
Allein auf weiter Flur: Jukka Jalonens Amtszeit ging unrühmlich zu Ende. © ANSA / SALVATORE DI NOLFI
Wortloses Lebewohl: Italiens Star-Trainer ist weg
Nach einer bis dato guten Weltmeisterschaft ist Italien ausgerechnet im letzten Spiel scheppernd aus der Top-Division geflogen. Bereits wenige Minuten nach der Pleite gegen Slowenien betrieben Damian Clara & Co. gnadenlose Selbstkritik. Nur der Trainer machte nicht mit.
26. Mai 2026
Aus Fribourg

Von:
Alexander Foppa
Das hatten sich die Azzurri ganz anders vorgestellt. Die Formkurve zeigte nach oben, der Abstiegs-Showdown gegen Slowenien schien zur rechten Zeit zu kommen – doch anstatt eines finalen Jubels gab es grenzenlose Enttäuschung. Mit einem herben 1:5 stieg Italien am Pfingstmontag aus der Top-Division ab.
„Wohl zu Recht“, sagte Kapitän Alex Trivellato später in der Mixed Zone im Bauch der WM-Arena. Das war knapp eine Viertelstunde nach Spielende, dennoch brodelte es in ihm noch gewaltig. „Was soll ich dazu noch sagen? Wir haben ein gutes Turnier gespielt, doch wenn du die Dinger einfach nicht reinmachst, im entscheidenden Spiel so verlierst, dann ist wohl alles gesagt.“
„Slowenien hat es sich verdient. So ehrlich muss man sein.“ Matthias Mantinger
Ähnlich sah es der Kalterer Stürmer Matthias Mantinger: „Wir waren vor dem Tor nicht kalt genug, das hat sich durchs ganze Turnier gezogen. Die Slowenen haben das deutlich besser gemacht, sie haben sich den Klassenerhalt verdient. So ehrlich muss man sein.“
Clara richtet Finger auf sich selbst
Nach Trivellato und Mantinger trottete auch Damian Clara tief geknickt durch den Medienkorridor. Auf die Frage nach den Gründen des Scheiterns lenkte der Torhüter der Anaheim Ducks den Fokus aber sofort weg von seinen offensivschwachen Teamkollegen. „Bevor ich andere bewerte, muss ich mal bei mir selbst anfangen. Das dritte Gegentor der Slowenen darf mir so nie reingehen. Auch beim vierten und fünften muss ich besser reagieren. Es tut mir fürs Team leid, dass ich keinen guten Job gemacht habe.“Nach zuvor überragenden Auftritten patzte Damian Clara ausgerechnet im letzten WM-Spiel. © ANSA / PETER SCHNEIDER
Clara hat diese Saison bei drei verschiedenen Teams in drei verschiedenen Ligen verbracht, jetzt ist erstmal Zeit, durchzuschnaufen: „Ja, ich war viel unterwegs die letzten Wochen. Meine Entwicklung in dieser Saison ist okay, die Ergebnisse sind es jedoch nicht. In den Playoffs bin ich jeweils früh gescheitert, bei Olympia und bei der WM haben wir kein einziges Spiel gewonnen. Diesen bitteren Beigeschmack muss ich leider mit in die Pause nehmen.“
„Sportlich werden wir unsere Lehren ziehen. Aber was dann kommt...“ Sportdirektor Stefan Zisser
Ganz andere Sorgen macht sich dagegen Stefan Zisser, als Sportdirektor hauptverantwortlich für Italiens Eishockey-Nationalteams. „Wir haben gesehen, woran es hapert. Sportlich werden wir unsere Lehren ziehen. Aber was dann kommt, wird man erst in einigen Monaten sehen, jedenfalls nach den Verbandswahlen.“
Jalonens bitteres Ende
Eines scheint sich jedoch schon jetzt abzuzeichnen, wird von den Entscheidungsträgern aber noch nicht offiziell bestätigt: Trainer Jukka Jalonen wird gehen. Und es ist ein wortloser Abschied. Während seine geschundenen Spieler in diesem bitteren Moment Rede und Antwort standen, verweigerte der frühere Weltmeistertrainer aus Finnland nach dem Abstieg jegliche Interviews. Es war in allen Belangen ein unrühmliches Ende seiner knapp zweijährigen Amtszeit.Profil bearbeiten
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