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Alex Trivellato

Alex Trivellato: Ein Eisbär aus Südtirol

In wenigen Tagen wird sich zeigen, ob für Alex Trivellato ein sportlicher Traum wahr wird - dass er zum Kader des Deutschen Eishockey-Meisters EHC Eisbären für die kommende Saison zählt! „Ende August – Anfang September“, so der junge Mann aus Bozen, sollte dies entschieden sein.


Von Ernst Podeswa aus Berlin

Bei Neu-Cheftrainer der Berliner, Jeff Tomlinson, scheint der 20-jährige Verteidiger gute Karten zu besitzen. Nach einigen Trainingseinheiten und zwei Einsätzen in der Euro Trophy, vergleichbar mit der Champions League im Fußball, gegen prominente Gegnerschaft (Finnlands Meister Oulu bzw. Schwedens Vize Lullea) meint Tomlinson: „Alex hat sich gut auf das höhere Tempo eingestellt und macht seinen Job in der Abwehr konzentriert und aufmerksam.“

Der 43-jährige Kanadier hat bei der Ankündigung, junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs integrieren zu wollen, Wort gehalten. Neben Vincent Schlenker, Henry Haase und Thomas Supis, die bereits in der Vorsaison ihre Visitenkarten in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) abgaben, durften sich nun neben Trivellato die U20-Auswahlakteure Sven Ziegler und John Koslowski präsentieren. Laut Tomlinson hätten alle einen „guten Eindruck" hinterlassen. Gleichwohl „dürfen sie natürlich Fehler machen. Denn das gehört in diesem Alter noch dazu."

Dass aber Trivellato begründete Aussichten zum Aufrücken in das Kernaufgebot beim Rekordmeister hat, hängt nicht nur mit dessen Talent zusammen. Denn nach der Saison, die den siebenten Titel bescherte, wurden zwei Abwehrkräfte aus Nordamerika verabschiedet. Ein dritter, der deutsche Nationalspieler Constantin Braun, musste sich überraschend wegen Depressionen in ärztliche Behandlung begeben.


„Eine große Chance“

So wurde das verbliebene Trio aus dem Meisteraufgebot durch die Nordamerikaner Casey Borer und Shawn Lalonde ergänzt. Mit Jim Sharrow, sowie den Nationalspielern Frank Hördler und Jens Baxmann sind hingegen derzeit fünf Defensivspezialisten gesetzt. Eindeutig zu wenig, um durch eine lange Spielzeit mit über 60 Pflicht-Begegnungen zu kommen.

„Ja, ich weiß, das ist eine große Chance für mich. Und ich werde alles geben, um den Platz in der Mannschaft zu erkämpfen", erklärt Trivellato. Drei Wochen Sommerferien hat er daheim in Leifers, bei den Eltern sowie mit Freunden in Turin verbracht.

Ein Onkel hatte ihn als fünfjährigen Knirps in Bozen mal zum Eishockey mitgenommen. Daraus wurde eine Eishockey-Leidenschaft, an die selbst König Fußball nicht heranreichte. Mit 16 wechselte er mit Ziel Profikarriere nach Kaufbeuren und fiel den Talentescouts der Eisbären auf. So kam er 2010 an die Spree, spielte bei den Eisbären Juniors, in der Nachwuchs-Liga DNL, sowie beim Kooperationspartner FASS Berlin in der Oberliga (dritthöchste Kategorie). Zudem wurde er für Italien in die U18- und U20-Aufgebote einberufen und zur Vorbereitung auf die Olympiaqualifikation Sotschi 2014 von Nationaltrainer Tom Pokel eingeladen.


„Natürlich happy“

Als ihm die Eisbären dann kurz vor Trainingsbeginn zum Spieljahr 2013/14 anboten, für zunächst zwei Jahre deren Dress zu tragen, war er „natürlich happy". Denn das war sein erster Vertrag als Profi und ein großer Schritt in Richtung Berufs-Eishockeyspieler mit Perspektiven Nationalmannschaft, WM und Olympia.

Was den Unterschied zwischen Anforderungen in einem U 20-Team oder in der deutschen Oberliga zu dem ausmache, was im DEL-Meisterteam bzw. in der Euro Trophy verlangt wird? – „Es geht schneller und aggressiver zu. Muss schneller die Situation erfassen und schneller handeln. Und das Spielverständnis der Mitspieler und Gegner ist generell viel stärker ausgeprägt", sagt der junge Südtiroler.

Mit 1,86 m und 83 kg verfügt er über ausbaufähige körperliche Voraussetzungen, um in Duellen mit Nationalspielern, WM- und Olympiastartern zu bestehen. Angst vor Verletzungen? – „Nein. Ich bin ja von klein auf dabei. Hatte mal eine Muskelverletzung im Oberschenkel und eine Prellung nahe der Bandscheibe, aber sonst nichts."

Die Zeit in der deutschen Hauptstadt hat der zielstrebige und eigenständige Sportler aber nicht nur mit Schwitzen im Kraftraum oder auf der Eisfläche ausgefüllt. An der Fachhochschule Karlshorst schließt er demnächst die gestreckte Ausbildung zum Groß- und Außenhandels-Kaufmann ab.

Daneben kümmert er sich um seinen 15-jährigen Bruder David. Jener nutzt hier die Möglichkeit der parallelen Entwicklung - Eishockey und Internat/Schule am Sportgymnasium - bei den Eisbären seit einem Jahr und möchte wie Alex Eishockey-Profi werden.

Wenn es übrigens mit der Vergabe der Ausländer-Lizenz beim EHC wider Erwartungen nicht klappen sollte, darf Alex auf Leihbasis beim Zweit-Bundesligisten Dresdner Eislöwen sein Talent beweisen. Dass er davon eine Menge besitzt, unterstreicht seine Vornominierung für einen Draft zur weltbesten Eishockey-Liga NHL in Nordamerika.

Autor: sportnews

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