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Hat den Eishockey-Schläger mit dem Paradies auf Erden eingetauscht: Thomas Di Pauli. © privat

Strand-Paradies statt NHL: Das neue Leben des Thomas Di Pauli

Es ist nun fast ein Jahr her, dass Thomas Di Pauli im heimischen Eishockey ein mittelgroßes Beben ausgelöst hat. Karriereende mit nur 27 Jahren, inmitten der Hochblüte eines Sportlerlebens, völlig überraschend und unerwartet. Seitdem ist es ruhig geworden um Südtirols bisher einzigen NHL-Spieler. Um nicht zu sagen mucksmäuschenstill. Nun aber bricht der Kalterer sein Schweigen.

Von:
Thomas Debelyak

Moment! Ist das wirklich Thomas Di Paulis Stimme, die am anderen Ende der Leitung erklingt? Erwartet haben wir englische Antworten. Also typisch amerikanisches Gequassel. In jener Sprache also, in der wir den Interviewtermin auf WhatsApp vereinbart hatten. Stattdessen klingt es so, als würde ein waschechter Südtiroler an der anderen Seite des Apparats plaudern. Einer, der seinem deutschen Vokabular hie und da einen englischen Terminus („hockey guys“) beimischt. Und der die eine oder andere Silbe mal verschlingt. Doch dass da wirklich ein Mann spricht, der seit rund 15 Jahren in den USA lebt, verwundert ob des astreinen Kalterer Dialekts schon ein klein wenig.


„Beim Schreiben in Deutsch tue ich mich schwer, aber reden, das passt super“, klärt Di Pauli auf. „Ich bin mit Deutsch und mit diesem Dialekt aufgewachsen, das ist weiterhin meine erste Sprache. Und ich möchte schon, dass diese mir bleibt.“

Freunde aus Kindheitstagen (v.l.): Raphael Andergassen (HC Pustertal), Thomas Di Pauli, Patrick Gius (SV Kaltern), Bräutigam Theo Di Pauli, Alex Frei (Rittner Buam) und Michael Felderer (SV Kaltern) feierten gemeinsam die Hochzeit in Kaltern. © SV Kaltern


Dieser Tage konnte „Tommy“ seine Dialekt-Kenntnisse auffrischen. Es ist nämlich das erste Mal seit sechs Jahren, dass er seinem Geburtsort wieder einen Besuch abstattet. Der Grund ist ein erfreulicher: Sein Bruder Theo – früher ebenfalls Eishockey-Crack, heute erfolgreicher Chirurg in New York – hat seiner australischen Verlobten Amy im idyllischen Schloss Campan im Herzen Kalterns das Ja-Wort gegeben. Warum in Kaltern? „Das ist unsere Heimat, dort haben wir unsere Freunde, Kaltern ist unser Herz!“, sagt Tommy Di Pauli, in dessen Stimme ein Gefühl von Stolz und Pathos mitschwingt.
Ein ungewöhnlicher Werdegang
Di Pauli hat einen besonderen Weg hinter sich. Der Sohn eines Kalterers und einer US-Amerikanerin wuchs im Überetscher Weindorf auf, spielte bei den dortigen Hechten und dem HC Bozen Eishockey, gewann auch zwei Jugend-Italienmeistertitel. Sein außergewöhnliches Talent war schon damals unverkennbar, genauso wie seine sympathische und offene Art.

Thomas Di Pauli absolvierte zwei Spiele in der NHL.


Im Jugendalter zog es Di Pauli mitsamt seiner Familie über den großen Teich, in das Heimatland der Mutter, nach Chicago. Das Ziel des jungen Thomas: Er wollte NHL-Spieler werden. Das sollte ihm tatsächlich gelingen. Im Jänner 2020 bestritt er mit den Pittsburgh Penguins zwei Matches in der besten Liga der Welt und schrieb somit Südtiroler, aber auch italienische Sportgeschichte: Zuvor war das nämlich noch keinem Eishockey-Crack aus dem „Bel Paese“ gelungen.
Der Rücktritts-Schock
Doch danach geriet Sand in das Karrieregetriebe von Thomas Di Pauli, der bereits früher immer wieder von Verletzungen geplagt war. In der Saison 2020/21 steht ihm kein einziger Eishockey-Einsatz zu Buche, deshalb wollte er es für den Winter 2021/22 in Europa versuchen und unterschrieb einen Vertrag bei den Krefeld Pinguinen in der DEL. „Ich freue mich auf dieses Abenteuer“, hatte er wenige Wochen vor Trainingsbeginn gesagt.
„Die Gesundheit geht einfach vor.“ Thomas Di Pauli

Doch dann kam der 22. Juli 2021 – und ein Kommuniqué aus Krefeld, das Eishockey-Südtirol erschütterte: Thomas Di Pauli muss verletzungsbedingt seine Karriere beenden. „Wir sind geschockt über die Nachricht, die uns Thomas übermittelt hat. Dies ist ein Moment, in dem das Sportliche in den Hintergrund tritt“, sagte der Geschäftsführer Sergey Saveljevs damals.
Verletzung bleibt ein Mysterium
„Es war zwar traurig, aber die richtige Entscheidung“, erklärt Di Pauli nun nach einem Jahr, in dem er praktisch von der Bildfläche verschwunden war. „Die Gesundheit geht einfach vor.“ Welches Problem ihn genau zum Aufhören gezwungen hat, das will der ehemalige NHL-Profi nach wie vor nicht preisgeben. Spekuliert wurde viel, unter anderem auch, ob es denn eine Krankheit sein könnte. Das verneint Di Pauli aber. „Es ist eine Unterkörperverletzung. Es gäbe schon Behandlungsmethoden, das hätte aber viel Zeit beansprucht. Zudem hatte ich keine Lust, mir dauernd Sachen in meinen Körper reinzuspritzen. Deshalb hörte ich auf den Rat der Ärzte und beendete die Karriere.“
„Am traurigsten hat es mich gemacht, nicht mehr bei Kaltern oder Bozen spielen zu können.“ Thomas Di Pauli

Di Pauli spricht überraschend nüchtern über sein Karriereende, Wehmut oder Verdruss schwingen dabei nicht mit. „Für mich ist überhaupt keine Welt zusammengebrochen. Am traurigsten hat es mich gemacht, dass ich so nie mehr für Bozen und Kaltern spielen konnte. Das wäre nämlich ein Ziel von mir gewesen, genauso wie Olympia 2026 mit Italien. Doch das Leben hat viel mehr zu bieten als nur Eishockey. Ich bin froh, dass mich die Verletzung im Alltag nicht einschränkt und ich mein Leben genießen kann.“
Ein neues Leben im Strand-Paradies
Der Kalterer hatte bereits im Laufe seiner Karriere an einem Plan B getüftelt, so machte er ein Studium und lernte spanisch. Sein Weg führte ihn nach dem Karriereende schließlich fort aus den USA und hin nach Puerto Aventuras, einer malerischen Küsten-Gemeinde am östlichsten Zipfel Mexikos und direkt am karibischen Meer. „Es ist das Paradies“, schwärmt Di Pauli, der sich dort ein Haus am Strand und ein Boot gekauft hat. Damit frönt er nun seiner zweiten großen Leidenschaft, dem Fischen, das er bereits als kleiner Bub am Kalterer See mit großem Eifer und viel Hingabe ausübte.

Di Pauli und Freundin Valentina.


„Ich habe ein Unternehmen gegründet. Leute können mit mir raus aufs Meer fahren und fischen.“ Das Angebot sei sehr beliebt, wenn er wolle, könne er jeden Tag mit Klienten rausfahren. Dass er für seine Leidenschaft Feuer und Flamme ist, zeigt sich auch in den sozialen Medien, in denen er gerne mit seinen prachtvollen Fängen aus den Tiefen des Ozeans posiert. „Wir haben ein schönes Leben“, schmunzelt der 28-Jährige, der im Urlaubsparadies mit seiner Freundin Valentina und seinem Hund lebt.
Kaltern bleibt die Heimat
Di Pauli ist also glücklich mit seinem neuen Dasein abseits der Eisfläche. Wie er sich seine Zukunft vorstellt? „Ich werde in Kürze in der Nähe meines Hauses in Puerto Aventuras ein Fisch-Restaurant aufmachen, wo ich die Leute mit meinen Fängen verköstigen kann. Ich will mir in Mexiko etwas aufbauen. Ans Eishockey denke ich nicht mehr so oft und ich kann mir auch nicht vorstellen, dort irgendwann wieder mal tätig zu sein“, erklärt der Überetscher und fügt an: „Mein perfektes Leben würde so aussehen: Elf Monate im Jahr in Mexiko, einen Monat hier in Kaltern. Ich will in Zukunft wieder öfter nach Hause kommen. Denn dieses Dorf wird für immer meine Heimat sein.“ Als Tommy Di Pauli diese Worte ins Handy spricht, genießt er übrigens gerade einen lauen Sommerabend am Kalterer See. Also dort, wo einst alles begann.

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