
Nikolas Spalek (r.) peilt mit Obermais den Klassenerhalt an.
Interview | Spalek: „Ich wusste sehr wenig von Südtirol“
Nikolas Spalek ist einer von wenigen echten Profis beim FC Obermais. Der Slowake kam im Winter als Ersatz für den Jamaikaner Michael Seaton nach Meran. Was Spalek über den jüngsten Aufschwung, die Saisonziele und seinen persönlichen Werdegang zu erzählen hat, lesen Sie im exklusiven SportNews-Interview.
12. März 2026
Von: cst
Nikolas Spalek ist kein komplizierter Typ. Wenige Sekunden nach dem ursprünglich geplanten Interview-Termin poppt eine Nachricht auf dem Smartphone auf. „Eine Minute noch“, entschuldigt sich der 29-Jährige für die Verspätung. Kurz darauf ist es dann so weit, das Gespräch beginnt ohne die Allüren, die manch ein Fußballprofi an den Tag legt. Dazu muss man wissen – auch wenn er aktuell beim FC Obermais „nur“ in der 4. Liga Italiens spielt – dass der Slowake noch vor wenigen Jahren eine große Nummer in seiner Heimat war.
Im November 2019, also vor rund sechs Jahren, war er Teil der Nationalmannschaft seines Heimatlandes. Mit Marek Hamsik, Milan Skriniar, Stanislav Lobotka oder David Hancko in einer Mannschaft zu sein – das hat schon was. Auch wenn es für den aktuellen FCO-Crack zu keinem Einsatz im A-Team reichte, waren es unvergessliche Momente.
SportNews: Nikolas Spalek, man merkt an ihrer Sprache, dass sie schon lange in Italien sind. Wie kam es dazu?
Spalek: „Ich war 19 Jahre alt, als ich slowakischer Meister geworden bin. Ein Jahr später hat mich dann Brescia gekauft. Die Mannschaft war damals in der Serie B, doch es gab das Ziel, in die Serie A aufzusteigen. Ich bin im Winter gekommen und ein Jahr darauf haben wir das Ziel erreicht. Wir sind als Meister in die Serie A aufgestiegen.“
Dort haben Sie in den größten Stadien Italiens gespielt. Neapel, Mailand, Florenz, Rom – welcher Ort ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?
„Das San Siro in Mailand. Italien hat viele schöne Stadien, aber keines ist wie das San Siro. Es hat eine ganz besondere Aura. Dort vor 70.000 Leuten spielen, das ist ein Moment, den ich nie vergessen werde. Generell war es ein Traum für mich, mit 21 Jahren in der Serie A zu spielen.“
Brescia ist abgestiegen und Sie sind dem Verein in der Serie B erst einmal treu geblieben. Danach sind Sie nach Serbien, Ungarn oder die Slowakei gewechselt…
„Jedes Land, jede Meisterschaft ist anders. Ich kannte die Slowakei. Serbien und Ungarn waren neue Erfahrungen. Vielleicht war es ein Fehler, dass ich Italien verlassen habe. Ich wollte unbedingt international spielen, in der Europa League oder Champions League auflaufen. In Italien ist das schwer möglich, da muss man bei den absoluten Topvereinen unter Vertrag stehen. Ich sah diese Chancen im Ausland größer. Im Endeffekt habe ich Erfahrungen gesammelt. Einige waren gut, andere schlecht.“
Nikolas Spalek mit Mamdou Ngom, der ebenfalls im Winter zum FCO gekommen ist.
Kommen wir zum FC Obermais. Wie geht es Ihnen beim Verein und in der Stadt Meran?„Sehr gut. Mir gefällt es hier, die Resultate sind auch gut. Ich hatte keine großen Erwartungen bevor ich zu Obermais gekommen bin und habe es auf mich zukommen lassen.“
Was wussten Sie über Südtirol? Wussten Sie, dass es hier auch deutsch gesprochen wird?
„Nein, gar nicht. Ich wusste sehr, sehr wenig. Ich war einmal im Urlaub, irgendwo in den Bergen. Das war alles, was ich von Südtirol kannte.“
Kommen Sie jetzt dazu das Land besser kennenzulernen?
„Ehrlich gesagt, konzentriere ich mich in erster Linie auf meine Arbeit, den Fußball. Aber ich wohne in Meran, natürlich gehe ich in die Stadt und schaue mir ein paar Dinge an. Zurzeit ist meine Mama zu Besuch und wir werden auch ein paar Ausflüge außerhalb machen.“
Stichwort außerhalb: Warum tut sich Obermais in der Fremde so viel schwerer als daheim auf der Lahn?
„Das ist eine gute Frage. Ich kann sie nicht genau beantworten, denn ich weiß es auch nicht. Zuhause zu spielen ist immer einfacher. Man muss nicht reisen, hat seine Leute um sich und kennt den Platz. Ich denke, dass uns auswärts das Selbstvertrauen fehlt. Durch die fehlenden Resultate hat sich etwas in den Köpfen festgesetzt. Es ist sicher etwas Druck da, weil die Ergebnisse fehlen.“
„Ich glaube fest an den Klassenerhalt.“ Nikolas Spalek
Daheim läuft es hingegen gut. Wie schätzen Sie das Ziel Klassenerhalt ein?
„Die Meisterschaft ist enorm schwierig. Die Serie D ist eine harte Liga, vor allem physisch. Wir sind jetzt wieder in der Nähe der anderen Teams in der Playout-Zone. Das ist sehr wichtig für uns. Wir haben viele junge Spieler, die noch nie in dieser Liga gespielt haben. Die schlechte Phase im Herbst war deshalb normal. Jetzt läuft es gut und ich glaube fest an den Klassenerhalt.“
Wie sieht ihre Karriereplanung aus? Haben Sie den Profibereich noch im Hinterkopf?
„Auf jeden Fall. Ich bin sehr froh, dass ich wieder im italienischen Fußball spiele. Mein Ziel ist es, hier in Obermais mein Bestmögliches abzurufen. Ich möchte starke Leistungen zeigen und die Chance, die ich hier bekommen habe, nutzen. Ich glaube, im Moment gelingt mit das gut.“
Haben Sie noch einen Traum, den Sie in ihrer Fußballerkarriere verwirklichen möchten?
„Die Rückkehr in den Profibereich ist ein Ziel. Noch einmal einen Schritt nach oben zu machen, das wäre ein Ziel. Vielleicht kann ich mich für die Serie C empfehlen. Ich bin aber niemand, der lange im Voraus denkt. Aktuell liegt der ganze Fokus auf den FC Obermais und darauf, mit dem Verein die gesteckten Ziele zu erreichen.“
Profil bearbeiten
Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.


Kommentare (0)