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Ausgebildet beim FC Südtirol: Jan Martin Vinatzer im FCS-Trikot. (Foto: Pattis) Leistungsträger bei Mendrisio: Jan Martin Vinatzer (links).

Jan Martin Vinatzer und sein Fußballerleben in der Schweiz

Seit fünf Jahren spielt der Grödner Jan Martin Vinatzer in der Schweiz hauptberuflich Fußball. Dass er „nur“ in der vierten Liga unter Vertrag steht, tut dem keinen Abbruch. Ewig will der 26-Jährige nicht bei den Eidgenossen bleiben.

Jan Martin Vinatzer ging denselben Weg, den viele ehemalige Jugendspieler des FC Südtirol gehen. Nach der Beretti-Meisterschaft geht es in die Serie D. Auch der Wolkensteiner machte dort Schule, bei Mantova. Anschließend war er bei Serie-C2-Club Savona unter Vertrag.

Ein Spielerberater aus Parma lotste Vinatzer schließlich in die Schweiz. Dort spielt der Rotschopf mittlerweile beim FC Mendrisio, einer Mannschaft vom südlichen Ende des Luganersees. Der Angreifer ist unumstrittener Stammspieler beim Viertligisten und kann im 4-3-3-System auf allen drei Offensiv-Positionen eingesetzt werden. SportNews hat mit Vinatzer gesprochen und gefragt, wie es sich als Fußballer in der Schweiz lebt.


Jan Martin, wie kommt man von Wolkenstein zum Fußballspielen nach Mendrisio?

Ich habe bei Savona in der damaligen Serie C2 gespielt und als mein Vertrag dort auslief, hatte ich zwei Optionen. Ich wählte die Schweiz und ging zu Biaschesi.


Was wäre die andere Möglichkeit gewesen?

Rumänien. Ich hatte ein Angebot von Cluj vorliegen, doch ich wollte lieber in die Schweiz. Hier kann ich mit dem Auto fahren und muss nicht das Flugzeug nehmen wenn ich nach Hause will. Es ist unkomplizierter.

Mittlerweile bist du im vierten Jahr bei Viertligist Mendrisio. Kannst du vom Fußball leben?

Ja, in der Schweiz ist das möglich. In der vierten Liga darf jeder Klub nur fünf Ausländer auf dem Platz haben. Ich bin einer davon und die Ausländer konzentrieren sich nur auf den Fußball. Die einheimischen Spieler arbeiten oder studieren nebenher.


Es ist also so ähnlich wie in der italienischen Serie D. Auch dort gibt es viele Halbprofis.

Richtig. Auch vom Niveau her würde ich die vierte Schweizer Liga mit der Serie D vergleichen. Ich habe bei Mantova in der Serie D gespielt. Ausgebildet wurde ich aber beim FC Südtirol.


Wie ist das Fußballerleben in der Schweiz?

Es läuft gut. Die Vereine sind zuverlässig und das Gehalt kommt pünktlich. Zudem will in der Schweiz jeder Klub in den Profifußball. Es ist nicht wie in Italien, wo viele Clubs nicht aufsteigen wollen. So etwas gibt es in der Schweiz nicht.


Wie sehen die Ziele von Mendrisio aus?

Wir wollen aufsteigen. Aktuell liegen wir auf Platz zwei, aber es ist sehr schwer. Unsere Gegner sind stark und zudem müssen wir immer weit zu den Auswärtsspielen fahren. Die meisten unserer Gegner sind um Zürich angesiedelt. Unsere Auswärtsfahrten dauern meistens um die drei Stunden.


32 Tore in 78 Spielen für Mendrisio ist keine schlechte Bilanz. Gab es nie Angebote von höherklassigen Vereinen?

Es gab Gespräche mit Chiasso und Lugano. Aber nichts Konkretes. Ich habe mittlerweile keinen Berater mehr und mache alles alleine. Das macht es doppelt schwer, denn diese Clubs holen auch immer viele Südamerikaner. Vielleicht fehlen mir ein bisschen die Kontakte.


Wie sieht es mit einer Rückkehr nach Südtirol aus?

Das kann ich mir durchaus vorstellen. Wenn wir heuer den Aufstieg nicht schaffen, dann werde ich meine Zelte in der Schweiz abbrechen. Es fehlt ein bisschen die Motivation. Ich höre mit dem Profifußball auf und gehe zurück nach Südtirol. Wenn wir aufsteigen, bleibe ich aber hier.


Klingt recht konkret. Hast du schon Zukunftspläne?

Wie gesagt, es kann gut sein, dass ich ab Sommer wieder in Südtirol bin. Dann werde ich aber nur noch zum Spaß Fußball spielen. Arbeiten werde ich im Betrieb unserer Familie. Wir haben ein Après-Ski-Lokal.


Interview: Christian Staffler

Autor: sportnews