
Damian Clara war der Mann des Spiels. © APA/afp / -
Trotz Niederlage verblüfft Italien die Eishockey-Welt
Über 11.000 Fans durchquerten am Mittwochabend anlässlich des ersten Olympia-Spiels von Italiens Herren-Nationalmannschaft die Drehkreuze der Santa-Giulia-Arena in Mailand. Wohl alle erwarteten einen haushohen Sieg der schwedischen Übermacht. Letztendlich kam es jedoch ganz anders, weil die Azzurri einen bewegenden Auftritt hinlegten.
12. Februar 2026
Von:
Leo Holzknecht
Seit Italien 2019 die Winterspiele zugesprochen bekam, arbeitete die Mannschaft von Jukka Jalonen, der seit zwei Jahren hinter der Bande steht, auf dieses Turnier hin. Trotz der Hilfe von zehn Doppelstaatsbürgern räumte den Azzurri gegen die übermächtigen Gegner keiner eine Chance ein. Alex Trivellato & Co. straften ihre Kritiker aber Lügen und boten zum Auftakt des olympischen Turniers eine Leistung, die die internationalen Beobachter ins Staunen versetzte und von den Rängen der ausverkauften Santa-Giulia-Arena mit einer Standing Ovation quittiert wurde. Medaillenfavorit Schweden gewann zwar mit 5:2, das Star-Ensemble musste aber bis zum bitteren Ende für seinen Erfolg kämpfen.
Zur tragischen Figur des Abends avancierte Damian Clara. Der seit vier Saisonen in Schweden spielende Reischacher zog William Nylander & Co. mit seinem Positionsspiel, seiner Ruhe und seinen Reflexen ein ums andere Mal den Nerv. 46 von 49 Schüssen (!) entschärfte er. Mitte des letzten Drittels musste der 21-Jährige aber vom Eis, weil er sich bei einem spektakulär gehaltenen Alleingang offensichtlich am rechten Bein verletzte. Bei seinem Weg in die Katakomben erhielt er vom Publikum einen wohlverdienten, tosenden Applaus.
Italien spielt aufopferungsvoll
Clara war jedoch nicht der einzige Grund, warum Italien bis zur 55. Minute an einen Sieg glaubte. Defensiv hielten Alex Trivellato & Co. das Spiel einfach, legten in den Zweikämpfen die nötige Galligkeit an den Tag und machten durch gutes Positionsspiel die großen Tempodefizite zumindest teilweise wett. So schaffte es das Blue Team nach einem schwierigen ersten Drittel, den Gegner besser von der Gefahrenzone fernzuhalten. Zugleich agierte es offensiv effizient. Die wenigen Chancen, die Italien hatte, wurden genutzt.Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Azzurri mit einer solchen Torhüterleistung und der angesprochenen Geschlossenheit auch eklatant stärkere Gegner ärgern und gegen diese eine gute Figur abgeben können. Und genau das war das vorab gesetzte Ziel des Underdogs. Diesem bleibt nun nichts anderes übrig, als die Batterien wieder aufzuladen und in zwei Tagen gegen die Slowakei (12.10 Uhr) mit der gleichen Entschlossenheit und demselben Einsatz anzutreten.
Die Höhepunkte
| Was für ein Start | Goalie Gustavsson lässt einen Befreiungsversuch der Azzurri dilettantisch nach vorne abprallen, wo Frigo eiskalt bleibt und das 1:0 erzielt. Erstmals wird es so richtig laut. |
| Schweden antwortet | Clara ist mit mehreren Glanzparaden hellwach, muss in Unterzahl beim wuchtigen Direktschuss von Landeskog aber kapitulieren. Kurz vor Drittelende ist Forsling mit einem Kracher unter Claras Stockhand erfolgreich. |
| Wer hätte das gedacht? | Gleich nach Wiederbeginn umkurvt Gazley das Tor, sieht den freistehenden Bradley, dessen Schuss Gustavsson unter die Fanghand rutscht. Die Santa-Giulia-Arena bebt! |
| Der Star trifft | Di Perna lässt sich von Dahlin vernaschen, dessen abgeblockter Schuss landet auf der Kelle von Nylander, der keine Probleme hat, ins leere Tor einzuschieben. |
| Beinahe-Ausgleich | Die beste Chance aufs 3:3 vergibt der vor dem Tor alleinstehende Mantenuto, ehe Schweden mit dem 4:2 alles klar macht: Ein verdeckter Schuss aus der Distanz von Zibanejad schlägt ins Kreuzeck ein. Am Ende fixiert Hedman mit einem Empty-net-Tor das 5:2. |
Italien – Schweden 2:5
ITA: Clara (Fadani); Trivellato-Larkin, Zanatta-Pietroniro, Glira-Di Tomaso, Di Perna-Seed; Di Giacinto-Bradley-Gazley, Segafredo-Frycklund-Petan, Frigo-Mantenuto-Purdeller, Morini-Kostner-De Luca.Coach: Jalonen
SWE: Gustavsson (Markström); Broberg-Karlsson, Forsling-Dahlin, Hedman-Andersson, Ekman Larsson; Kempe-Eriksson Ek-Nylander, Bratt-Lindholm-Raymond, Rakell-Pettersson-Zibanejad, Holmberg-Wennberg-Landeskog, Forsberg.
Coach: Hallam
Tore: 1:0 Frigo (4.14), 1:1 Landeskog (9.06), 1:2 Forsling (17.53), 2:2 Bradley (20.37), 2:3 Nylander (36.46), 2:4 Zibanejad (55.42), 2:5 Hedman (57.11)
Zuschauer: 11.251
Olympische Spiele, Gruppe B:
Slowakei – Finnland 4:1Tore: 1:0 Slafkovsky (7.45), 1:1 Tolvanen (24.15), 2:1 Dvorsky (47.20), 3:1 Slafkovsky (50.30), 4:1 Ruzicka (57.39)
| Pos. | Land | Spiele | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1. | Schweden | 1 | 3 |
| 2. | Slowakei | 1 | 3 |
| 3. | Italien | 1 | 0 |
| 4. | Finnland | 1 | 0 |
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