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Ein Mann mit Ecken und Kanten: Pierpaolo Bisoli ist nicht nach Südtirol gekommen, um der Liebling von Allen zu sein. Er will den FCS in der Serie B halten. © M. Groppo

Neuer FCS-Trainer schärft sein Profil: „Vielen bin ich unsympathisch“

Der FC Südtirol legt seine sportlichen Hoffnungen in die Hände von Trainer Pierpaolo Bisoli. Dieser haute bei seiner Antrittsrede am Dienstagvormittag mit klaren Aussagen gleich verbal auf den Tisch.

Die Bilder glichen sich: Am 14. Juni schlich Lamberto Zauli bei seiner Präsentation als neuer FCS-Coach mit leisen Schritten hinters Rednerpult. Er wählte bedachte Worte, beugte sich immer wieder nach vorne und hielt die Hände unterm Tisch. Keine zwei Monate später nahm Leandro Greco den zentralen Platz im Media-Center des FC Südtirol ein – mit ruhiger Stimme und wiederkehrenden Floskeln. Zauli und Greco gelten als Trainer, die ihr Wissen auf besonnene Art und Weise an die Spieler weitergeben. Beiden blieb ein Sieg als Cheftrainer des FC Südtirol verwehrt.


Und nun kommt Pierpaolo Bisoli! Der 55-Jährige sitzt am Morgen seiner Vorstellung aufgerichtet, mit breiter Brust vor rund zwei Dutzend Medienvertretern. Er spricht mit einer Dezibelstärke, die den Einsatz von Mikrofonen im Saal umsonst erscheinen lässt. Auf taktische Belange geht der langjährige Serie-A-Spieler gar nicht erst ein, er appelliert mit scharfen Sätzen an die Einstellung, den Charakter und die Moral der Spieler und sagt über sich selbst: „Der Verein hat gut daran getan, sich bei mir Bedenkzeit zu nehmen. Denn vielen erscheine ich unsympathisch.“

Bei Aussagen wie diesen huscht den anwesenden Verantwortlichen, wie Geschäftsführer Dietmar Pfeifer und dem neben Bisoli sitzenden Sportdirektor Paolo Bravo, ein kurzes Schmunzeln über die Lippen. Gleichzeitig dürften sie sie mit Wohlwollen aufnehmen, denn Bisoli wurde auch deshalb geholt: Er soll anpacken, anspornen, mitreißen.

Pierpaolo Bisoli will den FCS mit der Rückendeckung von Sportdirektor Paolo Bravo (im Hintergrund) in die Spur führen. © Groppo/DLife

Der neue FCS-Coach ist jedoch mehr als nur ein reiner Schleifer und Motivator. Das wird klar, wenn Pierpaolo Bisoli über folgende Themen spricht:

…die Ziele: „Es kann nur ein einziges Ziel geben: Den Klassenerhalt mit dem FC Südtirol zu schaffen. Die Anstrengungen um in diese Liga zu kommen waren riesig. Da kann man doch nicht nach einem Jahr wieder verschwinden. Gemeinsam müssen wir daran arbeiten, in der Serie B zu bleiben. Ich bin nicht hier um zu hören, wie gut ich bin. Das einzige Ziel ist, den Verein in der Liga zu halten.“

…die Gründe zum FCS zu kommen: „Ich habe mich schon vor drei Wochen entschieden, dass ich nach Südtirol kommen möchte. Alle haben gut vom Verein geredet. Ein ruhiges Umfeld, gute Trainingsbedingungen und eine klare Aufgabenverteilung. Es ist wichtig, dass sich jeder auf seine Arbeit konzentriert. Der Verein ist geeint und alle sind ruhig. Jetzt muss ich Lösungen für die aktuellen Probleme finden.“

…seine Art zu trainieren: „Mehr als an Formation und Taktik muss ich daran arbeiten, dass wir auf dem Platz eine Familie sind. Funktioniert das nicht, sind wir verloren. Eine Mannschaft muss auf dem Platz organisiert sein und Charakter zeigen. Einzelspieler machen in der Serie B selten den Unterschied. Das ist ganz anders als in der Serie A, wo das oft der Fall ist. Schauen Sie sich die starken Mannschaften in der Serie B an. Die haben alle eine klare Identität. Das muss auch unser Ziel sein. Eines kann ich garantieren. Jeder muss sich zur Verfügung stellen. Wenn ich einen Jungen in der Primavera sehe, der es sich aus meiner Sicht verdient zu spielen, dann wird er spielen.“

…Co-Trainer Leandro Greco: „Ich bin ohne eigenen Co-Trainer hierher gekommen, weil der Verein diesen stellt. Greco ist ein intelligenter Mensch und Trainer. Das wird funktionieren, ich habe mit ihm absolut kein Problem.“

…seine taktischen Vorstellungen: „Ich habe zuletzt mit Dreierkette gespielt, aber ich bin kein Sturkopf. 4-3-3, 4-2-3-1 oder 3-5-2? Das weiß ich noch nicht. Die Spieler müssen sowieso mehrere Systeme spielen können. Wir müssen auf jeden Fall irgendetwas ändern.“

…die letzten Stunden auf dem Transfermarkt: „Natürlich muss noch etwas passieren (am Donnerstag schließt das Transferfenster; Anm. d. Red.). Ich kümmere mich aber nicht darum, das macht der Sportdirektor. Wir haben uns unterhalten, denn es sind auch wichtige Spieler verletzt. Das darf man nicht vergessen, denn Tait, Siega oder Sprocati sind erfahrene Leute. Aber ich mache keinen „mercato“, dafür ist der Sportdirektor zuständig. Fakt ist, dass wir noch jemanden brauchen.“

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