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Sinnbildlich für die Bozner Situation: Chris DeSousa liegt am Boden (Fotos: HCB) Phil Barsky und Pat Curcio: Abschied auf Zeit?

Köpferollen beim HCB: Wen trifft es als nächsten?

Die Situation für den HCB Südtirol Alperia im Tabellenkeller ist schwierig, manche erachten sie als die schlimmste in der fünfjährigen EBEL-Zugehörigkeit. Und folgerichtig fordern nicht wenige im Umfeld des Bozner Traditionsvereins in der laufenden Länderspielpause harte Konsequenzen.

Die Folgen für das enttäuschende Abschneiden in der ersten Meisterschaftsphase bekam bislang nur Schlussmann Marcel Melichercik zu spüren. Er wurde vor einer Woche durch Matt Climie ersetzt.


Neuer Torhüter gesucht


Doch ausgerechnet auf der Goalieposition besteht nun der dringendste Handlungsbedarf, denn der kanadische Neuzugang könnte die Foxes nach nur einem Pflichtspieleinsatz wieder verlassen. Am Tag nach seiner starken Vorstellung im Heimspiel gegen Linz zog er sich im Training eine Bänderverletzung im Knie zu. Ihm droht ein Ausfall, der weit über Weihnachten hinausreichen könnte. HCB-Boss Dieter Knoll sieht sich auf den Plan gerufen und sondiert bereits den Markt nach einem Nachfolger. Sein aktueller Ersatz Jake Smith dient auch in Zukunft allenfalls als Backup.


Verteidiger vor Abschied


Doch nicht nur auf der Torhüterposition besteht dringender Handlungsbedarf, auch in der Abwehr muss dringend etwas geändert werden. Chris Carlisle, Mat Clark, Robin Gartner und Matt Tomassoni kamen mit ausgezeichneten Referenzen nach Bozen, aber wirklich überzeugen konnte bislang noch keiner von ihnen. Als erster Wackelkandidat gilt Rückkehrer Tomassoni, der sich besonders in den letzten Spielen unzählige Schnitzer leistete. Da dieser jedoch im Meisterjahr in Bozen einen bleibenden Eindruck hinterließ und als äußerst Playoff-erfahren gilt, könnte es auch jemand anderen aus dem Defensiv-Quartett treffen.


Viel Luft nach oben im Sturm


In der Offensive bestachen bislang nur Mike Halmo, Alex Petan und Topscorer Austin Smith. Chris DeSousa konnte zumindest mit seinem Einsatzwillen überzeugen. Domenic Monardo und Mike Angelidis steigerten sich zuletzt zwar deutlich, doch bei beiden besteht noch Luft nach oben - ebenso bei Travis Oleksuk. Was in der Offensive bislang fehlt, ist die Durchschlagskraft der heimischen Cracks, die bislang nur 7 der 56 HCB-Saisontreffer verbuchten. Es mag zwar sein, dass Trainer Pat Curcio die "Lokal Player", anders als sein Vorgänger Tom Pokel, nicht über alle vier Angriffslinien streut, eine derart dürftige Toreffizienz kann dennoch nicht den Ansprüchen von Markus Gander, Luca Frigo & Co. entsprechen.


Der Coach darf (vorerst) weitermachen


Apropos Trainer, dieser scheint weiter fest im Sattel zu sitzen. Sollte sich die Vereinsführung nicht doch noch zu einer Kurzschlussreaktion durchringen, wird Curcio auch in den Heimspielen gegen Salzburg (17. November) und Innsbruck (19. November) hinter der Bande stehen. Ob es sich dabei nur um eine Galgenfrist handelt, wird sich zeigen. Über geballtes Eishockeywissen verfügen Curcio und dessen Assistent Phil Barski zweifelsfrei, doch desolate Auftritte wie jener zuletzt beim 3:7 in Zagreb zeigen, dass es bei der Teamführung hapert. In der Defensive fehlt es an der Feinabstimmung, in der Offensive ist das Trainergespann noch immer auf der Suche nach einer festen Linienkonstellation. Das sind allesamt Defizite, die ausmerzbar sind. Doch Zeit zum Tüfteln bleibt den Übungsleitern keine mehr, denn bei sieben Punkten Rückstand auf einen fixen Playoffplatz schrillen sämtliche Alarmglocken.

Jetzt ist jedenfalls die Zeit zum Handeln, bevor die Regular Season mit Wiederaufnahme des Spielbetriebs in zehn Tagen in die entscheidende Phase geht. Denn es kann nicht sein, dass der HC Bozen über kurze Phasen begeisterndes Eishockey bietet, drei der sechs Liga-Topscorer stellt, das viertbeste Powerplay vorweist und dennoch das Tabellenende ziert. Es wird dies nicht dem Renommee des besten Eishockeyvereins Italiens, des EBEL-Meisters von 2014 gerecht.



SN/fop


Autor: sportnews