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Im Brunecker Rienzstadion gingen in dieser Saison früher als geplant die Lichter aus.

So reagieren die AlpsHL-Klubs auf die Krise

Die regionale Eishockeywelt steht unter Zugzwang. Wie geht sie mit der Corona-Krise um? Wir haben uns bei den vier Südtiroler Vereinen der Alps Hockey League umgehört und wollten wissen, welchen finanziellen Schaden sie kalkulieren, wie der Status quo ist und wie sie die Kaderplanung angehen wollen.

HC Gherdëina: Zittern mit dem Tourismus
Für Gröden ging die Saison durch das Verpassen der Playoffs nahezu regulär zu Ende. Die einzigen Einbußen resultieren aus dem letzten Zwischenrunden-Heimspiel, das vor leeren Rängen ausgetragen wurde. Vielmehr bereiten dem HCG-Präsidenten, Walter Ploner, die Sponsorengelder Kopfzerbrechen: „Unsere Unterstützer stammen großteils aus der Tourismusbranche, die unter den Folgen des Coronavirus lechzt. Es ist unklar, ob jeder Sponsor den Vereinbarungen Folge leisten kann.“
„Bei der Kaderplanung kleinere Brötchen backen“
HCG-Präsident Walter Ploner
Als einziger Südtiroler Verein hat der HCG, mit seinen Leistungsträgern Brad McGowan und Matt Wilkins, bereits zwei Legionäre über diese Saison hinaus an sich gebunden. Deren Verträge sind laut Ploner nicht in Gefahr. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man bei der Kaderplanung kleinere Brötchen backen muss. „Das ist aber wohl bei jedem Verein in der AlpsHL der Fall“, meint der Vereinspräsident.
Wipptal Broncos: Solidarität stärken
Davon geht auch Broncos-Sportdirektor Egon Gschnitzer aus. „Ich denke mir, alle werden am Budget schrauben müssen“, so der Sterzinger Funktionär, der auf die Solidarität innerhalb der Liga hofft: „Wir müssen aufpassen, dass die Kluft zwischen den kleinen und den wenigen großen Vereinen in der Liga nicht weiter auseinander geht. Man könnte die Punkteregel überdenken oder nach anderen Wegen suchen, um die Auswirkungen dieser Krise abzufedern.“
„Wir müssen aufpassen, dass die Kluft nicht größer wird“
Broncos-Sportdirektor Egon Gschnitzer
In Sachen Kaderplanung herrscht in der Fuggerstadt nahezu Stillstand. Eine richtungsweisende vereinsinterne Sitzung musste vor kurzem wegen der Corona-Maßnahmen abgesagt werden, deshalb konnten bislang nur im Hintergrund Einzelgespräche geführt werden. Fakt ist, dass Dustin Whitecotton auch kommende Saison an der Sterzinger Bande stehen wird. Er hat sein Arbeitspapier erst vor wenigen Wochen bis 2022 verlängert.
HC Pustertal: Not macht erfinderisch
Die Stadiontore sind auch in Bruneck seit Wochen geschlossen. Dennoch versucht der HCP die heimische Halle nochmal zu füllen – auf virtuelle Weise. Auf der Vereinshomepage können sich alle Anhänger für 20 Euro ein Ticket für ein Spiel kaufen, das eigentlich gar nicht stattfindet. „Damit unterstützen uns unsere Fans, die fehlenden Playoff-Einnahmen zu einem Bruchteil zu kompensieren“, erklärt Patrick Kirchler, der sich bei den Wölfen um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert und diese, in Italien einzigartige Aktion ins Leben gerufen hat. Bislang hat der Klub rund 130 fiktive Tickets an den Mann gebracht.
„Sehr vorsichtig planen – jetzt mehr denn je“
HCP-Pressesprecher Patrick Kirchler
Der finanzielle Schaden, den der Saisonabbruch verursacht hat, lässt sich aufgrund des unklaren Playoff-Verlaufs kaum abschätzen. Fakt ist aber, dass die Corona-Krise den HC Pustertal mit seinem hohen Zuschauerinteresse trifft, wie kaum einen anderen Verein in der Liga. Nichtsdestotrotz laufen bei Sportdirektor Mitch Pohl die Drähte heiß. Er versucht, im Hintergrund die Fäden zu ziehen, wenngleich auch in Bruneck dieser Tage freilich keine Nägel mit Köpfen gemacht werden können. „Egal, wie sich die Situation entwickelt, in diesem Sommer gilt es sehr vorsichtig zu planen – jetzt mehr denn je“, weiß Kirchler.
Rittner Buam: Banges Warten
Am Rittner Hochplateau ist die Situation ähnlich wie im Osten des Landes. Auch dort ist Sportdirektor Adolf Insam mit Präsident Thomas Rottensteiner, Vereinsmitarbeitern, Spielern und Beratern in Kontakt, ohne jedoch dinghafte Schritte vollziehen zu können. „Vieles hängt davon ab, in welchem Ausmaß uns unsere Sponsoren nach der Krise unterstützen werden. Es herrscht eine große Ungewissheit, die weit über das Eishockey hinausgeht“, so der Rittner Kaderplaner.
„Die konkreten Planungen stehen bei Null“
Ritten-Sportdirektor Adolf Insam
Insam hofft, dass sich die Situation nach Ostern schrittweise bessert, dann gelte es als erstes die Trainerfrage zu lösen. Jozef Budaj, der die Buam in der letzten Saisonphase interimistisch betreut hat, ist als Jugendtrainer weiter an den Verein gebunden. „Wir brauchen hier eine gute, dauerhafte Lösung. Leider stehen wir, was die konkreten Planung für die nächste Saison betreffen bei Null. Im Moment gibt es wichtigere Probleme zu lösen. Wir können derweil nur hoffen, dass wir im Herbst zumindest wieder wie gewohnt zum Eishockey gehen können“, so Insam abschließend.


Autor: alexander foppa/leo holzknecht

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