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Roman Yaremchuk (r.) und die Ukrainische Fußballnationalmannschaft will mit der Qualifikation für die WM in Katar ihren Landsleuten einen Moment der Ablenkung schenken. © APA/afp / MARKO DJURICA

Spiel ums WM-Ticket für die Ukraine

Vor dem Play-off-Gastspiel in Schottland: „Wir geben niemals auf“! Die Konzentration auf den Fußball ist für beide Teams schwer. Die Ukraine will ihren Landsleuten ein Lächeln schenken. Die Schotten müssen Sympathien für den Gegner beiseite schieben.

Mit den Gedanken in der Heimat und der Hoffnung auf Katar hat sich das Fußball-Nationalteam der Ukraine auf das Comeback vorbereitet. Am Mittwoch (20.45 Uhr) tritt die Ukraine im Hampden Park zu Glasgow gegen Schottland an. Gewinnen die Osteuropäer ihr erstes Pflichtspiel seit dem Kriegsausbruch Ende Februar, spielen sie am Sonntag in Wales um das letzte europäische Ticket für die WM-Endrunde im November und Dezember.


„Ich zittere innerlich“, sagte Oleksandr Sintschenko der BBC. Die Aufgewühltheit des ukrainischen Teamspielers resultiert in diesen Tagen einmal nicht aus erschütternden Berichten aus seiner unter dem russischen Angriffskrieg leidenden Heimat. Im Gegenteil. Sintschenko will sich mit der Ukraine für die WM qualifizieren und seinen Landsleuten „vielleicht für ein paar Sekunden ein Lächeln“ schenken. „Dieses Spiel ist eines der wichtigsten in meinem Leben. Es ist überhaupt nicht nötig, über Motivation zu reden“, sagte der 25-Jährige.

Bei der WM würde sein Team auf England, Iran und die USA treffen. Noch sind dies ferne Träume. Die Vorbereitung der Mannschaft lief passend zur Situation nicht normal. Seit Anfang Mai trainierte das Team auf Einladung von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin zwar in Slowenien, doch die Konzentration auf Fußball fällt vielen aufgrund des Schicksals ihrer Heimat schwer. Hinzu kommt, dass einige Profis seit mehreren Monaten kein Spiel mehr bestritten haben. „Aber in diesem Fall gibt es keine Ausreden“, betonte Sintschenko.


Der Profi von Manchester City weiß, wie man sich als Volksheld seiner Heimat fühlt. Im vergangenen Sommer führte der Blondschopf den Außenseiter mit einem Tor und einer Vorlage zu einem 2:1-Sieg gegen Schweden und ins EM-Viertelfinale. Nicht einmal ein Jahr später wirken die Bilder aus dem Hampden Park von damals wie aus einer anderen Zeit. „Als der Krieg begann, war es schwer, sich auf Fußball zu konzentrieren“, sagte Sintschenko. All seine Gedanken seien bei den Ukrainern gewesen.

Andriy Yarmolenko will gegen Schottland jubeln können. © POOL / MIHAI BARBU

Ähnlich erging es seinem für West Ham spielenden Kollegen Andrij Jarmolenko (32): „Es ist so schwer, im Moment an Fußball zu denken. Die russische Armee tötet täglich Menschen in der Ukraine.“

Das Spiel in Schottland und der mögliche Höhepunkt in Wales, das sich im März im Play-off-Halbfinale gegen Österreich mit 2:1 durchgesetzt hat, soll sicherlich auch ein Zeichen an den russischen Präsidenten Wladimir Putin sein. „Die Ukraine lebt noch immer. Die Ukraine wird bis zum Ende kämpfen. Das ist unsere Mentalität. Wir geben niemals auf“, betonte Sintschenko. Worte, die auch von seinem Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hätten stammen könnten.

Aber selbst wenn die ukrainischen Spieler maximal motiviert sind und sicherlich von allen neutralen Fans der Welt unterstützt werden, so wird sich Schottland nicht einfach seinem Schicksal fügen. Für die schottischen Spieler heißt es, die Sympathien für den sportlichen Konkurrenten für eineinhalb Stunden auszublenden. „Wir verstehen die Situation und haben Verständnis dafür. Du schaltest jeden Tag die Nachrichten ein und es ist etwas anderes passiert. Es ist eine wirklich schreckliche Situation“, sagte Callum McGregor.

„Das ganze Gerede im Vorfeld des Spiels wird sich wahrscheinlich darum drehen, aber es ist wichtig, dass wir erkennen, dass wir eine Aufgabe zu erledigen haben. Wir dürfen an nichts anderes denken“, erklärte der Mittelfeldspieler. Denn Schottland will sich erstmals seit 1998 endlich wieder für eine WM qualifizieren. „Wir warten wirklich schon sehr, sehr lange auf die Gelegenheit, wieder bei einer WM dabei zu sein – ihre Motivation kann also nicht größer sein als unsere“, betonte McGregor.

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