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Kapitän Simon Kjaer und Torhüter Kasper Schmeichel trösteten Sabrina Kvist Jensen, die Freundin von Christian Eriksen, auf dem Spielfeld. © APA/afp / WOLFGANG RATTAY

„Könnte nicht stolzer auf Spieler sein“

Dänemarks Trainer Kasper Hjulmand hat bestätigt, dass es der Wunsch der Spieler war, die Partie trotz des Zusammenbruchs und der minutenlangen Reanimation ihres Kollegen Christian Eriksen noch am Samstagabend fortzusetzen.

„Wir hatten zwei Optionen: Das Spiel fortzusetzen oder morgen um 12.00 Uhr zu spielen. Aber jeder wollte heute weiterspielen“, sagte der frühere Bundesliga-Coach von Mainz 05 nach dem 0:1 gegen Finnland bei der Pressekonferenz.


Spieler beider Teams und auch ein Offizieller des dänischen Verbands berichteten am Abend, dass es Eriksens Wunsch gewesen sei, die Partie zu beenden. Hjulmand sprach aber noch von einem weiteren Argument: „Die Spieler waren sich sicher, heute nicht mehr schlafen zu können. Morgen zu spielen, hätte die Situation noch schwerer gemacht. So haben sie beschlossen, es hinter sich zu bringen. Das war ihre Entscheidung.“ Der Trainer nannte es „unglaublich, was meine Spieler geleistet haben. Ich könnte nicht stolzer auf meine Spieler sein“.

Dänemark-Coach Kasper Hjulmand (rechts) umarmt Torhüter Schmeichel. © APA/afp / HANNAH MCKAY

Im EM-Vorrundenspiel zwischen Dänemark und Finnland war der 29 Jahre alte Eriksen von Inter kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit auf dem Rasen zusammengebrochen und regungslos liegengeblieben. Sofort herbeigerufene Helfer leiteten lebensrettende Maßnahmen ein. Eriksen wurde ins Krankenhaus transportiert, wo sich sein Zustand nach Angaben des dänischen Verbandes stabilisierte.
Dänischer Verband bietet Spielern psychologische Hilfe an
Der dänische Fußball-Verband hat seinen Spielern nun psychologische Hilfe in Aussicht gestellt. „Es ist eine traumatische Erfahrung“, sagte Hjulmand am späten Samstagabend. „Wir werden die nächsten Tage damit verbringen, so gut wie möglich daran zu arbeiten. Und natürlich gibt es professionelle Leute um uns herum.“ Der Verband bot auf seiner Internetseite ganz konkret „den Spielern, Christians Familie und allen anderen in der Herren-Nationalmannschaft Krisenhilfe an“.

Als Beispiel nannte er Simon Kjaer, seinen erfahrenen Kapitän. Der 32-Jährige vom AC Milan hatte noch auf dem Rasen des Parken Stadions Eriksens Freundin Sabrina Kvist Jensen getröstet. Er war es auch, der seine Mannschaft nach der Unterbrechung wieder zurück auf das Spielfeld führte. Doch schon da hatte Kjaer Tränen in den Augen. „Simon war tief betroffen und zweifelte, ob er weitermachen konnte. Er hat es versucht, aber es war nicht möglich“, erzählte Hjulmand später. Sein Kapitän bat ihn knapp 20 Minuten nach der Wiederaufnahme des Spiels um seine Auswechselung (62.). Kjaer und Eriksen sind enge Freunde, „obwohl sie in Mailand für zwei rivalisierende Vereine spielen“, wie ihr Trainer sagte.
Kapitän Kjaer als Held
In den sozialen Medien wurden die Helden gefeiert, die Eriksen Erste Hilfe leisteten - allen voran Kapitän Kjaer. Er „sorgte dafür, dass Christian Eriksen seine Zunge nicht verschluckte, gab ihm eine Herz-Lungen-Wiederbelebung und stellte sicher, dass die Mannschaft eng ihn herum stand, um jegliches Filmen zu verhindern“, schrieb die Sportbibel. Dann habe der Verteidiger Eriksens verzweifelte Freundin getröstet. „Dies in der Hitze des Gefechts zu tun, ist unglaublich.“

Italiens Mittelfeldspieler Nicolò Barella (er spielt mit Eriksen bei Inter zusammen) dankt Kjaer. © ANSA / INSTAGRAM NICOLO' BARELLA

Die Entscheidung, das Spiel noch am Samstagabend fortzusetzen, fällten nach übereinstimmenden Aussagen beide Mannschaften. Und nicht der europäische Fußball-Verband UEFA. Der hatte Dänen wie Finnen aber auch nur eine Alternative dazu aufgezeigt: Dass die Partie am Sonntagmittag um 12.00 Uhr weitergespielt wird.
Immerhin erlebten die Spieler so auch, welche Kraft der Fußball in solchen Momenten auch entfalten kann. Im Stadion hatten dänische und finnische Fans schon während der Unterbrechung eine Atmosphäre der Empathie, des Mitgefühls und des Zusammenhalts erzeugt. Als das Spiel wieder angepfiffen wurden, riefen die Finnen: „Denmark, Denmark!“
„Ich habe viel geweint, ich hatte Angst.“
Belgien-Stürmer Romelu Lukaku

Fußball-Clubs und Fußball-Spieler weltweit nahmen großen Anteil an Eriksens Zustand. Sie schickten Gebete oder Genesungswünsche über die sozialen Netzwerke. Romelu Lukaku hatte sogar die Möglichkeit, noch mehr zu tun. Eriksens Teamkollege bei Inter musste gut zwei Stunden nach dessen Zusammenbruch mit der belgischen Mannschaft gegen Russland spielen (3:0). Der Stürmer schoss dabei zwei Tore und widmete seine Auszeichnung als „Spieler des Spiels“ seinem dänischen Freund. „Es war für mich heute schwierig, zu spielen“, sagte Lukaku. „Ich war in meinen Gedanken bei Christian, ich habe viel geweint, ich hatte Angst. Und ich hoffe, er ist wieder gesund.“

Schlagwörter: Fussball EM 2021

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