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Kevin-Prince Boateng bei seiner Vorstellung in Barcelona. © APA/afp / LLUIS GENE

Boateng bei Barça: Mit dem Handicap der königlichen Krone

Am Dienstag gab es auf dem Transfermarkt einen Paukenschlag: Kevin-Prince Boateng wechselt für den Rest der Saison auf Leihbasis von Sassuolo zum FC Barcelona. Es ist bereits der elfte Verein des Deutsch-Ghanaers. Viele fragen sich: Was will Barça mit Boateng? Doch auf den zweiten Blick ist dieser Sensations-Deal gar nicht so überraschend.

„Als Kind habe ich immer Real Madrid im Fernsehen geschaut. Es war mein Kindheitstraum, eines Tages für Real zu spielen. Dort waren Stars wie Figo, Ronaldo oder Zidane, die ich bewundert habe. Mit 20 Jahren habe ich mir dann gedacht: Madrid nennt man doch die Königlichen. Dazu passt auch ein wenig mein zweiter Vorname (Prince). Somit habe ich mir in Anlehnung an beides eine Krone auf den Hals stechen lassen“, sagte Boateng im Jahre 2014 in einem Interview mit der Sport Bild.

Zum damaligen Zeitpunkt hätte er sich wohl kaum gedacht, in seiner Karriere noch einmal ein Angebot eines anderen großen Klubs zu erhalten. Schon gar nicht von einem Klub wie Barça. Im Fußball geschieht aber eben manchmal Unglaubliches. So wird Boateng, 2014 noch zu schlecht und aufbrausend für die Bundesliga und Schalke 04, künftig in einem Team mit Lionel Messi kicken. Tatsächlich erschien Boateng bei seiner Unterschrift in Barcelona in einem feinen Designeranzug. Das Hemd war dabei natürlich bis zum letzten Loch zugeknöpft, so konnte man die Krone auf dem Hals nicht vollständig identifizieren.

Arturo Vidal und Kevin-Prince Boateng sind künftig Teamkollegen.

Warum holt Barça Boateng?
Boateng kommt mit ziemlicher Sicherheit nicht als Stammspieler nach Katalonien. Er schließt aber die Lücke auf einer Position, die Barça-Trainer Ernesto Valverde seit einer Weile Kopfschmerzen bereitet. Nach den Abgängen von Paco Alcacer (zu Borussia Dortmund im Sommer) und Munir El Haddadi (zum FC Sevilla im Winter) war Luis Suárez zuletzt der einzige nominelle Mittelstürmer im Kader. Suárez zählt immer noch zu den besten seines Fachs, mit seinen mittlerweile 31 Jahren kann der Uruguayer jedoch nicht mehr durchgehend auf drei Hochzeiten tanzen (La Liga, Champions League und Copa del Rey).

Barça stieg deshalb in den Poker um Alvaro Morata ein, zog gegen Atletico Madrid jedoch den Kürzeren. Also richtete sich der Fokus mehr und mehr auf einen Spieler der älteren Garde. Die Wahl fiel am Ende auf Boateng. Der Deutsch-Ghanaer ist keine reine Nummer Neun. Er ist mehr ein Allrounder, der zur Not auch als Sechser spielen kann. Boatengs Vielseitigkeit, gepaart mit seiner Erfahrung, überzeugten Valverde scheinbar. Bei einer Leihgebühr von zwei Millionen Euro war der 31-Jährige auch die günstigste Alternative.

Kevin-Prince Boateng holte im Mai 2018 seinen ersten Titel in Deutschland. © APA/afp / ANDREAS ARNOLD


Dass der gelernte Mittelfeldspieler Boateng über eine formidable Stärke im Abschluss verfügt, ist in Spanien bestens bekannt: In der Saison 2016/2017 schaffte Boateng im Trikot von UD Las Palmas seinen bisherigen Karrierebestwert von zehn Toren. Auch dies dürfte Barça überzeugt haben neben der Tatsache, dass er im Spätherbst seiner Karriere eine aufsteigende Form beweist und endlich etwas aus seinem Talent zu machen scheint. Erst im vergangenen Sommer hatte Boateng nach einer erfolgreichen Saison mit Eintracht Frankfurt, gekrönt durch den DFB-Pokalsieg gegen den FC Bayern, selbst darum gebeten, den Verein in Richtung Sassuolo (Emilia Romagna) verlassen zu dürfen. Das hatte vor allem familiäre Gründe.

Nun erhielt Boateng ein Angebot, das er allein aus Liebe zum Fußball nicht ablehnen konnte. Es bleibt abzuwarten, ob der spanische Meister im Sommer dann auch die 8 Millionen schwere Kaufoption zahlen wird und ob ihm die katalanischen Fans die königliche Krone auf seinem volltätowierten Hals verzeihen werden.
Kevin-Prince Boateng: Die Karrierestationen eines „Wandervogels“
Station Nr.JahrVerein
1.2005-2007Hertha BSC
2.2007-2009Tottenham Hotspur
3.2009Borussia Dortmund
4.2009-2010FC Portsmouth
5.2010-2013AC Milan
6.2013-2015FC Schalke 04
7.2016AC Milan
8.2016-2017UD Las Palmas
9.2017-2018Eintracht Frankfurt
10.2018-2019US Sassuolo
11.seit 2019FC Barcelona

Autor: dl

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