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Mike Keenan hat seinen Blick bereits auf Olympia 2026 gerichtet. © Valentina Gallina

Der Welttrainer an der Italien-Bande: „Es ist ein Privileg“

Er hat die besten Spieler der Welt trainert, hat als Coach alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, nun soll er Italiens Eishockey auf Vordermann bringen. Die Rede ist von Mike Keernen. SportNews hat sich mit dem neuen Nationaltrainer unterhalten.

Aus dem Sheraton-Hotel in Bozen

Von:
Alexander Foppa

Mike Keenan ist ein Mann mit festem Händedruck, den eine große Aura umgibt. Er ist jemand, der den direkten Blickkontakt sucht und eine klare Ansprache hat. Sein erster Auftritt als Trainer der italienischen Nationalmannschaft ist ein Vorgeschmack auf das, was Daniel Frank, Diego Kostner, Alex Trivellato und Co. die nächsten Wochen und Jahre erwartet. Keenan wurde am Mittwoch im Sheraton-Hotel in Bozen offiziell vorgestellt – und mit ihm ein großes Projekt.


Das Projekt trägt den Namen „Olympia 2026“ und der erfahrene Kanadier, der als Trainer satte 1.386 NHL-Spiele auf dem Buckel hat, ist ein bedeutender Teil davon. „Ich war noch nie bei Olympia, das will ich noch schaffen. Italien ist keine große Eishockey-Nation, doch für mich ist es ein Privileg, das Blue Team zu den Winterspielen im eigenen Land zu führen. Wir wollen alle Italiener stolz machen“, so Keenans erste Worte als Verantwortlicher des Blue Teams.

Zur Person: Mike Keenan

PrivatesEr ist 72 Jahre alt, stammt aus der Nähe von Toronto (Kanada), ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Im Jahr 2018 erkrankte er an Prostata-Krebs, mittlerweile gilt er als geheilt.
StationenKanadische Nationalmannschaft (1988, 1992-93), Philadelphia Flyers, Chicago Blackhawks, New York Rangers, St. Louis Blues, Vancouver Canucks, Boston Bruins, Florida Panthers, Calgary Flames (alle NHL, 1984-2009), Metallurg Magnitogorsk, Kunlun Red Star (beide KHL, 2013-18).
ErfolgeStanley Cup mit den New York Rangers (1994), Gagarin Cup mit Magnitogorsk (2014). Keenen war der erste Trainer, der sowohl den NHL- als auch den KHL-Titel gewann. Mit 672 Siegen belegt er im Ranking der allzeitbesten NHL-Trainer den 15. Platz.

Keenan tritt damit in die Fußstapfen, des als „harten Hund“ bezeichneten Greg Ireland. Die Gangart dürfte die selbe bleiben, hat sich der 72-Jährige doch nicht umsonst den Übernamen „Iron Mike“ erarbeitet. Als Gegenpendant wurde Mike Pellino als Assistenztrainer installiert. Der Italo-Kanadier war früher Headcoach der kanadischen Auswahl, arbeitete zuletzt aber 17 Jahre lang vorwiegend als Co-Trainer in der NHL und KHL – auch unter Keenan. „Er ist eine herzliche Person, hat einen tollen Umgang mit den Spielern. Ich habe ihn als Spieler an der Uni gecoacht, später mit ihm lange als Trainergespann gearbeitet. Seine Rolle ist von enormer Bedeutung, genauso wie jene der weiteren Staffmitglieder. Ich sehe uns als eine einzige Einheit“, erklärt Keenan.
„Es gibt keine Probleme, sondern nur Challenges.“ Mike Keenan

Als Einheit wollen sie das Blue Team nach dem Abstieg aus der Weltgruppe im vergangenen Mai wieder aufbauen und die Probleme im heimischen Eishockey bewältigen. Auch wenn Keenan selbst sagt: „Es gibt keine Probleme, sondern nur Challenges. Der Sport ist eine einzige Challenge. Und wir reden hier nicht über Tennis, Fußball oder Football, sondern über die schnellste, komplizierteste und technisch anspruchsvollste Sportart der Welt. Wir alle lieben das Eishockey“, so der Kanadier, dessen größte Aufgabe es sei, „eine Entwicklung zu lancieren, eine Symbiose mit den Spielern“ zu bilden.

Einige dieser Spieler hat Keenan bereits kennengelernt. Er war beim ICE-Auftritt des HC Bozen gegen Graz dabei, zudem hat er sich beim Continental Cup in Asiago unter die Zuschauer gemischt. Am Donnerstag wird er gemeinsam mit FISG-Sportdirektor Stefan Zisser ein Spiel der AlpsHL besuchen, bevor am Samstag ein erster Abstecher nach Bruneck geplant ist. Seine Länderspielpremiere hat Keenan vom 11. bis 13. November bei einem Testspielturnier in Budapest.

Das sagen die FISG-Bosse zur Trainerwahl:

Andrea Gios (Präsident): „Mike Keenan ist kein Trainer, der eine einfache Auswahl tätigen soll, sondern Spieler entwickeln wird. Er wird sich zehn Monate im Jahr ausschließlich um unser Eishockey kümmern. Seine Zusage hat mich überrascht, ich hätte nie und nimmer gedacht, dass wir einen Coach dieses Kalibers bekommen würden. Keenan weiß, dass es hierzulande Probleme gibt. Dennoch ist er voller Tatendrang und Begeisterung, das Projekt Olympia 2026 anzupacken. Es muss auch klar gesagt werden: Die Winterspiele sind unsere letzte Chance, das Eishockey in Italien endlich nach vorne zu bringen.“

FISG-Pressesprecher Luca Tommasini, Marcello Cobelli, Andrea Gios, Mike Keernan und Stefan Zisser (v.l.) am Rednertisch. © V. Gallina


Marcello Cobelli (Eishockey-Verantwortlicher):
„Wir müssen es schaffen, die Euphorie, die Leidenschaft und das Interesse am Eishockey zu wecken, das in den 90er-Jahren nicht nur in Bozen sondern in ganz Norditalien enorm war. Lasst uns von einer Überraschung bei Olympia träumen und die Winterspiele als ersten großen Schritt in eine bessere Zukunft sehen. Mike Keenan ist dafür der richtige Mann. Wir werden versuchen, ihm maximal fünf bis sieben richtig gute Italos zur Verfügung zu stellen, der restliche Kader soll aus einheimischen Spielern bestehen.“

Stefan Zisser (Sportdirektor): „Wir haben uns bewusst gegen einen Nationaltrainer mit Doppelfunktion entschieden, da dies zuletzt zu internen Problemen geführt hat. Wir haben einen Fulltime-Coach gesucht und mit Mike Keenan den idealen Mann gefunden. Er wird am 7. November mit einem Trainingscamp in Bozen loslegen, zwei Tage später geht es für drei Turnierspiele nach Ungarn. Bei der ersten Spielerauswahl werden wir ihn noch beraten, dann übernimmt er das Ruder.“

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