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Das Champions-League-Finale der Frauen war sehenswert. © APA/afp / JONATHAN NACKSTRAND

Sigi`s Spitzen: Variantenreicher Fußball und viele Karten

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute geht es unter anderem um den Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga, den Frauenfußball und Robert Lewandowski.


Sigi Heinrich

Getestet, geimpft, geheilt. Und schon kann es los gehen. Die Karter treffen sich wieder. In Südtirol ist Watten angesagt. Ich habe es auch mal probiert bei einem meiner Besuche. Das heißt, ich durfte mitspielen, wurde aber fürsorglich wie ein kleiner Bub an die Hand genommen, damit ich das einigermaßen kapiere. Denn in Bayern, wo Watten ja als Glücksspiel eingestuft wird, weil nicht alle Karten ausgegeben werden, sucht man sich bei jedem Spiel einen neuen Partner. In Südtirol sitzt er gegenüber am Tisch. Ich gebe zu, dass dies für viel Gelächter gesorgt hatte, als ich beim ersten Mal zugegeben habe, dass ich das nicht realisiert habe. War aber spannend, nur nicht für meine Mitspieler. Es gab noch zwei, drei Versuche. Ich habe aufgegeben. Aber es ist ein schöner Brauch und Karten sorgen ja auch für klare Verhältnisse. Manchmal. Im Fußball wird momentan auch heftig der Karton gezückt. Nicht nur jener in leuchtend gelben Farben, der einer Verwarnung gleichkommt, sondern auch die roten Karten sind sehr gefragt.

Im Abstiegskampf der Bundesliga, wie hier zwischen Augsburg und Bremen, ging es wieder einmal zur Sache. © APA/afp / CHRISTOF STACHE

Es ist Abstiegskampf in den Ligen Europas und der Rumpelkick feiert fröhlich Urständ. Taktik war gestern. Jetzt geht es wie in manch unteren Ligen so gerne erst mal auf das Geläuf. Kämpferisch eben sagen die einen, gesundheitsgefährdend meinen andere. Blut fließt. Die teilnehmenden Akteure verstehen meist die Welt nicht mehr. Auf der Tribüne toben die Präsidenten, wenn gegen ihre Mannschaft gepfiffen wird, obwohl ein Foulspiel an Offensichtlichkeit nicht zu überbieten war. Am Spielfeldrand rasten Manager aus und zürnen mit hochrotem Kopf. Und die Trainer schließen sich dem Ärger an und sind meist kurz davor, dem vierten Unparteiischen an den Kragen zu gehen. Es war am vergangenen Wochenende festzustellen, dass alle, wirklich alle Schiedsrichter die Ruhe bewahrt haben, auch wenn es zu Entscheidungen aus dem berühmten Videokeller gab. Das Chaos fordert Opfer. Schnell werden jetzt noch Heilsbringer oder Vereinslegenden verpflichtet. In Hamburg hofften sie vergebens auf Horst Hrubesch (der HSV bleibt wieder in der zweiten Liga) und in Bremen soll vor dem letzten Spiel anstelle von Florian Kohfeldt der altgediente Werderaner Thomas Schaaf, der seit 40 Jahren in Diensten der Norddeutschen steht, für ein Wunder sorgen. Hektik innerhalb und außerhalb des Spielfeldes.
Charmante Abwechslung
Da tut es gut, sich ablenken zu lassen. Zufällig kam ich beim Zappen auf ein Fußballspiel, das mich nach wenigen Minuten begeisterte. Ruhe, tolle Pässe, Elfmeter ohne Diskussionen trotz Videobeweis, dazu schön herausgespielte Tore. Einfach Klasse. Und dann, bei genauem Hinsehen, entdecke ich viele wehende Pferdeschwänze. Ich bin bei einem Damenspiel gelandet. Aber bei was für einem. Das Endspiel in der Champions-League zwischen dem FC Chelsea und dem FC Barcelona war wohl eines der besten Spiele im Frauenbereich in den letzten Jahren, was nichts mit dem Ergebnis von 4:0 für die Spanierinnen zu tun hat. Es war schlicht und einfach sehenswert, unterhaltsam und es lief sittsam und hochanständig ab. Angenehmer als der tobende Abstiegskampf. Einfach toller Sport. Das wilde Grätschen bei den Männern, deren Unverständnis für richtige Entscheidungen der Unparteiischen: Vergessen. Es war Erholung für die Fußballseele.
Appell an Lewandowski
Und dann liegt mir noch etwas am Herzen. Lieber Robert Lewandowski. Sei doch so nett und verzichte auf einen Einsatz am letzten Spieltag gegen den FC Augsburg. Oder, wenn das nicht möglich ist, schieß den Ball immer am Tor vorbei. Links oder rechts oder drüber. Das ist mir egal. Ich will einfach, dass du mit 40 Toren aufhörst und damit immer noch gleichgestellt bist mit Gerd Müller.

Robert Lewandowski hat am Samstag mit Gerd Müller gleichgezogen. © APA/afp / THOMAS KIENZLE

Ich will irgendwie nicht, dass der Rekordtorschütze der Bundesliga nicht mehr Gerd Müller heißt, auch wenn er aus seinem Krankenbett, das sinnigerweise in der Nähe von München am Paradiesweg steht, Dir den Erfolg gönnt, wie er über seine Frau Uschi, die ihn täglich besucht, mitteilen ließ. Schön war die Geste nach dem vierzigsten Tor von dir, als du ein T-Shirt zeigtest auf dem stand: Gerd für immer. Jetzt musst du dann auch Taten folgen lassen oder richtigerweise in diesem Fall: Keine Taten mehr.

Schlagwörter: Fussball

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