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Hinter Linda Zingerle liegt eine aufregende Woche.

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Hinter Linda Zingerle liegt eine aufregende Woche.

Ein Trip ins Glück: Zingerle macht's „endlich wieder Spaß“

Linda Zingerle hat eine ungewöhnliche Woche hinter sich. Die Biathletin aus Antholz holte daraus das Maximum raus und fühlt sich nach komplizierten Jahren endlich wieder in der Loipe wohl.

Aus Ruhpolding

Christoph Niederkofler

Von:
Christoph Niederkofler

Zwischen Osrblie und Ruhpolding liegen etwa 675 Kilometer, mit dem Auto benötigt man für diese Strecke knapp sieben Stunden. Für einen spontanen Wochenendtrip eignet sich diese ungewöhnliche Kombination an Ortschaften eher weniger – hinter Linda Zingerle liegt aber ausgerechnet ein solcher Ausflug. „Es war ein bisschen stressig, aber auch richtig cool“, blickte die Biathletin aus Antholz Mittertal im Interview mit SportNews mit einem herzhaften Lachen auf die jüngsten Tage zurück.


Eigentlich war die 23-Jährige für den IBU Cup in Osrblie nominiert gewesen, am Mittwochmorgen wurde sie jedoch nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Rebecca Passler zum Weltcup in Ruhpolding beordert. Bevor sie die Reise vom Zentrum der Slowakei in die oberbayerischen Ausläufer der Alpen antrat, war sie aber noch an der Seite von Daniele Cappellari in der Single-Mixed-Staffel gefordert. Angetrieben von der Nominierung reichte es dort für Platz drei und damit ihren ersten Podestplatz im laufenden Winter.

Zingerle verpasst die Punkte nur knapp

In Staffeln wusste sich Zingerle schon häufig von ihrer besten Seite zu präsentieren: Bei der Heim-EM 2025 in Martell feierte sie – wie in der Verfolgung – Bronze mit der Mannschaft, bei den Olympischen Jugend-Winterspielen 2020 in Lausanne gab es Gold (Mixed) und Silber (Single-Mixed). Bei Juniorenweltmeisterschaften hat sie sogar den kompletten Medaillensatz bei sich zu Hause. „Das Single-Mixed gefällt mir ganz gut, es ist ein schnelles und chaotisches Rennen. Vor allem am Abzug darf man nicht zu langsam sein. Mit unserem dritten Platz bin ich sehr zufrieden“, meinte sie, ehe sie zu ihrem eigentlichen Höhepunkt kam: „Gleich danach bin ich nach Ruhpolding gestartet. Und ich habe mich hier eigentlich recht gut geschlagen.“

Ein bescheidenes Statement – immerhin bestätigte Zingerle in der Chiemgau Arena ihre aufsteigende Form. Nach der Premiere in Oberhof eine Woche zuvor schaffte die Juniorenweltmeisterin von 2020 am Freitag zum zweiten Mal in ihrer Karriere die Qualifikation für die Verfolgung. Zwei Tage später blieb ihr jedoch der zweite Weltcup-Punkt ihrer Laufbahn um 0,8 Sekunden verwehrt.

Zingerle: „Sehr überraschend und unerwartet“

Bitter: Beim finalen Stehendanschlag unterliefen ihr zwei Fehler, nur ein Ausrutscher weniger hätte etwas Zählbares bedeutet. Doch bei Zingerle überwiegt die Freude, die Erinnerungen an die Punktepremiere in Oberhof sind noch äußerst frisch. „Es war sehr überraschend und unerwartet“, meinte sie. Mit Blick auf ihre Entwicklung in diesem Winter war der Durchbruch im Thüringer Wald die logische Konsequenz. „Heuer fühle ich mich auf den Skiern endlich besser und bin konstant in der Loipe. Beim Schießen geht es langsam aufwärts, allmählich kommen auch die Nuller. Darauf habe ich den ganzen Sommer hingearbeitet.“
„Die beiden letzten Jahre waren ziemlich hart. Dass sich die Konstanz jetzt einstellt, macht mich sehr froh. Es macht wieder mehr Spaß.“ Linda Zingerle

Selbstverständlich ist ihre Form aber nicht, hinter Zingerle liegen komplizierte Jahre. Die Tochter des ehemaligen Ausnahmeathleten und langjährigen Nationaltrainers Andreas Zingerle hatte nach ihrem Weltcup-Debüt im Dezember 2021 mit mehreren Formtiefs, wiederkehrenden Verletzungen und einem Pfeifferschen Drüsenfieber zu kämpfen und wurde dadurch völlig aus der Bahn geworfen. Dass sie sich nun wieder mit den Besten der Welt messen darf, erfüllt sie mit Stolz. „Es ist sehr erleichternd. Endlich kann ich auf den Skiern zeigen, dass ich mich besser fühle. Die beiden letzten Jahre waren ziemlich hart. Dass sich die Konstanz jetzt einstellt, macht mich sehr froh. Es macht endlich wieder mehr Spaß.“

Zingerle beweist Geduld

Konstanz ist ein gutes Stichwort. Trotz der Tatsache, dass Zingerle früher zu den vielversprechendsten Talenten im Biathlon zählte, wollte sie nach ihren Rückschlägen nichts überstürzen. Vielmehr setzte sich die Südtirolerin zum Ziel, auf ihren Körper zu hören und die Herausforderung Schritt für Schritt anzugehen.

Wie sich diese Reise am besten zusammenfassen lässt? „Ganz viel Geduld – das hat es auf diesem Weg gebraucht“, gibt sie nach einer kurzen Denkpause an. „Ich habe immer probiert weiterzukämpfen, wollte oft aufgeben. Glücklicherweise gab es aber viele Menschen, die mir gut zugeredet haben und meinten, ich soll es weiterhin probieren. Sich langsam zurückzukämpfen… da war Geduld besonders wichtig“, so Zingerle.

„Ein bisschen war Olympia immer im Kopf“

Selbst von den Olympischen Spielen in Antholz (6. bis 22. Februar) ließ sie sich nicht unter Druck setzen. „Die Winterspiele waren sicher ein Thema, immerhin sind sie bei mir daheim“, merkte sie an. „Aber es liegen auch zwei harte Jahre hinter mir und die anderen Mädels haben viel Erfahrung auf diesem Niveau gesammelt. Ein bisschen war Olympia immer im Kopf. Es war ein Ziel, aber ich bin nicht mit den größten Erwartungen gestartet.“

Mit den Erfahrungen von Ruhpolding im Hinterkopf setzt Zingerle ihren Weg nun jedenfalls fort. Mit ihrer zurückkehrenden Stärke in der Loipe – aber auch mit charakterlichen Qualitäten wie Ruhe und Geduld. Wohin sie dieser Pfad führt, hat sie dabei endlich wieder selbst in der Hand.

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