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Mike Levin hat in Meran einen Traumstart hingelegt. © Privat

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Mike Levin hat in Meran einen Traumstart hingelegt. © Privat

Merans Tormaschine: Er spielt für einen toten Freund

Der HC Meran ist mit zwei Derbysiegen aus drei Spielen sehr gut in die neue Saison gestartet. Entscheidenden Anteil daran hat Legionär Mike Levin, der schon fünfmal ins Schwarze traf und gegenüber SportNews seine bewegende Lebensgeschichte erzählte.

Von:
Leo Holzknecht

Der Eishockeysport ist in Nordamerika und in Skandinavien zu Hause. Nichtsdestotrotz träumen Athleten rund um den Globus von der besten Liga der Welt, der NHL. Um auch nur einmal vor Tausenden Menschen, an der Seite der Superstars, auf der größten Bühne aufzulaufen, trainieren Talente ein Leben lang. Auch Mike Levin hegte als kleines Kind diesen Traum. Dabei wuchs er in einem Land auf, in dem Eishockey nur eine untergeordnete Rolle spielt: Israel.


Die Passion für die schnellste Mannschaftssportart der Welt wurde dem 20-Jährigen in die Wiege gelegt. Vater Pavel spielte in Lettland professionell Fußball, jagte in seiner Freizeit aber auch dem Puck hinterher. Mutter Lena stammt hingegen aus dem eishockeyverrückten Russland. Nach seiner aktiven Karriere eröffnete Pavel Levin an der Grenze zum Libanon einen Sportverein, wo Mike Levin – und der sechs Jahre ältere Bruder David – sich ins Eishockey verliebten. Wobei: Zunächst spielten die Brüder vor allem Rollerhockey. „Ich bin mit zehn Jahren erstmals eisgelaufen, mein Bruder mit zwölf. Hockey wurde schon früh zu einem großen Teil in unserem Leben. Dass ich umgeben von diesem Sport aufgewachsen bin und mein Vater darin involviert war, hat mir dabei geholfen, meine Leidenschaft dafür zu entwickeln.“

Mit zwölf verließ er seine Heimat

Früh erkannten die Levin-Brüder: Wenn sie ihren NHL-Traum erreichen wollen, müssen sie nach Kanada ziehen. David machte diesen Schritt im Alter von zwölf Jahren. „Es war sehr hart, als er Israel verlassen hat, weil wir uns sehr nahestanden und ich sehr zu ihm aufgeschaut habe. Gleichzeitig habe ich seine Entscheidung verstanden. Sie hat mich motiviert, noch härter zu arbeiten, um meinen Traum zu verwirklichen“, erzählt Mike Levin.

Mike (links) und David Levin. © Social Media

Mike (links) und David Levin. © Social Media


David Levin, der auch schon in der heimischen ICEHL spielte und im Vorjahr in der ungarisch-rumänischen Liga zum Topscorer aufstieg, schaffte den Übergang vom Roller- zum Eishockey. 2018 wurden ihm sogar gute Chancen eingeräumt, im NHL-Draft gezogen zu werden. Letztendlich blieb ihm diese Freude jedoch verwehrt. „Zu sehen, was er geleistet hat und auf welchem Niveau er gespielt hat, hat mich sehr motiviert – er ist für mich sowohl auf dem Eis als auch im Alltag mein Vorbild. Ich wollte schon immer in seine Fußstapfen treten“, drückt Levin die Bewunderung über seinen Bruder aus.

Wie David packte auch Mike mit zwölf Jahren seine Koffer und schlug in Kanada seine Zelte auf. „Weil ich mich selbst herausfordern, mich als Spieler verbessern und mir die besten Chancen verschaffen wollte, das nächste Level zu erreichen“, sagt er. Der Israeli wohnte zunächst bei seinem Onkel, behauptete sich im unendlichen Talentbecken Kanadas und wurde 2021 im OHL-Draft von den London Knights gezogen.

Ein Schicksalsschlag

Im gleichen Team spielte der Russe Abakar Kazbekov, der schnell zu einem der größten Vertrauten Levins wurde. Das Duo verbrachte viel Zeit gemeinsam und lernte zusammen die englische Sprache. Am 17. Dezember 2022 wurde Levins Leben jedoch erschüttert, denn Kazbekov starb im Alter von nur 18 Jahren. Er verlor eine seiner größten Bezugspersonen fernab von seiner Heimat Israel. „Er war einer meiner besten Freunde, dem man in jeder Lebenslage vertrauen konnte. Es war ein sehr schwieriger Moment in meinem Leben, aber es muss weitergehen. Ich denke immer noch sehr oft an ihn und jedes Spiel, das ich spiele, spiele ich für ihn.“

Als Kind spielte Levin (links) hauptsächlich Rollerhockey. © Social Media

Als Kind spielte Levin (links) hauptsächlich Rollerhockey. © Social Media


Levin überkam diese Tragödie, ging gestärkt hervor und startete im letzten Sommer – an der Seite seines Bruders – bei Corona Brasov seine Profikarriere. Während David dort sein Arbeitspapier verlängerte, wechselte Mike heuer zum HC Meran. „Ich hatte das Gefühl, dass es eine großartige Gelegenheit für mich war, den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen. Mir gefielen der Ehrgeiz des Vereins, die Menschen rund um das Team und die Chance, Teil von etwas Spannendem zu sein.“
„Ich denke, in dieser Phase meiner Karriere ist es wichtig für mich, mehr Verantwortung zu übernehmen.“ Mike Levin

In der rundum erneuerten Mannschaft der Adler ist Levin der Unterschiedsspieler. Die Verantwortung ist für ihn keine Bürde – im Gegenteil. „Ich denke, in dieser Phase meiner Karriere ist es wichtig für mich, mehr Verantwortung zu übernehmen und mich zu einem rundum besseren Spieler zu entwickeln. Ich möchte, dass sich meine Teamkollegen und Trainer sowohl auf dem Eis als auch abseits des Eises auf mich verlassen können. Ich weiß, dass ich mich noch in vielen Bereichen verbessern kann, und daran arbeite ich jeden Tag“, so Levin.

In den ersten drei Spielen hat er seine Qualitäten schon unter Beweis gestellt. Nicht nur die schiere Anzahl seiner Tore (fünf in drei Partien), sondern auch die Art und Weise, wie er diese erzielte, machten Eindruck. Sein ansatzloser Schuss gehört zu den gefährlichsten der Liga. Die technischen Fähigkeiten verdankt er seiner Meinung nach nicht zuletzt dem Rollerhockey. „Die Kreativität, die Puckbehandlung und die Hände gehen darauf zurück. Man muss sich wohlfühlen, den Puck auf engstem Raum zu kontrollieren. Außerdem gab es mir die Freiheit, verschiedene Dinge auszuprobieren und meinen eigenen Spielstil zu entwickeln.“

Levin traut den Adlern viel zu

Meran will Levin zu einem ähnlichen Coup wie im Vorjahr verhelfen, als die Adler sensationell ins Finale der AlpsHL vorstießen. „Ich denke, dass wir ein starkes Team mit viel Qualität und Potenzial haben. Wir hatten einen guten Start, aber die Saison ist noch jung und wir wissen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Wenn wir uns weiter verbessern, konstant bleiben und füreinander spielen, glaube ich, dass wir eine wirklich gute Saison hinlegen können. Ich persönlich möchte der Mannschaft einfach so gut ich kann helfen und mich von Spiel zu Spiel weiter verbessern“, sagt er.

Mit dem HC Meran will Levin hoch hinaus. © BK Photo

Mit dem HC Meran will Levin hoch hinaus. © BK Photo


Mit guten Resultaten und dem Spielen auf hohem Niveau will er auch noch etwas anderes erreichen, was ihm wichtig ist: die Inspiration junger Talente in Israel. „Für mein Land zu spielen, erfüllt mich mit Stolz. Eishockey in Israel befindet sich noch im Aufbau, und ich hoffe, dass ich durch meine Leistungen auf hohem Niveau dazu beitragen kann, mehr Aufmerksamkeit auf diesen Sport zu lenken und jüngere Kinder dazu zu inspirieren, selbst mit dem Eishockeyspielen anzufangen. Es ist etwas Besonderes, ein Teil davon zu sein“, meint er abschließend.

Alps Hockey League

Donnerstag, 1. Oktober:
KAC Future Team – Rittner Buam (19 Uhr)
Red Bull Juniors – HC Meran (19.15 Uhr)
EC Kitzbühel – Wipptal Broncos (19.30 Uhr)
KHL Sisak – EK Zell am See
Unterland Cavaliers – SG Cortina (20 Uhr)
HC Gherdëina – HC Asiago (20.30 Uhr)

Samstag, 3. Oktober:
Wipptal Broncos – KHL Sisak (18 Uhr)
HD Jesenice – KAC Future Team
Rittner Buam – Red Bull Juniors
EK Zell am See – EC Kitzbühel (19.30 Uhr)
HC Asiago – Unterland Cavaliers (20 Uhr)
SG Cortina – HC Meran (20.30 Uhr)

SPGUVTVP
1. Jesenice430117:89
2. HC Asiago430119:148
3. Rittner Buam320115:86
4. HC Meran320110:106
4. Zell am See320110:106
6. Kitzbühel310212:114
7. KHL Sisak21016:63
8. Klagenfurt II21017:83
9. HC Gherdëina310211:133
10. Unterland Cavaliers31028:113
11. Salzburg II41036:163
12. Wipptal Broncos21018:102
13. SG Cortina20024:81

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