
Stefano Daprá , Assistenztrainer von Italiens Eishockey-Damen.
„Wir haben für ein zweites ‘Miracle on Ice’ gesorgt“
Als gestern in der „Rho Ice Hockey Arena“ in Mailand die Schlusssirene ertönte, gab es auf dem Eis, der Spielerbank und auf den Tribünen kein Halten. Italiens Frauen zogen erstmals bei Olympischen Spielen ins Viertelfinale ein. Assistenztrainer Stefano Daprá nahm sich danach die Zeit für nachfolgendes Interview.
10. Februar 2026
Von: kp
Gratulation zum Viertelfinal-Einzug! Hand aufs Herz: Hätten Sie vor Beginn der Spiele damit gerechnet?
Stefano Daprá: Wenn ich ehrlich bin, nicht. Schließlich bedeutet Viertelfinale unter den acht besten Nationen der Welt zu sein. Wir liegen in der Weltrangliste auf Platz 17. Wir wussten aber, dass wir mit Ausnahme von Schweden gegen jeden anderen Gegner überraschen können. Wir waren von Beginn an zuversichtlich. Wir haben für ein zweites „Miracle on Ice“ gesorgt.
Wie fällt Ihre Analyse zum Spiel gegen Japan aus?
Daprá: Es war ein sehr enges Spiel. Wir sind gut gestartet, erlebten im Mitteldrittel aber einige kritische Momente. Unsere Torfrau Gabriella Durante hat uns mehrmals im Spiel gehalten. Das 3:1 gleich zu Beginn des Schlussabschnitts kam im richtigen Moment und hat uns die nötige Sicherheit gegeben. Nach dem 2:3 sind wir nicht in Panik verfallen, habe Ruhe bewahrt und haben gleich weiter gespielt.
Was war der Schlüssel für diesen Riesenerfolg?
Daprá: Das siebenwöchige Trainingslager in Montreal hat uns sehr geholfen. Wir haben über einen längeren Zeitraum tagtäglich auf der kleineren Eisfläche trainieren und uns daran gewöhnen können. Entscheidend war aber auch, dass die Spielerinnen für knapp zwei Monate als Vollprofis gelebt haben. Sie hatten den ganzen Tag über nur Eishockey im Kopf. Für sie gab es keine Schule oder keine Arbeit.
Manuela Heidenberger (rechts) sorgt mit Italiens Damen für Furore. © APA/afp / JULIEN DE ROSA
Was zeichnet diese Mannschaft aus?
Daprá: Diese Mannschaft ist wie eine Familie. Alle Spielerinnen arbeiten eng zusammen und rudern alle in die selbe Richtung. Der Zusammenhalt ist sehr groß. Alle sind positiv eingestellt und bereit, hart zu arbeiten und an ihre Grenzen zu gehen.
Wie wird Italien das letzte Vorrundenspiel gegen Deutschland angehen?
Daprá: Es ist gleich wichtig, wie die drei bisherigen Spiele. Wir werden uns gut darauf vorbereiten und wollen den nächsten Schritt machen. Wir nehmen das das Spiel sehr ernst und wollen es auch gewinnen. Schließlich geht es noch um Platz zwei in Gruppe B und um viel Prestige. Spiele gegen Deutschland sind etwas Besonderes und für mehrere unserer Spielerinnen eine zusätzliche Motivation.
Im Viertelfinale wartet vermutlich eine der Top-Nationen. Was würde es bedeuten gegen Kanada oder die USA zu spielen?
Daprá: Vorerst gilt unsere ganze Konzentration unserem nächsten Gegner. Und der heißt Deutschland. Gegen Kanada oder die USA zu spielen, wäre für uns alle eine tolle Erfahrung. Wir würden es in jedem Fall genießen.
Interview: Kurt Platter
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