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Bei den Ungarn (in rot) brennt der Hut vor dem Italien-Spiel. © IIHF/Vanna Antonello

„Trainer ist ein Clown“: Riesen-Krach bei Italiens Gegner

Für Italien war das vorletzte Match der Heim-Weltmeisterschaft gegen Ungarn am Freitagabend ein entscheidendes. Ausgerechnet in dieser brisanten Phase fliegen beim Gegner aus Osteuropa die Fetzen.

Italien und Ungarn haben bei der Eishockey-WM in Bozen dasselbe Ziel: Beide wollen aufsteigen. Deshalb war das Match zwischen den beiden Formationen am Freitagabend ein Schicksalsspiel, das Ungarn mit 3:2 gewann. Doch ausgerechnet jetzt brennt bei den Magyaren komplett der Hut. Zwischen der Mannschaft und dem Trainer gibt es offenbar tiefe Risse.


Anders lässt sich das, was dieser Tage in Bozen passiert, nicht erklären. Die Ungarn haben am Mittwoch völlig überraschend mit 1:2 gegen Rumänien verloren. Eine Niederlage, die das brodelnde Fass zum Überlaufen brachte. Denn Star-Stürmer Vilmos Gallo (er spielt ab der kommenden Saison für Kookoo in der höchsten finnischen Liga) setzte live im ungarischen Fernsehen zu einer beispiellosen Attacke an: „Unser Nationaltrainer ist leider ein Clown“, sagte Gallo in Richtung Don MacAdam, dem Coach der Ungarn.

Live im TV kommt die große Attacke

„Ich gebe in jedem Spiel mein Bestens, aber der Trainer versucht mich immer und immer weiter runter zu drücken. Er hat mich aus der Powerplay-Linie genommen, das frustrierte mich. Wir werden sehen, wie es weitergeht“, wetterte der wohl namhafteste Crack der Ungarn. Zwar entschuldigte sich Gallo später für seine öffentlichen Aussagen, doch die Worte seiner Teamkollegen bekräftigen, dass Trainer und Mannschaft im Clinch sind.

Vilmos Gallo (links) ist der Star der Ungarn.


So sagte etwa Janos Hari (er ist als Fehervar-Kapitän auch hierzulande einigen Fans bekannt): „Leider haben wir nicht nur mit dem Gegner auf dem Eis zu kämpfen.“ Ihm pflichtete Goalie Bence Balizs bei: „Die Atmosphäre in der Umkleidekabine war leider nicht gut. Natürlich, die Spieler müssen die Mentalität haben, mit so etwas umgehen zu können, aber es ist wirklich schwer, wenn man tagelang von jemandem angegriffen wird, von dem man sich das nicht erwartet.“
„Die Äußerungen waren eines Profisportlers nicht würdig.“ Ungarns Eishockey-Verband

Und was sagt Trainer MacAdam selbst? Er schoss gegen Stürmer Gallo zurück. „Wir haben einen Spieler, der nicht spielen wollte, weil er nicht fürs Powerplay aufgeboten wurde. Das hat der Mannschaft viel Energie genommen.“ Der ungarische Verband steht bislang weiter hinter seinem umstrittenen Trainer und erklärt in einer Aussendung: „Die Äußerungen von Vilmos Gallo waren eines Profisportlers nicht würdig. Was auch immer in der Umkleidekabine vor dem Spiel am Mittwoch passiert ist, ist eine interne Angelegenheit der Nationalmannschaft.“

Probleme gibt's schon länger

Fakt ist: Im ungarischen Team brodelt es schon länger. Vor einem Jahr waren die Magyaren von der Weltgruppe abgestiegen, Trainer Kevin Constantine hat das Team danach überraschend verlassen. Don MacAdam war zu jener Zeit der sportliche Leiter der Ungarn und hätte einen neuen Trainer finden sollen. Das ist ihm nicht gelungen, stattdessen übernahm er selbst das Ruder. Das sorgte für Unmut – und es war wohl kein Zufall, dass einige Leistungsträger in den letzten Monaten ihre Karrieren in der Nationalmannschaft beendeten. Ausgerechnet bei der Weltmeisterschaft ist das Fass nun übergelaufen. Konsequenzen hatte die Aktion für Gallo jedenfalls nicht: Er stand gegen Italien im Lineup.

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