
Roberto Mancini wird neuer Nationaltrainer Italiens. © ANSA / CLAUDIO GIOVANNINI / Z22
Vom Verräter zum Retter? Mancini kehrt zurück
Die Suche nach einem neuen Fußball-Nationaltrainer für Italien ist nach langem Hin und Her am Ende angelangt.
28. Juli 2026
Von: dpa/dl
Nach drei Jahren in Saudi-Arabien und Katar kehrt Roberto Mancini zurück, der die Squadra Azzurra 2021 zur Europameisterschaft geführt hatte. Der 61-Jährige soll die Nationalmannschaft, die dreimal nacheinander bei einer WM nicht dabei war, wieder in Form bringen. Dies teilte der Präsident des Fußballverbands, Giovanni Malagò, in Rom mit. Neuer Technischer Direktor des Verbands und damit auch der A-Auswahl soll demnach der frühere Trainer von AS Rom, Claudio Ranieri, werden.
Der Posten des Commissario Tecnico (wie der Nationaltrainer in Italien offiziell heißt) war bereits seit Anfang April vakant. Damals musste der bisherige Coach Gennaro Gattuso zurücktreten, weil der viermalige Weltmeister zum dritten Mal nacheinander in der WM-Qualifikation gescheitert war. Die intensive Suche nach einem Nachfolger begann dann vor einigen Wochen. In den vergangenen Tagen entwickelte sich die Angelegenheit jedoch zum Chaos.
Viel Chaos in den letzten Tagen
Zunächst sagte vergangene Woche der Überraschungs-Wunschkandidat ab, Pep Guardiola. Als Zweitlösung war dann Andrea Pirlo im Gespräch, der Italien 2006 in Deutschland als Spielmacher zum WM-Titel geführt hatte. Ihm wurden jedoch zu enge Kontakte nach Russland zum Verhängnis: Pirlo trainiert derzeit in Dubai den United FC, der einem russischen Milliardär gehört. Zudem macht er Werbung für einen russischen Wettanbieter und war mitten im Ukraine-Krieg zu Autogrammstunden in Moskau.Roberto Mancini (links) wurde 2021 mit Italien Europameister, verpasste anschließend aber die Quali für die WM 2022. © APA/afp / -
Nach Berichten verschiedener Zeitungen legte Verbandspräsident Malagò deshalb gegen Pirlo sein Veto ein. Auch aus der italienischen Politik hatte es massive Kritik an einer solchen Verpflichtung gegeben. Daraufhin erklärten wiederum der erst vor zwei Wochen verpflichtete Technische Direktor Paolo Maldini und dessen Berater Leonardo – beides ehemalige Weltklassespieler – den Rücktritt von ihren Verbandsämtern. Die beiden hätten Pirlo trotz allem wohl gern verpflichtet. Im Gespräch war ein Vierjahresvertrag bis zur WM 2030 mit einem Jahresgehalt von 1,5 Millionen Euro, zuzüglich Erfolgsprämien.
Mancini hatte Italien hintergangen
Jetzt soll offensichtlich Mancini die Squadra Azzurra zurück zu alter Größe führen – auch ein persönlicher Freund des Verbandspräsidenten. Der 61-Jährige war bereits Nationaltrainer von 2018 bis 2023. Sein Ruf in der Heimat leidet allerdings bis heute darunter, dass er sich vor drei Jahren trotz eines bestehenden Vertrages urplötzlich als Nationaltrainer nach Saudi-Arabien verabschiedete – angeblich mit einem Vierjahresvertrag für 25 Millionen Euro pro Saison. Er blieb jedoch nur etwas mehr als ein Jahr. Dann wechselte er – sicher ebenfalls gegen gutes Geld – nach Katar zum Verein Al-Sadd.Roberto Mancini ging vor drei Jahren nach Saudi-Arabien. © ANSA / GEORGIOS KEFALAS
Als Spieler stand Mancini in den 1980er und 1990er Jahren bei Sampdoria im Sturm auf dem Platz. Viermal gewann er den italienischen Pokal, einmal die Meisterschaft. Später spielte er bei Lazio und in England bei Leicester City. Als Vereinscoach holte er mit Inter und Manchester City nationale Meisterschaften. Die nächsten Spiele für Italien sind Ende September in der Nations League gegen Belgien sowie die Türkei und dann gegen Frankreich.
Ranieri statt Chiellini
Als Technischen Direktor soll Mancini den Berichten zufolge im Verband den 74 Jahre alten Ranieri zur Seite bekommen, der nach mehr als einem Dutzend Stationen im In- und Ausland zuletzt bis vergangenes Jahr die AS Roma trainierte. Bei der Roma kam er als spätiger Manager dann mit Trainer Gian Piero Gasperini nicht zurecht.Claudio Ranieri soll jetzt neuer Sportdirektor werden. © ANSA / ANGELO CARCONI
Zwischenzeitlich war für den Posten auch ein Europameister von 2021 im Gespräch, Giorgio Chiellini. Der 41-Jährige erklärte jedoch, er sei mit seiner Arbeit als Manager bei Juventus glücklich. „Ich sehe meine Gegenwart und Zukunft bei Juve“, hatte Chiellini erklärt.
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