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Paul Eisendle im SportNews-Interview. © Neue Rosskopf GmbH

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Paul Eisendle im SportNews-Interview. © Neue Rosskopf GmbH

Athlet, Unternehmer, Politiker: Sterzinger Tausendsassa vor Rücktritt

Die neue Saison in der Alps Hockey League (AlpsHL) beginnt für die Wipptal Broncos in weniger als drei Wochen. Wer die Spielerliste der Wildpferde durchforstet, erkennt: Ein klingender Name fehlt im Kader – und zwar jener des Kapitäns Paul Eisendle. Das hat einen Grund, denn der 28-Jährige wird seine Karriere mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beenden.

Von:
Leo Holzknecht

Wie in kaum einer anderen Sportart gilt im Eishockey: „Früh übt sich.“ Heißt: Wer irgendwann eine Hauptrolle auf hohem Niveau spielen will, muss sich bereits im Kindesalter die Fertigkeiten dieses hochkomplizierten und koordinativ anspruchsvollen Sports aneignen. Doch auch in diesem Fall bestätigt die Ausnahme die Regel.


Paul Eisendle begann nämlich erst mit 14 Jahren mit dem Eishockeyspielen. „Ich bin davor Ski gefahren und habe Fußball gespielt. Meine erste Saison absolvierte ich in der U16“, erklärt der Stürmer. „Zu Beginn musste ich erst richtig eislaufen lernen.“ Er habe sich jede freie Minute mit dem Eishockeyspielen befasst, seine ganze Freizeit in den Sport gesteckt – denn sein Ziel war es, in Zukunft in die erste Mannschaft zu gelangen. Nur vier Jahre später ging dieser Traum, den Eisendle zu Beginn nie für möglich gehalten hatte, in Erfüllung. „Ich habe meine Chance bekommen und sie genutzt, obwohl die ersten Jahre sehr hart waren“, erinnert er sich.

Aufstieg zum Kapitän

Mit seinem Ehrgeiz und dem unbändigen Willen arbeitete sich Eisendle in der Hierarchie stückweise nach oben, ehe er nach dem Rücktritt von Fabian Hackhofer sogar zum Kapitän der Broncos ernannt wurde. „Diese Aufgabe in den letzten zwei Jahren auszuüben, war für mich eine große Ehre“, erklärt Eisendle. Leicht sei es ihm jedoch nicht von der Hand gegangen. „Es war eine Herausforderung, diese Rolle gut auszuführen, da man sich für jeden Einzelnen Zeit nehmen, Gespräche führen und als Führungsfigur vorangehen soll. Meiner Meinung nach ist es eine sehr schwierige Aufgabe. Aber ich kann sagen, dass ich mein Bestes gegeben habe.“

Paul Eisendle denkt daran, die Schlittschuhe an den Nagel zu hängen. © Oskar Brunner

Paul Eisendle denkt daran, die Schlittschuhe an den Nagel zu hängen. © Oskar Brunner


Sie merken vielleicht: Eisendle spricht in der Vergangenheit. Grund dafür sind Rücktrittsgedanken, die im Kopf des Wipptalers herumschwirren. Zwar ist die Entscheidung noch nicht 100 Prozent in Stein gemeißelt, Eisendle will aber noch vor dem Saisonbeginn einen definitiven Entschluss fassen. „Ganz abgeschlossen habe ich mit dem Sport noch nicht. Ich fühle mich fit und lasse eine Hintertür offen. Letztendlich denke ich aber, dass es an der Zeit ist – obwohl ich mich im besten Eishockey-Alter befinde. Dem Verein habe ich auch kommuniziert, dass die vergangene Saison die letzte war. Ich will nicht mitten im Winter in der Umkleidekabine auftauchen und jemandem den Platz wegnehmen. Genau so muss der Sport auch sein: Es kommen immer jüngere, bessere Spieler nach, die den Generationenwechsel einleiten.“
„Für mich wurde es immer schwieriger, alles unter einen Hut zu bekommen.“ Paul Eisendle

Die Gründe für das bevorstehende Karriereende liegen auf der Hand. Eisendle stieg schon mit 24 Jahren zum Geschäftsführer und Präsidenten des Skigebietes Rosskopf auf. „Ich habe vor acht Jahren im Büro begonnen. Irgendwann wurde mir diese Chance geboten, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Danach habe ich trotzdem immer weiter Eishockey gespielt. Um 7 Uhr das Haus zu verlassen, um arbeiten zu gehen, und danach direkt zum Training zu fahren, ist schwer“, betont er. „Wenn man etwas gerne tut, findet man die Zeit dafür. Aber für mich wurde es immer schwieriger, alles unter einen Hut zu bekommen – zumal der Winter nicht nur im Eishockey die ereignisreichste und stressigste Zeit ist, sondern auch bei uns im Büro.“

Und damit nicht genug: Denn Eisendle wurde letztes Jahr auch in den Sterzinger Gemeinderat gewählt, wo er Oppositionsarbeit leistet. Wie es dazu kam? „Ich wurde gefragt, ob ich nicht kandidieren wolle. Und ich dachte mir, dass es doch etwas Tolles wäre, wenn man etwas für die Bevölkerung bewegen könnte. Dass ich es dann sofort in den Gemeinderat schaffe, hätte ich mir zu Beginn auch nicht gedacht.“

Passion fürs Radfahren

Egal, ob Eisendle seine Karriere letztendlich doch noch fortsetzen wird oder nicht – sportlich aktiv bleibt er auf jeden Fall. So nahm der 28-Jährige am letzten Sonntag am Ötztaler Radmarathon teil, einem 227 Kilometer langen Rennen, bei dem 5.500 Höhenmeter zu bewältigen sind. Mit Start und Ziel in Sölden führt die Strecke zunächst über Kühtai nach Innsbruck, von dort über den Brenner hinab nach Sterzing und schließlich über den Jaufenpass und das Timmelsjoch zurück nach Sölden.

Eisendle war ein Aushängeschild seiner Broncos. © Social Media

Eisendle war ein Aushängeschild seiner Broncos. © Social Media


Wie bereitet sich der körperlich robuste Eisendle, der 100 Kilogramm auf die Waage bringt, auf eine solche Belastung vor? „Vor zwei Jahren bin ich im Sommer 500 Kilometer auf dem Rad gestanden. Heuer waren es schon 5.000. Ich finde, dass es neben der Arbeit ein super Ausgleich ist. Zudem sind wir eine bärige Gruppe, die gemeinsam Touren unternimmt. Meine Statur ist auf dem Rad natürlich nicht vorteilhaft, aber ich habe schon einige Kilos verloren. Aber es fehlen immer noch zehn“, erklärt Eisendle mit einem Lächeln. Wenn man motiviert ist, schaffe man jedoch auch dieses Ziel.
„Es läuft nicht immer, wie man es sich vorstellt – und genau das motiviert mich, nächstes Jahr wieder teilzunehmen.“ Paul Eisendle

Eisendle fühlte sich am Renntag top vorbereitet, in guter Form – und doch kam am Ende alles anders. Denn bei der Auffahrt zum Brenner stürzte er während der Einnahme eines Energy-Gels, wodurch seine Schaltung defekt ging. Noch bevor er seine Heimatstadt Sterzing erreichte, musste er die weiße Fahne hissen. „Es ist sehr blöd gelaufen, aber es war einfach ein Fahrfehler von meiner Seite. Die ersten Kilometer habe ich aber genossen. Es läuft nicht immer, wie man es sich vorstellt – und genau das motiviert mich, nächstes Jahr wieder teilzunehmen“, sagt er.

Gesichert ist seine persönliche Revanche mit dem Ötztaler Radmarathon aber nicht, denn jährlich bekommen bei über 25.000 Bewerbungen nur rund 4.500 Athleten einen Startplatz. „Das ist nicht so leicht. Menschen, die entlang der Strecke wohnen, haben aber Vorrang, weshalb ich guter Dinge bin“, betont der Sterzinger Tausendsassa abschließend.

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