
Zinedine Zidane ist der neue Nationaltrainer Frankreichs. © ANSA / YOAN VALAT
Zidane & Co: Top-Nationen im Trainer-Fieber
Nach der Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika haben viele Nationalteams ihren Teamchef gewechselt. Einige große Namen geben in den kommenden Tagen zum Start der Nations League ihre Premieren.
23. September 2026
Von:
David Lechthaler
Mit Jürgen Klopp (Deutschland) und Xavi (Niederlande) kommt es am Donnerstag zum Aufeinandertreffen zweier Star-Trainer, am Freitag gibt Zinedine Zidane sein Debüt als französischer Teamchef. Ein Überblick:
Klopp: Die große Euphorie
Mit mehr Vorschusslorbeeren kann man kaum in einen neuen Job starten. Jürgen Klopp begeistert noch vor seinem ersten Einsatz als deutscher Bundestrainer am Donnerstag in Amsterdam gegen den Erzrivalen Niederlande. Seine Rede bei der Bekanntgabe des ersten Aufgebots rührte den Chefredakteur der „Bild“ zu Tränen, wie das Boulevard-Medium erzählte und filmisch dokumentierte. „Die Fahne zurückholen“ wünschte sich Klopp, als er einen kleinen politischen Exkurs wagte.Jürgen Klopp löst eine neue Euphorie in Deutschland aus. © ANSA / ANNA SZILAGYI
Sein erstes Aufgebot ist so breit abgestützt wie seine Popularität. 44 Spieler nahm Klopp in seinen Kader für die anstehenden vier Partien. Es sind Spieler darunter, die international kaum bekannt sind, wie etwa Felix Keidel, der erst vier Bundesliga-Spiele mit Aufsteiger Elversberg bestritten hat, oder die Legionäre Mika Baur (Celtic Glasgow) und Vitaly Janelt (Brentford). Dafür fehlen bekanntere Namen wie Leroy Sané, Deniz Undav oder Torhüter Oliver Baumann.
Xavi: Etwas Barça für Oranje
Auch bei den Niederlanden wird der Blick auf den Trainer gerichtet sein. Zum ersten Mal seit Ende der Siebzigerjahre und dem Österreicher Ernst Happel ist der Bondscoach der Oranje ein Ausländer. Der Spanier Xavi übernahm den Posten vom nach der WM zurückgetretenen Ronald Koeman. Der 46-jährige einst brillante Spielmacher muss sich rasch beweisen. Er war bei der Suche nach dem Nachfolger von Koeman nur die dritte Wahl, heißt es aus den Niederlanden.Der neue Bondscoach: Barca-Legende Xavi. © ANSA / ROBIN VAN LONKHUIJSEN
Als Trainer ist der Leistungsnachweis von Xavi relativ klein. In den knapp drei Saisonen beim FC Barcelona (November 2021 bis Mai 2024) gewann er nur einen Meistertitel. Seit dem Ende seines dortigen Engagements, das er ebenfalls als Nachfolger von Ronald Koeman begonnen hatte, war er ohne Trainerjob. Die enge Verbindung des FC Barcelona und der niederländischen Nationalmannschaften mit gemeinsamen Größen wie Rinus Michels, Johan Cruyff oder eben auch Koeman hat Xavi den prestigeträchtigen Posten eingebracht.
Zidane: Für ein bisschen Magie
Nicht zweite oder dritte Wahl, sondern einzige Wahl war Zinedine Zidane. Wohl noch nie wurde vor dem 54-Jährigen ein französischer Nationaltrainer so gut wie ohne Vorbehalte von der Öffentlichkeit in seinem Amt begrüßt. Nach 14 vorwiegend erfolgreichen Jahren unter Didier Deschamps sollen Siege und Spektakel vereint werden. Die neue Zeitrechnung für „Les Bleus“ beginnt am Freitag gegen die Türkei in Izmit, der Stadt rund 100 Kilometer östlich von Istanbul.Als „Rückkehr des Königs“ bezeichnete „L'Equipe“ die ersten Tage von Zidane im französischen Trainingszentrum von Clairefontaine. An seiner Seite ist unter anderem der langjährige Teamkollege Fabien Barthez, der als Torhütertrainer neu zum Trainerstab gehört. Fünf Neulinge schafften es in das erste, 23 Spieler umfassende Aufgebot von Zidane. Das Potenzial, um Frankreich brillieren zu lassen, hat Zidane auch ganz ohne Debütanten zur Hand. Der Erwartungsdruck ist allerdings riesig.
Van Bommel: Endlich das Richtige
Belgien startet am Freitag in Italien mit einem Niederländer in den neuen WM-Zyklus. Mark van Bommel, dessen Sohn Ruben erstmals im Aufgebot von Xavi steht, ist nahe der belgischen Grenze aufgewachsen und trainierte zwischen 2022 und 2024 Royal Antwerpen. Seither schlug der frühere Kapitän von Bayern München diverse Jobangebote aus. „Es war nie das Richtige“, erklärte Van Bommel, der die Nachfolge von Rudi Garcia antritt.Marc van Bommel heuerte in Belgien an. © ANSA / OLIVIER MATTHYS
In Belgien kann der frühere defensive Mittelfeldspieler auf ein großes Reservoir zurückgreifen. Der Generationenwechsel kündigt sich aber nicht einfach an. Im erweiterten 26-Mann-Aufgebot für die ersten vier Länderspiele stehen weiterhin Kevin De Bruyne (35) und Romelu Lukaku (33). Van Bommel wird rasch sehen, wo sein Team steht: Auf das Gastspiel in Rom folgen Partien gegen die Türkei und zweimal gegen Frankreich.
Mancini: Rückkehrer als dritte Wahl
Zur erstmaligen Verpflichtung eines ausländischen Nationaltrainers ist es in Italien noch nicht gekommen. Der vierfache Weltmeister griff dafür wieder auf Roberto Mancini zurück, der mit dem EM-Titel 2021 für den großen Lichtblick in den vergangenen zwölf Jahren ohne WM-Teilnahme gesorgt hatte. Seine zweite Amtszeit begann mit einer öffentlichen Entschuldigung. Schließlich hat der 61-Jährige im eigenen Land einiges gutzumachen, nachdem er 2023 den Posten des Commissario Tecnico für eine lukrative Anstellung in Saudi-Arabien aufgegeben hatte.Will der Squadra Azzurra neues Leben einhauchen: Roberto Mancini. © APA/afp / FILIPPO MONTEFORTE
Der überstürzte Abgang von Mancini ist nur eine von diversen seltsamen Episoden in der jüngsten Geschichte des italienischen Verbandes. Bevor Mancini seinen Posten Ende Juli zurückerhielt, hatte Verteidiger-Ikone Paolo Maldini während seiner 16 Tage als Technischer Direktor vergeblich versucht, Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti als Nationalcoaches an Bord zu holen. Die dritte Wahl, Andrea Pirlo, sagte dann zu, stolperte aber über seine geschäftlichen Verbindungen nach Russland. Pirlo fiel politisch durch, Maldini warf das Handtuch, und Mancini erhielt den Job.
Routinier, Rückkehrer und Pionier
Portugal hat nach der enttäuschenden WM den weitgereisten Jorge Jesus als Nachfolger von Roberto Martinez eingestellt. Der 72-Jährige führte Al-Nassr mit Cristiano Ronaldo vergangene Saison zum Meistertitel in Saudi-Arabien und steht am Donnerstag gegen Wales erstmals für Portugal an der Seitenlinie. Kroatien berief Slaven Bilic zurück in das Amt des Nationalcoaches. Der ehemalige Verteidiger hatte bereits von 2006 bis 2012 den zweimaligen WM-Finalisten trainiert. Auch der Gegner Kroatiens hat einen neuen Coach. Mit dem Spanier Santi Denia werden die Tschechen erstmals von einem Ausländer betreut.Profil bearbeiten
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