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Marcello Cobelli spricht im SportNews-Interview über die Situation in heimischen Eishockey.

Liga-Chef Cobelli spricht Klartext: „Jetzt oder nie mehr“

Das Coronavirus hat das Eishockey in eine tiefe Krise gestürzt - und zugleich für große Ungewissheit bei Verbänden, Vereinen, Spielern und Fans gesorgt. Auch Italiens Liga-Chef Marcello Cobelli tappt im SportNews-Gespräch im Dunkeln, legt dennoch Alternativen auf den Tisch und nimmt den Eissportverband (FISG) in die Pflicht.

Der Lega Italiana Hockey Ghiaccio (LIHG), deren Vorsitz der Grödner Marcello Cobelli hat, gehören zurzeit sieben Vereine an, nämlich all jene, die an der Alps Hockey League teilnehmen. Ob es diese Liga auch in der kommenden Saison geben wird, steht in den Sternen. Faktoren, die einen geregelten Spielbetrieb behindern könnten, gibt es reichlich. „Öffnen die Grenzen, dürfen Zuschauer im Herbst wieder ins Stadion, können die Vereine die Krise finanziell überstehen?“, sorgt sich Cobelli. Um auf alle Szenarien vorbereitet zu sein, spiele die LIHG mögliche Alternativen durch.

Serie A als Notlösung?
Konkret heißt das: Im „Plan A“ ist eine gewöhnliche AlpsHL festgeschrieben, wovon Cobelli in Anbetracht der Umstände allerdings nicht ausgeht. Eine Saison, die innerhalb der Landesgrenzen beginnt und später mit den österreichischen und slowenischen Teams weitergeführt wird, sieht der „Plan B“ vor. Den drastischsten Schritt enthält „Plan C“: Eine neugegründete Serie A im alten Stil. Für letztere Alternative hätten Varese und der HC Meran bereits ihr Interesse angemeldet, dieses sei allerdings mit Vorsicht zu genießen, betont Cobelli. Mit einer endgültigen Entscheidung sei frühestens am 30. Juni zu rechnen.

In welcher Liga der HC Pustertal und die Rittner Buam in der kommenden Saison aufeinandertreffen, ist völlig offen. © Optic Rapid/I. Foppa


Um den Vereinen eine ausreichende Vorbereitung zu gewähren, schließt der 49-Jährige zudem nicht aus, dass die Saison erst am 1. Oktober beginnt. Und sollte es tatsächlich zu einer Serie A kommen, müsste zunächst ein neues Regelbuch geschaffen werden, das von der Legionärsanzahl bis zum Spielmodus reicht.
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Mit den Olympischen Spielen 2026 im eigenen Land wünscht sich der Mann aus Wolkenstein außerdem, dass der Eissportverband die Initiative ergreift und zeitnah eine „stabile Serie A“ auf die Beine stellt. „Wenn man es jetzt nicht schafft, eine italienische Liga zu gründen, dann wohl nie mehr.“ Dass dies eine sehr schwierige Aufgabe ist, weiß Cobelli: „Es kann nicht sein, dass man vor jeder Saison bei Vereinen betteln muss und quasi diese die Bedingungen stellen.“ Um nicht in ein solches Muster zu verfallen, müssen genügend Mannschaften gefunden werden - aber genau dies sei das Problem. Mit einem durchdachten, nachhaltigen und seriösen Projekt ist Cobelli überzeugt, dass es trotz aller Widrigkeiten gelingen würde. „Das ist der große Vorteil der AlpsHL. Wenn ein Verein seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, nimmt er einfach nicht teil“, sagt Cobelli auf Anspielung der großen Teilnehmerzahl.

Wann dürfen Fans wieder ins Stadion? © Andreas Senoner Photography


Die Fassade der AlpsHL hat in der abgelaufenen Saison Kratzer erhalten - nicht zuletzt wegen der Aufnahme neuer Farmteams. Die Kritik kann Cobelli nachvollziehen. „Die LIHG hat mehrmals darauf hingewiesen, dass dies nicht der Sinn des Erfinders sei, wenn eine Mannschaft in der ganzen Meisterschaft nur drei Punkte gewinnt. Weil dem ÖEHV 10 Startplätze zustehen, sind uns aber schlichtweg die Hände gebunden“, bedauert Cobelli. Nichtsdestotrotz sei die AlpsHL aufgrund der Situation der letzten Jahre die beste Variante.

Jedenfalls sind die Vereine in diesen turbulenten Zeiten nicht auf sich allein gestellt, sondern werden vom Eissportverband finanziell unterstützt. „Die 1,3 Millionen landen aber nicht direkt bei den Vereinen. Vielmehr profitieren sie, weil die FISG Schiedsrichterkosten, Anmeldungs- und Versicherungsgebühren übernimmt“, weiß Cobelli abschließend.

Autor: leo

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