
Argentinien ließ es sich nach dem Sieg über England nicht nehmen, eine politische Botschaft hinterher zu senden. © APA/afp / THOMAS COEX
Politik und kindliche Freude: Argentiniens Erfolgsrezept
Dass dieses dramatische WM-Halbfinale zwischen Argentinien und England viel mehr als nur ein Fußball-Spiel war, war nach dem Schlusspfiff in großen schwarzen Buchstaben zu lesen. Während Lionel Messi vor den euphorisierten Fans tanzte, zeigten seine Mitspieler hinter ihm ein Banner: „Die Malvinas sind argentinisch“ war dort zu lesen.
16. Juli 2026
Von: sn/apa
Da war sie also, die politische Dimension, der Falkland-Krieg von 1982, der diesem ohnehin schon aufgeladenen Duell weitere Brisanz verlieh. Das Banner war während des 2:1 auch auf den Zuschauerrängen zu sehen gewesen. Mit dem Spruch will Argentinien seine vermeintlichen Besitzansprüche auf die sogenannten Malvinas, wie die Inseln in Argentinien heißen, erklären.
Mit einer Strafe des Weltverbandes FIFA ist zu rechnen, doch davon war an diesem Abend in Atlanta erst einmal keine Rede. Im Mittelpunkt stand der unfassbare Wille der Argentinier, die bis zur 85. Minute durch ein Tor von Anthony Gordon zurücklagen – und dann durch die Treffer von Enzo Fernandez und Lautaro Martinez doch noch in das Endspiel gegen Spanien einzogen.
Scaloni und das richtige Adjektiv
„Episch? Historisch? Wie sollen wir es nennen?“, fragte Trainer Lionel Scaloni auf der Suche nach dem richtigen Adjektiv. „Es gibt nichts Vergleichbares. Die Jungs hatten keine Angst, sie fühlten die Last der Verantwortung nicht.“ „Dieses Team spielt am besten in schwierigen Situationen“, sagte Scaloni.Selbst Superstar Lionel Messi konnte es nach dem Siegtreffer kaum glauben. © ANSA / WILL OLIVER
Und Argentinien hatte Lionel Messi, der erneut entscheidenden Anteil an dem Sieg hatte. Der 39-Jährige bereitete beide Treffer vor. „Messi in den letzten 20 Minuten – da konnte er machen, was er wollte“, sagt Scaloni und verriet das Erfolgsgeheimnis: „Sie spielen wie Achtjährige. Sie denken nicht daran, ob sie vorbeischießen oder in das Finale kommen. Sie wollen nur Fußball spielen.“Selbst Messi ist die ganze Sache nicht geheuer. „Es ist verrückt, was wir gerade erleben und wie sich die Dinge entwickeln“, sagte der Superstar. „Vielleicht hatten die Leute Zweifel, weil wir mit Spielern an der Leistungsgrenze und mit Problemen hierhergekommen sind. Aber wenn diese Mannschaft zusammenhält, geht sie immer noch einen Schritt mehr und das überträgt sich auf alle.“
Scaloni möchte als Weltmeister abreisen
Und in diesem sechsten WM-Duell mit England spielte bei der Albiceleste der Falkland-Krieg eine zusätzlich motivierende Rolle. Wie schon im Viertelfinale 1986, nachdem Diego Maradona von Rache gesprochen hatte. Argentinien und Großbritannien hatten 1982 mehr als 70 Tage lang Krieg um die Falklandinseln vor der Küste Argentiniens geführt. Dabei starben rund 1000 Soldaten. Die Inseln sind seit 1833 britisches Überseegebiet. Bis heute weigert sich Großbritannien, über den Anspruch auf die Malvinas zu verhandeln.Argentiniens Spieler mit einer politischen Botschaft nach dem Sieg – das dürfte eine FIFA-Strafe nach sich ziehen. © APA/afp / PAUL ELLIS
Im Finale gegen Spanien muss es nun einen anderen Faktor geben. Denn das Ziel ist klar. „Ich möchte hier als Weltmeister abreisen“, sagte Scaloni und betonte die Bedeutung von äußeren Einflüssen: „Fußball ist manchmal mehr als Taktik.“Profil bearbeiten
Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.


Kommentare (0)