
Blick in den FCO-Bus: Oliver Rohrer (r.) nimmt uns mit auf eine Auswärtsfahrt. © P. Schwienbacher (alle Fotos)
Autogrill, Pasta & Watten: Auf Reisen mit dem FCO
Der FC Obermais trifft am Sonntag auswärts auf Campodarsego. Von Meran aus sind es rund 270 Kilometer bis in das 15.000-Einwohnerstädtchen in Venetien. Wie sieht die so eine Auswärtsfahrt bei Südtirols einzigem Serie-D-Verein aus? Oliver Rohrer hat SportNews mit auf die Reise genommen.
05. Februar 2026
Von: cst
Wer denkt, dass beim FC Obermais nach dem Aufstieg in die Serie D der Luxus ausgebrochen ist, der irrt. Die Südtiroler sind in Italiens 4. Liga einer der wenigen echten Amateurvereine. Das Gewand waschen die Spieler noch selbst (ja, auch die Profis im FCO-Kader bekommen keinen Extra-Service) und die Reisen zu den Auswärtsspielen werden an einem Tag erledigt. Wie genau so ein „Auswärtssonntag“ beim FC Obermais aussieht, hat uns der 27-jährige Dorf Tiroler Oliver Rohrer erzählt.
Der Samstagabend
„Meine Matchroutine beginnt schon am Samstag. Am frühen Abend esse ich viele Kohlenhydrate. Ich packe meine Tasche für den Sonntag zusammen, damit es am Morgen weniger stressig ist. Danach ist es bei mir daheim ruhig, ich gehe früh schlafen. Ich schaue, dass ich immer neun Stunden Schlaf bekomme.“Der Sonntagmorgen
„Ich stehe um 6 Uhr auf. Es gibt Frühstück, noch einmal Kohlenhydrate. Dazu esse ich Haferflocken, Nüsse und ein paar Supplements. Danach mache ich meine Mobility-Übungen, die brauche ich immer. Zwischen 7 und 7.30 Uhr treffen wir uns auf der Lahn, von wo aus wir mit den Vereins-Pullmini nach Bozen fahren. Dort wartet ein Bus von Latemar Reisen auf uns. Im Bus hat jeder seinen Zweierplatz. Es ist ruhig, viele schlafen noch ein bisschen.Martin Ciaghi und Marco Paulmichl (r.) beim Kartenspielen.
An einem der Vierertische wird Karten gespielt. Marco Paulmichl, Samuel Villgrattner, Martin Ciaghi und Michael Unterthurner gehören zur fixen Wattergruppe. Ich spiele nur bei der Heimfahrt und das auch nur, wenn wir gepunktet haben. Ich habe meine Bücher mit. Thema: Mentales Training. Oder ich höre Podcats und versuche zu entspannen. Irgendwann bleiben wir bei einem Autogrill stehen. Wir gehen Kaffeetrinken und spielen „gratta e vinci“. Unser Betreuer Marek Malatinec gewinnt immer ein paar Euro, alle anderen verlieren konstant ihr Geld.“Das Mittagessen
„Um 11 Uhr kommen wir im Restaurant, wo es Mittagessen gibt, an. Die Stimmung ist gelassen, es wird allerhand Blödsinn geredet. Über das Spiel wird kaum gesprochen. Es gibt zwei Tische. Am einen sitzen die Spieler, am anderen der Betreuerstab.Die Obermais-Mannschaft im Restaurant. Um 11 Uhr gibt es Mittagessen.
Zum Essen gibt es immer das klassische Fußballermenü. Gemüse, Nudel, Bresaola oder etwas Rohschinken und danach eine Crostata. Ein kurzer Kaffee, dann geht es weiter in Richtung Stadion.“Die Momente vor dem Spiel
„Auf dem Weg zum Stadion fahre ich die Spannung hinauf. Jeder Spieler hat da seine eigenen Routinen. Ich versuche Spielszenen vorwegzunehmen und mache Visualisierungen. Andere hören Musik oder spielen am Handy. Eineinhalb Stunden vor Spielbeginn sind wir beim Stadion. Wir tragen das Zeug in die Kabine und schauen uns den Platz an.Beim FCO tragen die Spieler ihr Zeug noch selbst.
Nach dem Umziehen hält der Trainer eine kurze Ansprache. Ein paar Spielen machen eine Aktivierung, dann geht es zum Aufwärmen. Das leitet zuerst unser Athletiktrainer, dann Co-Trainer Mussi. Kurz vor dem Anpfiff gehen wir noch einmal in die Kabine, wo die letzten Handgriffe gemacht werden. Die letzte Motivationsrede hält immer ein Spieler. Es ist immer jemand anderes, je nachdem wer sich gerade dafür bereit fühlt.“Die Heimreise
„Wenn nach dem Spiel alle geduscht um umgezogen sind, treffen wir uns bei der Stadionbar. Wir bestellen etwas zum Trinken. Das gehört zur Vereinskultur dazu, auch dem Trainer ist das wichtig. Circa 30 Minuten nach Spielende fahren wir heim. Eine ausgelassene Heimfahrt gab es noch nicht, weil wir noch kein Auswärtsspiel gewonnen haben. Nach Punktgewinnen ist es etwas lebhafter, nach Niederlagen sehr ruhig. Dann macht jeder sein Ding. Um 21 Uhr sind wir zurück auf der Lahn. Dort trennen sich die Wege.“Profil bearbeiten
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