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Fabrizio Castori  könnte seine letzte Pressekonferenz als FCS-Trainer bereits hinter sich haben.

a Serie B

Fabrizio Castori könnte seine letzte Pressekonferenz als FCS-Trainer bereits hinter sich haben.

Tabula rasa beim FC Südtirol?

Den Klassenerhalt hat der FC Südtirol unter Dach und Fach gebracht. Im FCS-Center in Rungg ist Ruhe eingekehrt – allerdings nur vor den Kulissen.

Zufriedenstellend war die Saison des FC Südtirol nicht. Daran ändert auch der Klassenerhalt, errungen auf den letzten Drücker im Playout, nichts. Ein Abstieg von der Serie B in die Serie C hätte für den Club schwerwiegende Folgen gehabt. Doch auch in der zweithöchsten Liga Italiens bahnt sich ein Umbruch an.


Im Fokus steht die sportliche Führung der Weiß-Roten. Trainer Fabrizio Castori mag den Verein in der Liga gehalten haben, eine sportliche Entwicklung sieht aber anders aus. Der Hauruck-Fußball des Serie-B-Veteranen (Castori ist der Trainer mit den meisten Spielen in der Serie B) hat dem FCS die schwächste Saison seit dem Aufstieg beschert. Während andere Vereine, wie Juve Stabia oder Catanzaro, mit jungen und modernen Trainerlösungen erfolgreich waren, setzte der FCS auf Routine und „Old-school-Fußball“ mit langen Bällen und ohne Risiko. Auch wenn Castori mit Sportdirektor Paolo Bravo auf einer Wellenlänge liegt und sich gut versteht, scheint der Abschied des 71-Jährigen – und mit ihm ein Großteil des Trainerstabs – beschlossene Sache zu sein.

Bravo auf dem Prüfstand

Wobei die Brücke zum Sportdirektor schon geschlagen wäre. Bravo steht nämlich selbst auf dem Prüfstand. Die jüngste Bilanz des Sportchefs, der beim FCS fast das alleinige Sagen hat, sieht mehr als nur durchwachsen aus. Von den zwölf getätigten Transfers in der abgelaufenen Saison haben nur Emanuele Pecorino und Simone Tronchin eingeschlagen. Beide waren Stammspieler. Im Winter kam Marco Frigerio aus Lecco und erwies sich als passabler Ergänzungsspieler – die große Entdeckung war er aber auch nicht.
Paolo Bravo steht auf dem Prüfstand der FCS-Vereinsführung. © FCS

Paolo Bravo steht auf dem Prüfstand der FCS-Vereinsführung. © FCS

Komplette Flops waren Castori-Wunschspieler Mamadou Coulibaly (er wurde während der Hinrunde sogar aus dem Kader verbannt), der Brasilianer Filipe Bordon, Davide Mancini (er sollte Andrea Giorgini ersetzen), Jonathan Italeng und der slowenische Ex-Nationalspieler Domen Crnigoj. Übertroffen wurden sie nur von Simone Verdi, der als einer der größten Fehleinkäufe der FCS-Geschichte eingeht. Der vierfache italienische Nationalspieler hatte überhaupt keinen Einfluss auf das Geschehen in Südtirol. Torhüter Alessio Cragno, ebenfalls Italien-Nationalspieler, verletzte sich nach guten Ansätzen schwer.

Zweifel am Sportdirektor

Fakt ist, dass Bravo – der zweifellos große Verdienste hat – beim FCS nicht mehr unumstritten ist. Ob der gebürtige Brescianer, der seine Sommer stets in Rimini verbringt, bleibt oder nicht, wird nicht zuletzt von der FCS-Chefetage abhängen. Sie wird entscheiden müssen, ob Bravo der richtige Mann für einen Neustart ist. Zweifel sind jedenfalls da, auch weil der Sportdirektor – wie Castori – eher für traditionelles Handwerk steht. Moderne Scouting-Tools oder Daten kommen in der Arbeit von Bravo kaum vor. Stattdessen setzt der Sportchef auf seine Intuition, lag damit zuletzt aber häufig daneben.

Arbeit für kommende Saison hat begonnen

Die Arbeit für die kommende Saison hat Bravo längst begonnen. So steht der rumänische Ex-Internationale Vasile Mogos (33) hoch im Kurs. Der Innenverteidiger ist ablösefrei und kennt die Serie B aus über 170 Einsätzen für Chievo, Cremonese und Ascoli bestens. Zuletzt spielte er für Cluj und Craiova in seiner Heimat und dabei auch im Europapokal. Weiters im Fokus ist der junge slowenische Tormann Rok Vadjunec (19) von Serie-D-Meister Treviso. Zudem könnte der eine oder andere junge Südtiroler, der sich zuletzt auswärts seine Sporen verdiente, eine Chance bekommen.
Rok Vadjunec (hier gegen Obermais auf der Lahn) hat zahlreiche Angebote – auch vom FCS – vorliegen. © P. Schwienbacher

Rok Vadjunec (hier gegen Obermais auf der Lahn) hat zahlreiche Angebote – auch vom FCS – vorliegen. © P. Schwienbacher

Was den Kader angeht, wird der Sportliche Leiter (ob Bravo oder sonst jemand) einen Umbruch einleiten müssen. Langjährige Leistungsträger wie Raphael Odogwu (35), Daniele Casiraghi (33), Salvatore Molina (34), Fabian Tait (33) oder Frederic Veseli (33) werden nicht jünger. Dennoch kann der eine oder andere von ihnen dem FCS-Kader noch weiterhelfen. Toptalent Raphael Kofler steht vor einem Wechsel. Andrea Masiello wird seine Fußballschuhe mit 40 Jahren an den Nagel hängen. Junge Spieler, die in den letzten Jahren beim FCS ihren Durchbruch geschafft haben, sind rar gesät. Juventus-Leihstürmer Pecorino dürfte aufgrund finanzieller Hürden schwer zu halten sein.

Was bleibt, ist ein großer Haufen an Arbeit. Bravo mag mit den „Aufräumarbeiten“ nach der Saison begonnen haben, ob er sie weiterführen wird, werden die nächsten Tage zeigen. Der FCS wird künftig mehr Mut zum Risiko brauchen, um den Club weiterzubringen und den nächsten Schritt zu machen. Die Clubführung wird entscheiden, wer die richtigen Leute für das neue Kapitel sein werden.

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