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Dorothea Wierer war im Olympia-Einzel nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. © ANSA / PIERRE TEYSSOT

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Dorothea Wierer war im Olympia-Einzel nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. © ANSA / PIERRE TEYSSOT

„Ich habe meine Periode“: Doro Wierer bricht mit einem Tabu

Es sollte ihre größte Goldchance werden. Doch am Ende kam für Dorothea Wierer vieles anders als geplant. Statt über Edelmetall sprach die 35-Jährige am Mittwoch in der Olympia-Arena in Antholz über ein Thema, zu dem andere lieber schweigen.

Aus Antholz

Alexander Foppa

Von:
Alexander Foppa

Menstruation im Leistungssport ist nach wie vor ein Tabu. Öffentliche Aussagen von Spitzensportlerinnen muss man lange suchen. Mikaela Shiffrin sprach 2023 im Ski-Weltcup darüber, auch die chinesische Schwimmerin Fu Yuanhui oder die Tennisspielerin Heather Watson gingen damit an die Öffentlichkeit – und jetzt auch Dorothea Wierer.


Die 35-jährige Südtirolerin, die nach diesen Olympischen Spielen ihre Karriere beenden wird, belegte im Einzelrennen den fünften Platz. Ein respektables Ergebnis. Doch in ihrer Paradedisziplin hätte sie lieber um ihr ersehntes erstes Olympia-Gold gekämpft, als mit ihrem eigenen Körper. „Ich habe meine Periode. Mir geht es nicht schlecht, aber ich bin eben ein bisschen schlapp“, sagte sie im Gespräch mit SportNews ganz offen.

„Warum sollen die Leute nicht wissen, dass man nicht bei 100 Prozent ist?“ Dorothea Wierer

Sportlerinnen haben eben nicht nur mit Verletzungen und ihrer Tagesform zu kämpfen, sondern auch mit ihren eigentlich gesunden Körpern. Dass Athletinnen genau wie andere Frauen während ihrer Periode unter Bauchkrämpfen, Kopfweh oder Müdigkeit leiden können, wird gern vergessen oder ignoriert. „Aber warum sollen die Leute nicht wissen, dass man nicht bei einhundert Prozent ist? Das ist doch das Normalste überhaupt. So ist eben der Zyklus des Lebens bei uns Frauen – im wahrsten Sinne des Wortes“, lachte Wierer freiheraus.

Dorothea Wierer war gegen Ende hin mit ihren Kräften am absoluten Limit. © APA/afp / FRANCK FIFE

Dorothea Wierer war gegen Ende hin mit ihren Kräften am absoluten Limit. © APA/afp / FRANCK FIFE


Natürlich sei der Zeitpunkt bei ihr gerade ungünstig, aber „in meiner ganzen Karriere gab es nicht eine Weltmeisterschaft oder Olympiade, bei der ich nicht meine Tage hatte“, so die Niederrasnerin, die rasch anfügte: „Aber in zwei Tagen müsste alles vorbei sein. Dann greife ich an.“ Allein auf ihre Periode will sie ihre durchwachsene Laufleistung am Mittwoch aber nicht zurückführen. „Hinzu kommt, dass ich auch nicht gerade die allerfeinste Langlauftechnik habe und deshalb im weichen Schnee förmlich weggesunken bin.“

Noch vier Mal genießen

Auch wenn es nicht für die Podestplätze gereicht hat – Platz zwei mit der Mixed-Staffel und Rang fünf im Einzel haben gezeigt: Mit Doro Wierer ist in Antholz zu rechnen! Auch weil die Biathlon-Queen so locker ist wie nie zuvor. „Hey, das sind jetzt meine letzten vier Rennen, die will ich genießen.“ Und dabei kann sie auf die Unterstützung der gesamten Biathlonszene zählen. „Heute haben mich sogar die gegnerischen Trainer angefeuert, das war fantastisch.“ Daraufhin beendete sie das Interview mit einer Ankündigung: „Wir sehen uns am Samstag!“ Dann in alter Stärke.



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