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Valon Ahmedi Ein Straßenfußballer... ... dessen Profikarriere beim FC Südtirol begann

Albanischer Spitzbube: Die kuriose Geschichte des Valon Ahmedi

Er ist in Kastelbell fußballerisch wie menschlich groß geworden, spricht den Südtiroler Dialekt wie seine Muttersprache und ist seit zwei Jahren Fußballprofi in der höchsten slowenischen Liga: Der Werdegang von Valon Ahmedi hat etwas Einzigartiges an sich.

Tipptman bei YouTube den Namen Valon Ahmedi ein, kommt man nicht drum herum, ein knapp dreiminütiges Video anzuklicken, auf dem ein junger, nicht sehr großer Fußballer mit knallroten Schuhen und längeren Haaren zu sehen ist. Ein unscheinbarer Fußballer, möchte man bei den ersten Bildern denken, als dieser Junge während einer Trainingseinheit lässig mit dem Ball jongliert, spritzig um die Torstangen tippelt oder locker zu Stretchübungen ansetzt. Doch dann schwappt das Bild plötzlich vom Trainingsgelände ins Stadion um – und schon geht’s los: Rabona-Flanke, flauschig-feine Ballbehandlung, schneller Antritt, präziser Schuss, Pop-Musik im Hintergrund, Dribblings, Übersteiger – ja, würden auf dem Bildschirm nicht einige zusammengeschnittene Szenen von Valon Ahmedis Auftritten in der slowenische Prva-Liga flackern, könnte man meinen, es sei ein astreiner Straßenfußballer am Werk, dem die Freude am Spiel markant anzusehen ist.

Nun ist ein straßenfußballartiger Spieler im Profigeschäft nichts Ungewöhnliches. Und sogenannte Compilations mit den besten Szenen eines Akteurs sind im Internetzeitalter keine Seltenheit mehr. Besonders wird die Story erst dann, wenn man bedenkt, dass genau dieser Valon Ahmedi vor fünf Jahren noch in der Ersten Mannschaft von Kastelbell Tschars gekickt hat. 2. Amateurliga also. Eine Profikarriere ungefähr so weit entfernt wie Leicester City vom Premiere-League-Titel. Eigentlich.


Eine Bereicherung für den Kastelbeller Fußball

Gerhard Eberhöfer, der sich in der Kastelbeller Fußballszene bestens auskennt, kann sich an Valon noch genauestens erinnern. „Er fing im U-10-Alter bei uns an, da seine Familie von Mazedonien ins Vinschgau gezogen war. Valon war ein Kabinentyp, verstand sich mit allen gut – und hatte nicht zuletzt auch riesiges Talent.“ Mit den Vinschgern gewann Ahmedi einen A-Jugend-Landesmeistertitel, debütierte im zarten Alter von 16 Jahren in der 2. Amateurligamannschaft und hörte im Sommer 2012 erstmals den FC Südtirol an seine Tür klopfen, woraufhin er dem Ruf des Profiklubs folgte.

Nur: Das Profigeschäft ist ein hartes Geschäft. Das musste sich auch Valon eingestehen. Obwohl er in der Vorbereitung immer wieder herausstach und sich mit waghalsigen Dribblings und tollen Toren von der Beretti-Elf selbst in die Profimannschaft beförderte, konnte er in der dritthöchsten italienischen Liga nie so richtig Fuß fassen. „Dem Jungen fehlt der Biss“, urteilte FCS-Geschäftsführer Dietmar Pfeifer in einem Interview mit SportNews, nachdem Ahmedis Vertrag im Sommer 2014 nicht verlängert wurde.


Ein Spitzbube

Das Ego mancher Spieler wäre nach solchen Worten angefressen wie der doppelte Cheeseburger eines Fast-Food-Liebhabers. Nicht aber jenes von Valon Ahmedi. Der Junge mit albanischen und mazedonischen Wurzeln gab auf dieses Tam-Tam nicht viel und wurde seinem Namen als Exzentriker, hierzulande oft auch schlicht „Spitzbube“, gerecht, indem er einen ungewöhnlichen Weg in den Osten Europas zum slowenischen Erstligisten NK Celjie einschlug. „Die slowenische Liga“, so antwortet Ahmedi auf einem schriftlichen Fragebogen, „bietet den jungen Spielern viel Platz, um zu reifen, zeitgleich ist das Niveau auch hoch – das hat mich überzeugt.“

Überzeugen konnte der offensive Mittelfeldspieler auch selbst: Bereits nach wenigen Wochen im Trikot des Traditionsklubs avancierte er zum Publikumsliebling, quasi zum Newcomer-Star 48.000-Einwohner-Stadt: 19 Spiele, fünf Tore, Kabinettstückchen, die die gegnerische Abwehrreihen in den Wahnsinn trieben – und ein Marktwert, der von ursprünglich 75.000 auf schrille 500.000 in die Höhe geschossen ist. Das Rezept für diese plötzliche Formexplosion? „Der Verein brachte mir von Beginn an Vertrauen entgegen, ich durfte sogar die 10 auf dem Rücken tragen. Deshalb konnte ich meine Qualitäten entfalten“, so die schlichte Antwort des ansonsten so aufgeweckten Albaners.


Weihnachten und Ostern zusammen

Nur allzugut verständlich, dass auch andere Klubs auf ihn aufmerksam wurden, unter anderem auch der niederländische Erstligaklub Heerenveen. „Doch die beiden Klubs wurden sich nicht einig.“ Eine Oberschenkelverletzung bremste Ahmedi im weiteren Verlauf der Saison aus, doch zu Beginn der neuen Spielzeit 2015/16 kam er in alter Stärke wieder zurück – und erfüllte sich gleich zwei Kindheitsträume: Zum einen lief er mit Celje in der Euro-League-Quali auf, zum anderen wechselte er im Winter zum erfolgreichsten slowenischen Klub aller Zeiten, dem NK Maribor.

Ein großer Schritt, der natürlich dementsprechend viel Durchhaltevermögen braucht. Das wurde Ahmedi auch klar: Eine neuerliche Muskelverletzung verhinderte, dass er die Wintervorbereitung mitmachen konnte. In der Rückrunde bestritt er nur zwei Spiele – „die Konkurrenz ist groß, das weiß ich.“ Auch heuer kämpft Valon noch um seinen Platz im Team. Und trotzdem ist er von sich überzeugt. „Arbeiten an sich selbst – dann kommen die Ergebnisse.“


Von Sprosse zu Sprosse

Übrigens: Im Internet gibt es ein zweites Video. Albanien gegen Belgien ragt amlinken oberen Bildrand. EinU-19-Spiel. Und nach unzähligen Dribblings, Tunnels und Moves, bei denen die Gegner nicht besser als Statisten aussehen, verlässt ein schmächtiger 10er nach erledigter Arbeit unter Standing Ovations den Platz. Es ist Valon Ahmedi. Zurzeit spielt er in Albaniens U-21 – doch die Sprossen auf der Karriereleiter, das weiß er selbst, können noch sehrweit nach oben führen.


Thomas Debelyak, Sportnews


Autor: sportnews

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