
Thomas Tragust und sein Schützling: Damian Clara
Tragust über Clara: „Blaue Flecken habe ich keine gesehen“
Italien war nach dem Auftakt des Männer-Turniers bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina in aller Munde. Der aufmüpfige Auftritt bei der 2:5-Niederlage gegen Schweden, einen der Mitfavoriten auf Gold, übertraf alle Erwartungen. Aus dem starken Kollektiv ragte ein Spieler – oder besser gesagt ein Torhüter – besonders heraus: Damian Clara. Auch Tormanntrainer Thomas Tragust zeigt sich beeindruckt.
12. Februar 2026
Aus Mailand

Von:
Kurt Platter
„Damian hat ein Wahnsinnsspiel abgeliefert. Das war Weltklasse“, schwärmte am Morgen danach Italiens Torhütertrainer Thomas Tragust und fügte hinzu: „Mich freut es vor allem für Damian persönlich. Er hatte bisher nicht eine einfache Saison bei Brynäs IF. Mit dieser Vorstellung hat er sich wieder einmal in die Vitrine gestellt und beste Werbung in eigener Sache gemacht.“
Tragust und der gesamte Trainerstab um Jukka Jalonen wussten bereits vor dem ersten Puckeinwurf „dass wir einen guten Goalie benötigen, um nicht vom schwedischen Starensemble abgeschossen zu werden. Damian war sofort im Spiel, seine ersten Paraden gaben ihm die nötige Sicherheit und das Selbstvertrauen, das ihm zuletzt vielleicht ein wenig gefehlt hatte. Er hat sich von Minute zu Minute gesteigert und im richtigen Moment die entscheidenden Key Saves gemacht.“
Clara bis in die Haarspitzen motiviert
Dass es Clara an Motivation am Mittwochabend in der „Santagiulia Ice Hockey Arena“ nicht gefehlt hatte, lag auf der Hand. Zum einen gibt es Olympische Spiele nur alle vier Jahre und im Fall von Italien zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder, zum anderen verbringt der Hüne derzeit seine vierte Saison in Schweden, weshalb er es auch dort allen zeigen wollte. „Für Damian war es alles andere als einfach. Schließlich bekommt er bei Brynäs oft nur 20 oder sogar weniger Schüsse auf seinen Kasten. Dieses Mal waren es 49 in nur 46 Minuten“, rechnete Tragust vor.In Hochform: Damian Clara © APA/afp / ALEXANDER NEMENOV
Zudem waren es nicht „normale, sondern knallharte und sehr präzise Schüsse. Das Niveau der Schüsse ist in Schweden sehr gut. Ich denke aber, dass die Schuss-Qualität am Mittwoch noch um einiges höher war. Schließlich spielen die besten schwedischen Spieler in der NHL und derzeit hier in Mailand. Blaue Flecken habe ich bei Damian keinen gesehen. Diese nimmt man aber gerne in Kauf, wenn man dafür ein Tor verhindert“, erklärte Tragust, der weiß, von was er spricht. Schließlich war der Vinschger, der jetzt im Pustertal lebt, selbst 20 Jahre lang Torhüter.
„Damian verspürte bereits im zweiten Drittel erstmals Krämpfe, biss aber auf die Zähne.“ Thomas Tragust
Laut Tragust „waren es aber nicht nur die vielen Schüsse, die dem 21-Jährigen aus Reischach ordentlich zusetzten und Kraft raubten, sondern auch die Beinarbeit, die Bewegungen vom linken zum rechten Pfosten und das Runtergehen und schnell wieder aufstehen. Zudem war es in der Arena ziemlich warm. Damian verspürte bereits im zweiten Drittel erstmals Krämpfe, biss aber auf die Zähne. Nach dem Stretch-out-Save gegen Elias Pettersson zu Beginn des Schlussdrittels war dann Feierabend. Die Krämpfe waren einfach zu groß“.
Die Glanztat von Clara gegen Pettersson kam nach 44.28 Minuten. Nach 46.08 Minuten verließ der Pusterer dann seinen Kasten und überließ ihn Davide Fadani. Die 46 gehaltenen Schüsse bei drei Gegentoren bedeuteten eine Fangquote von sensationellen 93,9 Prozent. „Als ich Damian nach dem Spiel gesehen habe, war er schon gezeichnet und müde, aber glücklich über das Geleistete. Von der medizinischen Abteilung gab es schnell Entwarnung. Zum Glück waren es nur Krämpfe“, atmete Tragust am Tag danach auf.
Umstellung auf kleinere Eisfläche
Italiens Trainerstab hatte sich bereits einige Tage vor dem ersten Spiel für Clara festgelegt, wie Tragust verriet: „Der Mannschaft und Damian selbst haben wir es aber erst am Dienstag nach dem Training mitgeteilt. So konnte er sich am Mittwochvormittag beim Pre-Game-Skate noch einmal gezielt auf das Spiel vorbereiten.“Nach dieser Parade ging es für Damian Clara nicht mehr weiter. © APA/afp / ALEXANDER NEMENOV
Clara hat sich sehr gut auf das Spiel vorbereitet und war 46 Minuten lang ein Fels in der Brandung. Gemeinsam mit Fadani und Gianluca Vallini hat sich der 1.97-Meter-Riese sehr schnell auf die kleinere Eisfläche eingestellt. „Es war schon eine große Umstellung. Als Torhüter orientiert man sich an Linien. Diese sind in Mailand anders eingezeichnet und die Bullys sind tiefer als sonst. Man muss das richtige Timing finden und früher hinunter gehen. Zum Glück hat Damian vor einem Jahr in der AHL und auch beim Development Camp der Anaheim Ducks auf einer kleineren Eisfläche Erfahrung sammeln können“, ist der Torhütertrainer des „Blue Teams“ zufrieden.
Clara hat sich jedenfalls noch weiter ins Rampenlicht gerückt und den Beweis erbracht, dass der Torhüter die Schlüsselfigur im Eishockey ist.
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