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Grafik A. Delvai, Foto: O. Brunner/Schmuckbild Archiv

Overtime | Von trojanischen Pferden und dem grünen Tisch

Die neue SportNews-Overtime ist da – und damit auch die Auf- und Absteiger der vergangenen Eishockey-Woche. Heute im Fokus: Die grandiosen Leistungen der Wipptal Broncos und des HC Gherdëina sowie ein Vorkommnis, das Kopfschütteln hervorruft.

Die Aufsteiger
Wipptal Broncos, HC Gherdëina


Von außen harmlos, tatsächlich aber höchst gefährlich: Die Wipptal Broncos und der HC Gherdëina sind die trojanischen Pferde der Alps Hockey League. Das haben sie in den jeweiligen Pre-Playoff-Serien gegen die Red Bull Juniors bzw. die VEU Feldkirch unter Beweis gestellt.

Viele trauten den Wildpferden gegen die Jungbullen keinen Exploit zu – und das nicht nur wegen der erschwerten Umstände, die der Stadion-Einsturz mit sich brachte. Denn die personelle Situation war während der gesamten Serie prekär. Coach Dustin Whitecotton musste neuerlich auf zahlreiche Stammkräfte, darunter Legionär Ryan Valentini, verzichten – und das ausgerechnet gegen Salzburg, das eisläuferisch wohl beste Team der Liga. Die Absenzen machten Matthias Mantinger & Co. aber mit viel Herz und Leidenschaft wett und zogen mit einem Sweep ins Viertelfinale ein.

Im Gegensatz zum Erzrivalen hatte der HC Gherdëina nicht mit personellen Sorgen, sondern mit Unruhen zu kämpfen: Ein Trainer- und Legionärswechsel hatte die Vereinsführung im Saisonverlauf vollzogen und erst dadurch neues Feuer im Team entfacht. Plötzlich treten die Furie wie eine Einheit auf, können dem Gegner ihr Spiel aufzwingen und auch eine ausgeglichenere, deutlich erfahrene Mannschaft wie Feldkirch in die Schranken weisen. Wozu es für die Südtiroler Traditionsvereine noch reicht, ist ungewiss. Fest steht, dass die trojanischen Pferde des Südtiroler Eishockey-Sports schon jetzt auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken können.

Der Absteiger
Das Regelbuch

Eines vorneweg: Weder die Mastini Varese noch den HC Eppan trifft in dieser ominösen Causa irgendeine Schuld. Es geht um das ausgetragene, beendete und dann nicht gewertete dritte Spiel in den IHL-Viertelfinals. Nicht gewertet, weil anstatt einer Verlängerung über 20 Minuten bei Fünf-gegen-Fünf eine Overtime über lediglich fünf Minuten bei Drei-gegen-Drei ausgetragen wurde. Varese gewann das Match mit 3:2, die Serie mit 3:0 und zog so ins Halbfinale ein. Eppan legte jedoch Protest ein und bekam, so wie es das Regelwerk vorsieht, Recht. Die Partie muss wiederholt werden.

Wie kann ein solches Missgeschick, das den Ruf des italienischen Eishockeys nicht unbedingt verbessert, aber passieren? Ganz einfach: Das Reglement ist so komplex, dass selbst die Unparteiischen den Überblick verlieren. Zur Erklärung: In den Playoffs ist wie im Grunddurchgang eine gewöhnliche, fünfminütige Verlängerung vorgesehen. Es sei denn, es handelt sich um eine „entscheidende Partie“, sprich um ein Match, in dem eines der beiden Teams die Serie entscheiden kann. Hierbei wird die 20-minütige Overtime-Variante angewendet. Dass ein solch (unsinniges) Regelwerk oben genannte Situationen hervorruft, ist vorprogrammiert. Wir finden: Auch wenn die IHL beileibe keine Profiliga ist, sollte sie sich zumindest dem Regelwerk der Alps Hockey League anpassen, damit Einheit herrscht und derartige Situationen, die nichts weiteres als schaden, vermieden werden.

Autor: sn

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