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Matteo Lovisa (rechts) bei seiner Antrittsrede im FCS Center in Rungg. © FCS

a Serie B

Matteo Lovisa (rechts) bei seiner Antrittsrede im FCS Center in Rungg. © FCS

„Neuer Trainer, neuer Fußball“: Lovisa verändert den FC Südtirol

Lange war Geduld geboten, jetzt ist er endlich da: Matteo Lovisa hatte an diesem Freitagmorgen seinen ersten Auftritt als Sportdirektor des FC Südtirol. Er nutzte ihn für eine klare Ansage.

Aus dem FCS Center in Rungg

Alexander Foppa

Von:
Alexander Foppa

Es war am Freitag um 10.06 Uhr, als Matteo Lovisa aus einer Schiebetür trat und im Mediensaal des Trainingszentrums am Rednerpult Platz nahm. Seine erste Pressekonferenz dauerte exakt eine halbe Stunde – und sie war ein Vorgeschmack auf das, was sich beim FC Südtirol in den kommenden Wochen und Monaten abspielen dürfte. Es weht ein neuer Wind am Eppaner Rungghof.


Mit merkbarem Stolz präsentierte Vereinspräsident Gerhard Comper den neuen starken Mann der Medienrunde: „Es waren auch namhaftere Klubs an ihm dran, deshalb sind wir unheimlich froh, dass er sich für uns entschieden hat und jetzt hier sitzt. Wir werden das Budget erhöhen – wie viel Geld zur Verfügung steht, hängt aber auch von den Spielerverkäufen ab.“ Bezugnehmend auf Lovisas Alter sagte er: „Was dieser junge Herr mit 30 Jahren schon geschafft hat, ist beneidenswert.“

Gerhard Comper, Matteo Lovisa und Hannes Fink bei der Pressekonferenz.

Gerhard Comper, Matteo Lovisa und Hannes Fink bei der Pressekonferenz.


In dieselbe Kerbe schlug nur Augenblicke später Hannes Fink, der technische Direktor des FCS: „Matteo war unsere erste Wahl. Er hat sofort verstanden, wie der Verein und sein Umfeld ticken. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.“ Danach war Matteo Lovisa selbst an der Reihe. Mit freundlichem Blick, unaufgeregter Tonlage und präzisen Worten gab er Auskunft über...

...die Verhandlungen mit dem FC Südtirol:
„Die gingen relativ rasch über die Bühne. Ich war gleich vom Projekt überzeugt. Wenn ich nur des Geldes wegen gewechselt wäre, wäre ich nicht hier gelandet. Aber das war zweitrangig. Ich will dazulernen, gute, ehrliche Arbeit verrichten und das Vertrauen eines seriösen Umfelds spüren. Deshalb fiel die Wahl auf den FC Südtirol.“

...ihn selbst als Typen: „Ich bin eine ruhige Person, die noch vieles zu lernen hat, die aber auch weiß, wo sie hinwill. Als Sportdirektor bin ich kein Freund des Datenfußballs, lieber schaue ich mir Spiele selbst an, mache mir ein Bild vor Ort, vom Verhalten und Charakter des Spielers.“

...Südtirol und seine Deutschkenntnisse: „Die sind nicht vorhanden (lacht). Ganz ehrlich: Ich verstehe kein Wort Deutsch. Allerdings ist mir Südtirol nicht völlig fremd. Ich komme aus dem Friaul. Das liegt ja förmlich um die Ecke, hat auch Berge und tolle Landschaften. Ich werde mich hier schnell zurechtfinden, einleben und auch anpassen.“
„Wenn ich nur des Geldes wegen gewechselt wäre, wäre ich nicht hier gelandet“ Matteo Lovisa

...die Arbeit seines Vorgängers: „Paolo Bravo hat hier Exzellentes geleistet, davon zeugt die Entwicklung des Vereins. Allerdings gehören Wechsel auf diesen Ebenen im Fußball dazu. Und jetzt ist es beim FC Südtirol an der Zeit für einen Wechsel, Zeit für was Neues.“

...die große Veränderung beim FCS: „Wir werden einiges umstellen – in erster Linie aber die Art und Weise, Fußball zu spielen. Die Aggressivität, die Leidenschaft gilt es beizubehalten, allerdings wollen wir viel mehr Ballbesitz, mit mehr Akzenten im Spiel. Dafür brauchen wir einiges an Neuem, auch auf der Trainerposition.“

...das Aus von Fabrizio Castori: „Ich habe größten Respekt vor ihm, seiner Karriere und seinen Ergebnissen beim FC Südtirol. Allerdings ist es Zeit für einen Wechsel. Man kann auch mit Ballbesitzfußball die Liga halten, das wollen wir hinbekommen.“

...den neuen Trainer: „Wir haben eine enge Auswahl an Trainern getroffen, die den von uns angestrebten Fußball verkörpern (Davide Possanzini und Giorgio Gorgone sind noch im Rennen, Anm.d.R.). Eines muss aber klar sein: Der neue Trainer erhält keinen Ein-Jahres-Vertrag. So wie ich muss auch er zu einem langfristigen Projekt passen.“

Sie sind die Trainerkandidaten beim FC Südtirol: Giorgio Gorgone (l.) und Davide Possanzini (r.)

Sie sind die Trainerkandidaten beim FC Südtirol: Giorgio Gorgone (l.) und Davide Possanzini (r.)


...den Zeitpunkt der Trainerentscheidung: „Es ist die wichtigste Personalie überhaupt, da gilt es nichts zu überstürzen. Das waren zuletzt turbulente Tage, jetzt gilt es, kühlen Kopf zu bewahren. Wir werden am Wochenende nochmal alle Faktoren abwägen und dann eine Entscheidung treffen. Für diese übernehme ich die Verantwortung.“

...mögliche Transferhammer: „Natürlich habe ich Vorstellungen, welche Spieler zu diesem Verein und seiner Ausrichtung passen. Und dabei blicke ich auch ins Ausland. Den Stamm müssen ligaerfahrene italienische Spieler bilden, das steht für mich außer Diskussion, es wäre aber fahrlässig, den Fokus nur auf den heimischen Markt zu legen. Ich möchte den Großteil des Kaders bis zum Trainingsstart am 19. Juli beisammen haben, die letzten Aktivitäten werden aber wohl erst kurz vor Transferschluss erfolgen.“
„Als FC Südtirol müssen wir niemanden verscherbeln“ Matteo Lovisa

...den Abschied von Raphael Kofler: „Der ist längst nicht sicher. Als FC Südtirol müssen wir niemanden verscherbeln, auch keinen Spieler wie ihn, der zweifelsfrei in eine höhere Liga gehört. Sollte das Angebot passen, werden wir ihn ziehen lassen und Teile des Kapitalgewinns in den Kader reinvestieren. Mal sehen, was im Juli passiert, wenn der Serie-A-Transfermarkt Fahrt aufnimmt.“

...über neue Ziele des FC Südtirol: „Die wird es nicht geben, zumindest vorerst nicht. Wir wollen die Klasse halten, darum geht es. Das Ziel lautet ganz klar: Eine Platzierung besser als vergangene Saison, dann sind wir sicher drin. Langfristig wollen wir natürlich Schritt für Schritt nach oben.“

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