

Eine Idee der Veranstalter ist es, die Spiele als regionales Ereignis durchzuführen. Daher befinden sich die Wettkampfstätten in der Lombardei, in den Dolomiten und auch in Südtirol und dem Trentino. Das ist ein Vorteil aus Sicht der Tourismus-Branche, zudem sollen schönere Fernsehbilder entstehen.

„Ja, die Distanzen sind ein wenig weiter von Wettkampfort zu Wettkampfort. Aber alle sind vorbereitet“, sagte Präsidentin Kirsty Coventry vom Internationalen Olympischen Komitee. „Die Spiele werden an Weltklasse-Orten stattfinden, an den schönsten Orten in Italien. Ich denke, die Athleten werden eine fantastische Zeit haben.“
In Antholz wird bereits trainiert. © APA/afp / ODD ANDERSEN

In Antholz wird bereits trainiert. © APA/afp / ODD ANDERSEN

Ein weiterer Grund ist die Nutzung bereits bestehender Anlagen wie beispielsweise in Bormio, Antholz oder Val di Fiemme, wodurch Kosten gespart und die Umwelt geschont werden sollten. In Cortina ging dieser Plan nicht auf, die Bob- und Rodelbahn musste innerhalb kurzer Zeit neu gebaut werden und kostete laut Verkehrs- und Infrastrukturminister Matteo Salvini fast 125 Millionen Euro.

Dabei war zunächst von Spielen zum Nulltarif gesprochen worden. Davon kann Medienberichten zufolge inzwischen keine Rede mehr sein. Demnach sollen die Gesamtkosten mehr als fünf Milliarden Euro betragen.

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