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Robin Gosens hat einen außergewöhnlichen Werdegang hinter sich. © APA/afp / CHRISTOF STACHE

Wie der Junge aus der Dorfdisco zum deutschen EM-Star wurde

Robin Gosens ist seit Samstag in Deutschland in aller Munde. Der Außenverteidiger, der bis vor wenigen Monaten nur den wenigsten schwarz-rot-goldenen Fans ein Begriff war, hat gegen Portugal ein grandioses Spiel gemacht. Sein Werdegang ist einzigartig – und das nicht nur, weil er bei seiner Entdeckung noch Restalkohol im Blut hatte.

Ein Tor selbst erzielt, zwei weitere vorbereitet: Robin Gosens war beim 4:2-Sieg Deutschlands über Portugal der überragende Akteur auf dem Feld. Von der UEFA gab es die Auszeichnung des „Star of the Match“, die Bild-Zeitung deklarierte ihn prompt zum EM-Helden und zu jenem Spieler, „in den sich ganz Deutschland verliebte“. Für den 26-Jährigen, der aus Emmerich (Nordrhein-Westfalen) stammt und nur 500 Meter von der holländischen Grenze entfernt aufgewachsen ist, geht in diesen Tagen also ein Traum in Erfüllung – denn sein Werdegang ist für einen Fußball-Profi alles andere als gewöhnlich.


Gosens besuchte in seiner Jugend nämlich kein Leistungszentrum, sondern bahnte sich den Weg in den Profifußball über diverse Amateurklubs. Nach der Schule wollte er eigentlich Polizist werden und hat auch diverse Bewerbungsgespräche gemacht, dann unterschrieb er jedoch seinen ersten Profivertrag und die Sache war vom Tisch.

Als ihn ein Scout entdeckte, hatte er noch Restalkohol im Blut
Aber auch ansonsten war Gosens Werdegang besonders. Denn er lebte seine Jugend voll und ganz aus. Als er mit 17 Jahren von einem Scout entdeckt wurde, hatte er noch Rest-Alkohol im Blut, da er am Vortag feiern war. „Ich gehörte zu denen, die glaubten, mit drei Atü auf dem Kessel sogar noch etwas besser spielen zu können. Wir fuhren also zum Topspiel nach Kleve und waren ungeachtet des heftigen Vorabends heiß auf den Anstoß. Unsere Mannschaft war wirklich gut, da ging einiges. Was mich betrifft, spielte ich tatsächlich überragend. Schoss ein Tor, holte einen Elfmeter raus und gab eine Vorlage. Wir gewannen 3:1“, erzählt er in seiner Biografie.

Hier trifft Robin Gosens (Nr. 20) mit dem Kopf gegen Portugal. © APA/afp / MATTHIAS HANGST


Und weiter: „Danach wollte ich einfach nur in die Dusche und ab nach Hause, um den Rest des Tages im Bett zu verbringen, als auf einmal ein Typ vor mir stand und in gebrochenem Deutsch zu mir sagte: 'Robin, das hört sich vielleicht ein bisschen komisch an, aber ich würde dich gerne zu einem Probetraining bei Vitesse Arnheim einladen.“

Gosens hatte danach mit amüsanten Problemen zu kämpfen. „'Okay', dachte ich, 'der Gute meint das ernst. Jetzt muss ich irgendwie versuchen zu kaschieren, dass ich bis sechs Uhr feiern war und noch immer Restalkohol im Blut habe.' Ich gab mein Bestes und vermied Blickkontakt. Zur Sicherheit atmete ich außerdem in eine andere Richtung. Man kennt das ja. Irgendwie musste ich es tatsächlich geschafft haben, meine Fahne zu verbergen, denn die Einladung zum Probetraining bestand auch nach unserer Verabschiedung.“
Elf Serie-A-Tore als Verteidiger
Danach nahm seine Karriere langsam aber sicher an Fahrt auf – auch wenn er später nach einem Probetraining bei Borussia Dortmund abgelehnt wurde. Gosens bahnte sich über Vitesse und Heracles Almelo (1. Niederländische Liga) den Weg zu Atalanta (1,17 Mio. Euro Ablöse), avancierte dort zu einem großen Leistungsträger und schaffte mit seinem Team heuer zum dritten Mal in Folge den Sprung in die Champions League. Gosens gilt als extrem torgefährlicher Verteidiger: Heuer gelangen dem neuen deutschen EM-Helden – dessen Stammposition die linke Abwehrseite in der Fünferkette ist – elf Tore. Kein anderer Serie-A-Verteidiger traf so oft ins Schwarze.

Robin Gosens (rechts) ist der torgefährlichste Verteidiger der Serie A. © AFP / MIGUEL MEDINA


Eine weitere Anekdote aus Gosens' Leben ist interessant. Als er in der Saison 2019/20 mit Atalanta erstmals in der Champions League spielte, gab es gegen Manchester City eine 1:5-Niederlage. Nach dem Schlusspfiff ging der 26-Jährige zu Ilkay Gündogan und fragte um einen Trikottausch. „Er schaute mich an“, erzählt Gosens in seiner Biografie, „und wunderte sich, warum ich so gut deutsch sprach. Ilkay wusste einfach nicht, wer ich war. Aber das war schon in Ordnung.“ Spätestens seit Samstag weiß nicht nur Gündogan, sondern die ganze Fußballwelt, wer dieser Robin Gosens ist – und zu welchen Leistungen er fähig ist.

Schlagwörter: Fussball EM 2021

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