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Wolfgang Resch

Von St. Pauls zur FIFA und zurück: Wolfi Reschs kuriose Geschichte

Seit Mai steht dem Landesligisten St. Pauls ein neuer Präsident vor. Es ist mit Wolfgang Resch kein Unbekannter. Der 33-Jährige verbrachte nämlich einen Großteil seines Lebens als Mitarbeiter des großen Fußball-Weltverbandes FIFA. Wie er dazu kam, warum ihm eine Begegnung mit Sepp Blatter besonders in Erinnerung geblieben ist und wieso er diesen Job nun aufgegeben hat, das verrät er im SportNews-Interview.


Wolfgang Resch, was haben die Olympischen Spiele 2006 in Turin mit Ihrem nunmehr ehemaligen Job bei der FIFA zu tun?

Nun, eigentlich sehr viel. Als freier Redakteur der „Dolomiten“ schrieb ich im Schulalter viel über Fußball und Eishockey. Als 2006 in Turin die Winter-Olympiade anstand, waren Italiener mit guten Eishockey-Kenntnissen Mangelware. So kam eines zum anderen: Ich arbeitete in Turin als Pressebeamter, baute mir ein Netzwerk auf, schloss viele Bekanntschaften, dank denen ich zu diversen anderen großen Sportereignissen wie den Asienspielen in Doha oder der EM in Österreich und der Schweiz kam. Ende 2008 wurde dann in der Presse-Abteilung der FIFA eine Stelle frei – da legte der Pressechef des Weltverbandes, den ich bei der EM kennen gelernt habe, ein gutes Wort für mich ein. Und seitdem war ich drin.


Von 2008 bis heuer haben Sie für die FIFA gearbeitet. Wie kann man sich diesen Job vorstellen?

Mein Job bestand aus zwei Teilen: Die Büroarbeit in Zürich und die Reisen vor Ort. Ich war in diesen Jahren zirka 100 Tage im Ausland, meine Hauptaufgabe war dabei die Organisation von kleineren Weltmeisterschaften, also der U-17, U-20 und der Klub-WM.


Was haben Sie dort genau gemacht?

Ich war für die Medienarbeit zuständig, musste also einerseits schauen, dass Pressemitteilungen hinausgeschickt oder Medienanfragen beantwortet werden, um die FIFA und das jeweilige Turnier gut zu positionieren, damit beispielsweise Stadien voll werden. Andererseits war ich auch dafür zuständig, sicherzustellen, dass die Medien-Bereiche den FIFA-Standards entsprechen.


Gibt es ein Ereignis, das Ihnen aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben ist?

Mit Sicherheit die U-20-WM in Kolumbien 2011. Ein Land, das sich im Aufschwung befindet – und das nicht zuletzt auch eine riesige Begeisterung an den Tag legte. Ab dem Achtelfinale waren im Schnitt 25.000 Zuschauer im Stadion – das ist Rekord. Ein tolles Erlebnis.


Apropos tolles Erlebnis: Vor dem WM-Endspiel 2014 sollen Sie mit Final-Schiri Nicola Rizzoli beim Frühstück geplaudert haben…

(lacht) Das stimmt. Bei der WM 2014 war ich der Pressebetreuer der Schiris und stand deshalb mit ihnen im Kontakt. Bei meiner ersten großen Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika war ich dagegen als Medien-Officer direkt auf dem Feld und musste auf der Bank des vierten Schiris die offiziellen Spielstatistiken führen. Da kam es schon einmal vor, dass ich mit Stars wie Schweinsteiger oder Maradonna einige Worte austauschte.


Mit Sepp Blatter stand Ihnen eine umstrittene wie weltbekannte Persönlichkeit als Chef vor. Gab es auch dort eine spezielle Begegnung?

Ja. 2010 hatte ich auf der Weltcuppiste in Lenzerheide einen schweren Skiunfall, wobei ich mir ein schweres Schädelhirntrauma und eine Hüftluxation zugezogen habe. Einige Monate danach war ich wieder auf den Beinen. Blatter holte mich zu sich ins Büro, wir plauderten ein wenig und am Ende umarmte er mich. Das war schon sehr speziell.


Warum haben Sie nun Ihren Job aufgegeben?

Ich habe meine Arbeit sehr gerne gemacht, trotzdem war Zürich immer nur mein Arbeitsort. Meine Heimat ist und bleibt Südtirol. Meine Frau ist von Sterzing, meine Kollegen sind alle von hier, deshalb war es für mich klar, dass ich irgendwann zurückkommen werde. Im vergangenen Jahr habe ich dann den Bauernhof meiner Eltern übernommen und somit meinen Job bei der FIFA aufgegeben.


Letzte Frage: Kann die FIFA ihr Image in den nächsten Jahren bereinigen?

Es wird ein jahrelanger Prozess. Das Problem der FIFA ist, dass es im Fußball so viel Geld gibt. Und wenn viel Geld im Umlauf ist, wird es oft schief und falsch verwendet. Mittlerweile gibt es aber etliche Kontrollorgane, die eine Selbstreinigung machen. Ob diese glaubwürdig sind? Ich denke schon. Die internen Organe haben bereits Platter und Platini, zwei der höchsten Personen, gesperrt. Trotzdem wird dieser ReinigungsprozessJahre dauern.


Thomas Debelyak, Sportnews

Autor: sportnews

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