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Ein Fußballfan trauert in Neapel vor einem überlebensgroßen Wandgemälde von Diego Armando Maradona. © ANSA / CIRO FUSCO

Die Welt weint um den Größten: Diego Maradona ist tot

Diego Armando Maradona führte ein Leben auf der Überholspur: Auf dem Rasen spielte er seine Gegner schwindelig, neben dem Platz stürzte er sich ins Delirium. Mehr als einmal sprang er dem Tod von der Schippe. Jetzt ist der Ausnahmespieler an einem Herzstillstand gestorben.

Die Welt trauert um Diego Armando Maradona. Der argentinische Nationalheld, dieser geniale Künstler am Ball, ist am Mittwoch im Alter von nur 60 Jahren gestorben. Weltmeister, Serienmeister, UEFA-Cup-Sieger, Dopingsünder, gescheiterter TV-Moderator und Kokain-Junkie – eigentlich viel zu viel für ein einziges Leben. Erst kürzlich hatte er einen Krankenhaus-Aufenthalt überstanden.


Maradona war am 11. November, gut eine Woche nach der Operation wegen einer Hirnblutung, aus einem Krankenhaus in Buenos Aires entlassen worden. Beim Superstar war eine Blutung zwischen Hirnhaut und Gehirn festgestellt worden.

Ein Mann zwischen Genie und Wahnsinn
Es gibt unzählige Anekdoten über Maradona: Wie er seine Gegenspieler reihenweise narrte, wie er mit einem Luftgewehr auf Journalisten schoss oder sogar eine Kirche nach ihm benannt wurde. Als Fußballer war Maradona so unbeschreiblich gut wie niemand davor oder danach. Als Mensch war er viele Jahre später so dick, dass er kaum sprechen konnte. Diego Armando Maradona: Dieser Name steht für ein Leben zwischen Genie und Wahnsinn.

Ein Leben zwischen Himmel und Hölle: Diego Maradona bewegte die Massen. © APA/afp / DESHAKALYAN CHOWDHURY

Für viele Menschen auf der ganzen Welt ist Maradona ein Mythos. Die Legende beginnt am Rande von Buenos Aires. Als 12 Jahre alter Balljunge soll er den Zuschauern mit seinen Kabinettstückchen während der Halbzeitpausen schon mehr Unterhaltung als die Profimannschaft geboten haben. Im Alter von 15 Jahren gibt er sein Debüt in der ersten Liga, mit 16 ist er Nationalspieler, mit 17 Torschützenkönig und als 19-Jähriger erstmals Südamerikas Fußballer des Jahres.

Sein Karriereweg war unvergleichlich. 1982 wechselt Maradona für eine Rekordablösesumme zum FC Barcelona, zum Halbgott steigt er aber erst 2 Jahre später in Italien auf. Für eine weitere Rekordablöse geht es weiter zu Napoli. Nicht zu den großen Klubs im Norden, sondern zum verspotteten Fast-Absteiger in den verachteten Süden. „Kloake Italiens“, tönen Juve- oder Milan-Fans beim direkten Duell.
Weltmeister und Fußball-Gott in Neapel
In Neapel beginnt die Verwandlung. Maradona steigt höher und höher, 1987 und 1990 führt er Napoli zu den einzigen Scudetti der Vereinsgeschichte Die Neapolitaner verehren ihn wie einen Heiligen. Einmal soll eine Krankenschwester eine Blutprobe von ihm gestohlen und in die Kirche gebracht haben. Maradona kommt mit dem Hype klar, so lange er Fußball spielt, auf dem Rasen wird er besser und besser.

Diego Maradona bei der Vorstellung in Neapel am 5. Juli 1984. © ANSA / ANSA / XX

Mit Argentinien wird er 1986 Weltmeister, 1989 gewinnt er mit Napoli auch noch den UEFA-Pokal. Abseits des Platzes wird er genauso unkontrollierbar wie für seine Gegenspieler. Er verfällt dem Kokain („Eine Line – und ich fühlte mich wie Superman“), zieht von Sonntagabend bis Mittwoch um die Häuser. Seine Nationalmannschaftskarriere endet bei der WM 1994 wegen einer monatelangen Doping-Sperre.

Unvergessen sind die „Hand Gottes“, mit der er bei der WM 1986 gegen England getroffen hatte, oder sein Jahrhunderttor nach einem unfassbaren Dribbling im selben Spiel.

Unvergessen sind aber auch die Jahre später erschienenen Bilder vom kugelrunden Maradona mit schrillblonden Haaren. Er scheiterte als TV-Moderator und argentinischer Nationalcoach, verbrachte Wochen in Krankenhäusern, ließ sich den Magen verkleinern und schrammte mehrmals knapp am Tod vorbei. „Er lebt jeden Moment, als wäre es sein letzter“, sagte sein Fitnesstrainer einmal. „Wenn Diego einmal nicht mehr da ist, wird er noch mehr geliebt werden.“

Autor: cst/dpa

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