F Fußball-WM 2018

Nach dem Schweizer Sieg gehörten viele Schlagzeilen der Jubelpose der beiden Torschützen Xhaka und Shaqiri (re. im Bild) © APA/afp / PATRICK HERTZOG

Shaqiri & Xhaka sorgen mit Doppeladler-Jubel für Wirbel

Beim 2:1-Erfolg gegen Serbien sollte eigentlich der sportliche Erfolg der Schweiz im Vordergrund stehen. Doch weil die beiden Torschützen Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri mit ihrem Jubel ein politisches Statement abgaben, entflammte im Schweizer Team erneut eine Diskussion um Identität und Herkunft.

Eigentlich war die sportliche Leistung der beiden Schweizer Söhne kosovarischer Einwanderer die große Story des freitäglichen Fußball-Abends gewesen. Denn mit ihren Toren beim 2:1 gegen Serbien schossen Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri ihr Land bei der WM in Russland klar in Richtung Achtelfinale. Doch mit ihrem provozierenden Torjubel taten sich die vermeintlichen Helden keinen Gefallen.

Die Schweiz lag bereits früh, nach fünf Minuten, mit 0:1 in Rückstand. Dann kam Xhaka angerauscht und sorgte mit seinem präzisen Weitschuss-Hammer in der 52. Minute für den Ausgleich. Es folgte der erste zweier Torjubel, die nun Auslöser vieler Diskussionen sind. Xhaka formte mit den Händen einen doppelköpfigen Adler, der auf der Flagge Albaniens zu sehen ist – eine nationalistische Geste, die vor allem von den Serben als Provokation angesehen wird.

„Keine Message an den Gegner“

Xhaka verteidigte seine Handbewegung nach dem Spiel mit ebenso großer Emotionalität. „Für mich war es ein ganz spezielles Spiel“, sagte der 25-jährige Arsenal-Profi. „Tausende Leute, Familie aus der Schweiz, aus Albanien, aus dem Kosovo haben zugesehen. Dieser Sieg war für meine Familie, die mich immer unterstützt. Der Jubel war keine Message an den Gegner. Das waren Emotionen pur.“

Zu allem Überfluss tat es ihm Kollege Shaqiri bei seinem Tor in der Schlussminute gleich. Auch er packte den Doppeladler-Jubel aus – ausgerechnet in einer Partie, die derart politisch aufgeladen war, dass sie als Hochrisikospiel galt.

Shaqiri bricht sein Versprechen

Mit Xhaka, Shaqiri, Valon Behrami und Blerim Dzemaili standen am Freitag gleich vier Spieler mit albanischen Wurzeln in der Schweizer Startformation. Sie sind allesamt langjährige Mannschaftsstützen, im multikulturellen Schweizer Kader war das Jubel-Thema bereits 2014 besprochen worden. Damals hatten die Spieler versichert, zukünftig in der „Nati“ auf den Doppeladler verzichten zu wollen. „Im Klub kann jeder jubeln, wie er will. Aber hier sind wir in der Nationalmannschaft. Hier kommt's niemals vor, dass einer so jubelt“, wurde Shaqiri vom Schweizer Boulevard-Blatt „Blick“ damals zitiert.

„Ich will nicht darüber reden. Im Fußball sind immer Emotionen“, sagte Shaqiri am Freitag über die Geste. Dabei hatte er zuvor seine Hände sprechen lassen und einen „kulturellen Code gesendet, den die serbischen Zuschauer im Stadion und am TV als Provokation empfinden mussten“, wie etwa die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) kommentierte. Besondere politische Sensibilität bewies Shaqiri auch später nicht. „Ihr habt ja gesehen, was ich gemacht habe. Da ist nicht mehr dabei“, sagte der 26-Jährige.

Trainer Petkovic nimmt Spieler in die Pflicht

Nach zwei Spielen in Russland stehen die Schweizer mit vier Punkten in Gruppe E exzellent da. Anstatt sich restlos über einen zwar späten, aber verdienten Erfolg seiner Mannschaft zu freuen, musste Teamchef Vladimir Petkovic die überflüssige Aktion seiner Spieler kommentieren. „Man soll den Sport und die Politik nicht vermischen. Der ganze Verband, das ganze Land vertritt schon seit Jahren die Meinung, dass wir das nicht brauchen.“

Das Schweizer Nationalteam ist in der Heimat ob ihrer Multikulturalität seit Jahren politisch umstritten. Mit ihrem Jubel lieferten die Spieler, ob beabsichtigt oder nicht, die nächste Steilvorlage zur politischen Vereinnahmung. „Wie auch immer das Urteil ausfällt, eines müsste Xhaka und Shaqiri eigentlich bewusst gewesen sein: Dass sie damit die Diskussionen um Identität, um Herkunft und Heimat wieder neu entflammen“, schrieb die „Aargauer Zeitung“ vom Samstag.

Autor: apa

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