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Christoph Depaoli kämpft mit seinen Teamkollegen bei den Paralympics um eine Medaille. © privat

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Christoph Depaoli kämpft mit seinen Teamkollegen bei den Paralympics um eine Medaille. © privat

Stärker als das Schicksal: Ein Kalterer träumt von Großem

Die Paralympics stehen vor der Tür – und gleich sieben Südtiroler sind mit dabei. Christoph Depaoli, einer der großen Hoffnungsträger von Italiens Para-Eishockeyteam, hat uns im Vorfeld seine beeindruckende Geschichte erzählt.

Thomas Debelyak

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Thomas Debelyak

Das Gespräch mit Christoph Depaoli findet telefonisch statt. Mit Italiens Nationalteam hält sich der Kalterer zu jenem Zeitpunkt nämlich in Turin auf, wo an den letzten Feinheiten vor dem großen Highlight, den Paralympics, gefeilt wird. Und obwohl zwischen den beiden Telefonhörern eine Distanz von 300 Kilometern liegt, kann man die Energie, die Vorfreude, das Feuer des Para-Eishockeyspielers förmlich spüren. „Wir sind alle total gehypt“, sagt Depaoli.


Der 28-jährige Überetscher bildet mit Julian Kasslatter (43 Jahre, St. Christina), Alex Enderle (27, Eppan), Stephan Kafmann (39, Kaltern), Nils Larch (28, Sterzing) und Matteo Remotti Marnini (26, Bozen) das Südtiroler Aufgebot für das Para-Eishockey (auch Sledge-Eishockey genannt). Komplettiert wird die hiesige Fraktion von Para-Snowboarder Emanuel Perathoner (39, Lajen). Wenn am Freitag also in Verona die Paralympics eröffnet werden, dann ist ganz viel Südtirol dabei.

Christoph Depaoli (rechts) ist einer der Leistungsträger bei den Azzurri.

Christoph Depaoli (rechts) ist einer der Leistungsträger bei den Azzurri.


Christoph Depaoli kann es jedenfalls nicht erwarten. „Für das Eröffnungsspiel am Samstag gegen die USA ist die Santa Giulia Arena mit ihren fast 12.000 Plätzen praktisch ausverkauft. Das wird ein Erlebnis“, so der 28-Jährige.

Mit offenem Rücken geboren

Der Weg zu diesem Großereignis war für Christoph Depaoli allerdings alles andere als selbstverständlich. Seine Geschichte beginnt am 2. Dezember 1997, als Christoph im Krankenhaus von Sterzing geboren wurde – und zwar mit einer Spina bifida, also einem offenen Rücken. „Gleich nach meiner Geburt wurde ich per Hubschrauber ins Bozner Krankenhaus geflogen, wo dieses Loch zugenäht wurde, die Beeinträchtigung blieb aber. Es ist wie eine Lähmung, die vom unteren Rücken abwärts geht. Ich habe aber das Glück, dass ich – wenn ich mich anstrenge – meine Füße bewegen kann und auch von selbst aufstehen kann. Von klein auf bin ich mit Krücken oder im Rollstuhl unterwegs“, sagt Depaoli.
„Was würde es mir bringen, ständig nur zu hadern?“ Christoph Depaoli

Wenn der Kalterer über seine Beeinträchtigung spricht, macht er das sehr offen – und er hebt stets die positiven Aspekte hervor. „Ich bin von Natur aus ein sehr positiver Mensch, bin immer gut gelaunt und versuche einfach, das Beste aus meiner Situation zu machen. Was würde es mir auch bringen, ständig nur zu hadern?“ Diese Mentalität hat Depaoli auch im Sport geholfen. „Schon als kleines Kind war ich sportbegeistert und ging zum Schwimmen. Bei den Kindern ohne Beeinträchtigung wurde ich zwar immer Letzter, aber es hat mir so viel Spaß gemacht.“

Nur schwer zu halten: Stürmer Christoph Depaoli.

Nur schwer zu halten: Stürmer Christoph Depaoli.


Mit dem Eishockey hatte Christoph eigentlich nie Berührungspunkte, bis er im Alter von zehn Jahren von einem Bekannten zu einem Probetraining fürs Sledge-Eishockey eingeladen wurde. „Das hat mir sofort richtig getaugt, und seitdem bin ich mit Leib und Seele dabei“, so Depaoli, der – das wurde schnell klar – viel Talent mitbrachte. Bereits mit 16 Jahren, sprich 2014 in Sotschi, nahm er an den ersten Paralympischen Spielen teil. Damals war Depaoli noch ein junger Bub, der jeden einzelnen Moment dieser Erfahrung förmlich aufsog. Heute, vor seinen vierten Paralympics, zählt der Überetscher zu den großen Leistungsträgern im Blue Team.

3.000 Kilometer im Monat fürs Training

„Es gibt in Italien rund 25 Sledge-Eishockeyspieler, das ist ehrlich gesagt nicht sehr viel. Wir bestreiten also eine Meisterschaft mit zwei Mannschaften. Zum Vergleich: In den USA gibt es 70 Teams“, so Depaoli, der dafür aber mit umso mehr Herzblut dabei ist und für diese Leidenschaft große Opfer auf sich nimmt. Als er in Bruneck studierte, pendelte Depaoli mehrmals die Woche mit seinem eigens für ihn umgebauten Auto nach Neumarkt, um trainieren zu können. „Da habe ich pro Monat um die 3.000 Kilometer hingelegt“, lacht der Kalterer, der heute im Marketingbereich eines Bozner Unternehmens arbeitet – und natürlich tagtäglich trainiert, mit seinem Team und mit der Nationalmannschaft.
„Es wäre ein Traum, hier eine Medaille zu gewinnen.“ Christoph Depaoli

Was ist für die Azzurri bei den Paralympics also drin? „Gold und Silber werden sich die USA und Kanada ausmachen. Aber Bronze“, ergänzt Depaoli, „das ist nicht unmöglich. Wenn alles normal läuft, kämpfen wir mit China und Tschechien um Platz 3.“ Eine Medaille hat es für Italiens Team bei den Paralympics noch nie gegeben. „Es wäre ein Traum, das hier zu schaffen“, sagt Depaoli.


Italiens Programm bei den Paralympics

Italien – USA (Samstag, 7. März um 17.05 Uhr)
Italien – China (Montag, 9. März um 10.05 Uhr)
Italien – Deutschland (Dienstag, 10. März um 10.05 Uhr)

Die ersten beiden Teams der Gruppe qualifizieren sich fürs Halbfinale.

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