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Tommaso Giacomel ließ seinen Emotionen freien Lauf. © ANSA / FILIP SINGER

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Tommaso Giacomel ließ seinen Emotionen freien Lauf. © ANSA / FILIP SINGER

Giacomel nach dem Sieg: „Es ist alles so traurig“

Es hätte einer der glücklichsten Tage seiner Karriere sein sollen. Ein Sieg, hart erarbeitet, verdient, gefeiert von Tausenden Fans. Und doch fühlte sich für Tommaso Giacomel an diesem Donnerstag in Oberhof alles schwer an. Zu schwer.

Giacomels Triumph in Oberhof stand unter einem Schatten, der über dem gesamten Biathlon-Zirkus lag – dem plötzlichen Tod von Sivert Guttorm Bakken.


„Es ist richtig komisch“, sagte der Trentiner nach dem Rennen mit brüchiger Stimme. „Es ist einer meiner besten Tage im Biathlon, und gleichzeitig einer von den schlechtesten, weil Sivert nicht mehr hier ist.“ Worte, die hängen bleiben. Worte, die zeigen, wie nah Erfolg und Trauer beieinanderliegen können. „Das macht mich extrem traurig. Der Sieg war für ihn.“

„Der Sieg war für Sivert“ Tommaso Giacomel

Der Sprint der Männer in Oberhof war kein gewöhnlicher Wettkampf. Es war der Start ins neue Biathlon-Jahr – und der erste Wettkampf seit dem unerwarteten Tod des Norwegers Bakken kurz vor Weihnachten im Trainingslager am Lavazè-Pass. Er hatte die Biathlon-Welt in eine Schockstarre versetzt.

Großer Gänsehautmoment vor dem Start

Schon vor dem Start war spürbar, dass dieser Tag in Oberhof anders werden würde. Im Startbereich standen die norwegischen Athleten eng beieinander, mittendrin Tommaso Giacomel – nicht als Gegner, sondern als Freund. Gemeinsam verfolgten sie mit Tränen in den Augen einen Film zu Ehren Bakkens, der auf den großen Leinwänden der Arena am Rennsteig gezeigt wurde. Viele Athleten trugen Trauerflor, die Gesichter ernst, die Gedanken woanders.

In Oberhof gedachte der gesamte Weltcupzirkus dem verstorbenen Sivert Guttorm Bakken. © APA/afp / TOBIAS SCHWARZ

In Oberhof gedachte der gesamte Weltcupzirkus dem verstorbenen Sivert Guttorm Bakken. © APA/afp / TOBIAS SCHWARZ


Symbolisch wurde Sivert Guttorm Bakken die Startnummer 1 zugelost. Der Fünf-Sekunden-Countdown erklang wie immer, begleitet vom Applaus der Fans und Athleten. Doch die Strecke blieb leer. Kein Läufer, kein Schuss, nur Stille. Erst danach nahm der Lette Renars Birkentals als erster Starter das Rennen auf – eine Aufgabe, die kaum schwerer hätte sein können.
„Ich habe mich aufs Training konzentriert – auch um zu vergessen“ Tommaso Giacomel

Und dann war da Giacomel. Hochkonzentriert, kämpferisch, fast wie in einem Tunnel. „Ich habe keine Ahnung, ob ich heute Hilfe von oben bekommen habe“, sagte er später. „Ich habe versucht, mich aufs Training und die nächsten Rennen zu konzentrieren – auch um das alles zu vergessen.“ Vielleicht war es genau diese Mischung aus Fokus und Emotion, die ihn an diesem Tag so stark machte.

Als Giacomel schließlich als Sieger feststand, war der Jubel da – aber gedämpft. Kein ausgelassener Triumph, kein unbeschwertes Lächeln. Stattdessen ein Blick in den Himmel, ein Innehalten, ein stilles Gedenken. Dieser Sieg war mehr als ein sportlicher Erfolg. Er war eine Widmung. Eine letzte Umarmung über die Ziellinie hinaus.

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