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Hans-Rudi Brugger zieht die Notbremse Das Tischtuch zwischen Brugger und Luca Piazzi (im Bild) ist zerschnitten

Hans-Rudi Brugger: "Entweder geht Piazzi oder ich!"

Die erste Enttäuschung, der erste Ärger über den Abstieg von der ersten in die zweite Division ist ein wenig verflogen, der Schock zum Teil überwunden, da wird langsam ersichtlich, vor welchem Scherbenhaufen der FC Südtirol steht. Der langjährige Kapitän des FC Südtirol, das Aushängeschild, der Paradeprofi Hans-Rudi Brugger hat genug und spricht Klartext: „Entweder geht Luca Piazzi, oder es gehe ich!“

Der Ausraster von Davide Zomer im Play-Out-Rückspiel zwischen dem skandalumwobenen Verein Ravenna und dem FC Südtirol war der traurige Höhepunkt der abgelaufenen Saison. Obwohl Südtirols einziger Profifußball-Klub seit Monaten in zwei Lager gespalten ist, hätte der FC Südtirol beinahe noch die Kurve gekratzt und sich in der dritten Liga gehalten.

Sieben Sekunden fehlten noch, um den Klassenerhalt unter Dach und Fach zu bringen. Dank Zomers fatalem Ausraster muss der FC Südtirol nun bei Null in der vierten Liga anfangen. Und das dürfte sich als äußerst schwierig erweisen. Denn in der Cadorna-Straße rumort es gewaltig.

Einer, der sich das Kasperletheater beim FC Südtirol nicht mehr länger anschauen will, ist Hans-Rudi Brugger. In mehr als 300 Meisterschaftsspielen hat der langjährige Kapitän die Knochen für den FCS hingehalten. Hat in 13 Jahren unzählige Spieler, Trainer und Funktionäre kommen und gehen sehen. Ist in mehr als einem Jahrzehnt mit den Weiß-Roten zu einer Identifikationsfigur gereift, die mit dem Verein Erfolge feiern durfte und Rückschläge einstecken musste. Nie hat sich Brugger in dieser Zeit in der Öffentlichkeit über die Vorgänge im Verein beschwert, doch nun hat der Passeirer genug. Wie 1809 sein Landsmann Andreas Hofer, so sagt auch Brugger: „Mander, es isch Zeit.“

Denn seit Luca Piazzi bei den Weiß-Roten im sportlichen Bereich das Sagen hat, gehe es nach Bruggers Empfinden mit dem Verein bergab. „Unser Sportdirektor hat es in den vergangenen Monaten geschafft, die Mannschaft in zwei Lager zu spalten. Auf der einen Seite sind wir Südtiroler Spieler, die seit vielen Jahren für diesen Verein arbeiten. Dazu zähle ich auch Alfredo Sebastiani und andere Mitarbeiter. Auf der anderen Seite stehen Piazzi und jene Spieler, die er nach Bozen geholt hat, vor allem jene aus Süditalien. Viele haben hier nur Geld kassiert, sonst nichts. Doch die Knochen hingehalten, das haben leider nur die wenigsten. Das Schlimme ist, dass der Vorstand nicht sehen will, was hier gespielt wird“, sagt Hans-Rudi Brugger.

Oft schon habe er mit dem Präsidium, bzw. dem Management das Gespräch gesucht. Bisher sei Brugger aber immer auf taube Ohren gestoßen. „Alle sehen, wie der Verein langsam aber sicher zugrunde gerichtet wird. Nur die Verantwortlichen stehen weiter zu Piazzi.“

Brugger, dessen Vertrag heuer ausläuft, würde natürlich gerne eine weitere Saison im Dress des FC Südtirol auflaufen. Allerdings sei ein weiteres Engagement an eine Forderung gebunden: „Ich unterschreibe nur, wenn Luca Piazzi geht. Ich fordere das nicht zu meinem persönlichen Vorteil, sondern weil mir das Wohl des Vereins am Herzen liegt. Ich bin seit 13 Jahren Spieler des FC Südtirol und kenne diesen Klub wie kein anderer. Und deshalb sehe ich es als meine Aufgabe, die Notbremse zu ziehen.“

Andreas Hofer wurde 1810 in Mantua erschossen. Ob Brugger dieses Schicksal sinnbildlich ebenfalls ereilen wird, indem ihm kein neuer Vertrag angeboten wird, bleibt abzuwarten. Auszuschließen ist es allerdings nicht. An Alternativen wird es Brugger aber mit Sicherheit nicht mangeln.

Autor: sportnews

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