
Jannik Sinner ist eine Runde weiter. © APA/afp / MARTIN KEEP
Sinner trotzt der Hitze, Krämpfen und einem furiosen Gegner
Bei den letzten zwei Ausgaben der Australian Open stemmte Jannik Sinner den Norman Brookes Challenge Cup in die Höhe. Am Samstag wäre der Traum der erneuten Titelverteidigung beinahe geplatzt. Nur dank einer großen Willensleistung und etwas Glück zum richtigen Zeitpunkt schaffte er es, ein frühes Aus abzuwenden.
24. Januar 2026
Von: leo
Schon vor dem Drittrundenmatch gegen Eliot Spizzirri (ATP 85) warnte der 24-Jährige vor den Wetterbedingungen. Es werde eine große Herausforderung, meinte Sinner. Und genau so sollte es kommen. Nach zwei hart umkämpften Sätzen schien es, als bliebe dem krampfenden Südtiroler nichts anderes übrig, als das Handtuch zu werfen. Dann aber kam es zu einer rund zehnminütigen Unterbrechung, weil die Temperaturen in Melbourne eine festgesetzte Grenze überschritten. Sinner nutzte die Schließung des Dachs zu seinen Gunsten, drehte das verloren geglaubte Match und siegte nach 3.42 Stunden mit 4:6, 6:3, 6:4 und 6:4.
Doch der Reihe nach: Sinner hatte im bisherigen Turnierverlauf mit grandiosen Aufschlagsstatistiken überzeugt. Wer hoffte, dass es gegen Spizzirri nach diesem Muster weitergeht, wurde enttäuscht: Der US-Amerikaner las den Sinner-Service exzellent, entschärfte diesen und attackierte ihn. Allein im ersten Satz breakte er den Favoriten dreimal. Was außerdem überraschte: Spizzirri war Sinner in den Ballwechseln nicht nur ebenbürtig, sondern sogar überlegen. Nicht zuletzt, weil die Fehlerquote des Titelverteidigers (zu) groß war. Und so entschied der Mann aus Connecticut zum Erstaunen der Fans auf der Rod Laver Arena den ersten Satz für sich, womit er eine unheimliche Serie des Südtirolers, der seit Oktober 27 Sätze (!) in Serie gewonnen hatte, beendete. Dabei lag Spizzirri sowohl mit 0:2 als auch mit 2:4 im Hintertreffen.
Sinner kurz vor der Aufgabe
Wartete Spizzirri in der Anfangsphase hauptsächlich auf die Fehler des Sextners, so fasste er von Minute zu Minute mehr Mut. Dank punktgenauer Returns, waghalsiger Netzangriffe und weiterhin starker Returns legte er auch zum Start des zweiten Satzes mit einem Break vor. Spätestens jetzt lag die Sensation in der Luft. Doch einer hatte etwas dagegen: Jannik Sinner. Er antwortete mit dem Re-Break, schraubte dann seine Fehleranzahl nach unten und legte eine deutlich positivere Körpersprache an den Tag. Aus dem 0:1 machte er so das 4:1. Spizzirri blieb hartnäckig, erspielte sich beim Stand von 3:5 aus seiner Sicht zwei Breakbälle, musste schließlich aber den Satzverlust hinnehmen.Die Temperaturen von knapp 40 Grad Celsius forderten zu Beginn des dritten Durchganges dann ihren Tribut. Sinner litt plötzlich unter Ganzkörperkrämpfen. Ausgerechnet als er das Break zum 1:3 kassierte und kurz vor der Aufgabe stand, trat die Heat Rule in Kraft. Der Grund: Die sogenannte Stressskala hatte den kritischen Wert von 5,0 überschritten. Das spielte Sinner zweifellos in die Karten, der eine rund zehnminütige Auszeit erhielt, bis das Dach auf der Rod Laver Arena geschlossen wurde. Als es weiterging, war der Südtiroler in seinen Bewegungen zwar noch immer stark eingeschränkt, Krämpfe hatte er aber keine mehr. Mit vollem Risiko holte er sich das erste Break zurück, ehe er nach einem Doppelfehler des US-Amerikaners sogar ein zweites nachlegte. Kurz darauf war der Satz vorbei – 6:4.
Sinner kämpft sich durch
Alle Hürden hatte Sinner zu diesem Zeitpunkt längst nicht übersprungen, denn sein Kontrahent fand im vierten Abschnitt wieder zu seinem Spiel. Noch mehr: Er ging dank teils unglaublicher Schläge erneut mit 3:1 in Führung. Aber wie reagiert ein Champion à la Jannik Sinner? Mit Tennis auf allerhöchstem Niveau, mit zwei Breaks, mit fünf Spielgewinnen in Serie. Auch das Ausservieren beim Stand von 5:4 meisterte er mit Bestnoten.Jannik Sinner machte die Hitze zu schaffen. © APA/afp / DAVID GRAY
Nun hat der Sextner 48 Stunden Zeit, um zu regenerieren und mit vollen Kräften zum Achtelfinale gegen Landsmann Luciano Darderi (ATP 25) antreten zu können. Der Italo-Argentinier hatte zuvor den Russen Karen Khachanov (ATP 18) mit 7:6, 3:6, 6:3 und 6:4 besiegt. Darderi steht erstmals in einem Grand-Slam-Achtelfinale. Auf Sinner ist er bisher noch nie getroffen.
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