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Patrick Braunhofer strahlte in Antholz von einem Ohr zum anderen.

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Patrick Braunhofer strahlte in Antholz von einem Ohr zum anderen.

Weil ein Rivale laut schrie: „Brauni“ so stark wie noch nie

Die erste Einzelentscheidung bei den Olympischen Winterspielen in Antholz ist Geschichte – und mit ihr ein Rennen, das ganz viele Emotionen lieferte. Der Sieger weinte, der beste Italiener raunzte und ein Südtiroler strahlte.

Aus Antholz

Alexander Foppa

Von:
Alexander Foppa

Beginnen wir die Schilderung der Gefühlsausbrüche in der Antholzer Biathlon-Arena beim Glücklichsten an diesem Nachmittag, dem Norweger Johan-Olav Botn. Er ist nicht nur der erste Einzel-Olympiasieger der Geschichte auf Südtiroler Boden, sondern zugleich auch jener, dem diese Goldmedaille am meisten gegönnt ist – so die einhellige Meinung in der Biathlonszene.


Es war kurz vor Weihnachten, als Botn seinen Teamkollegen Sivert Bakken tot im Hotelzimmer am Lavazéjoch fand. Gemeinsam hatten sich die beiden im Trainingslager auf das Ziel Olympische Winterspiele hingearbeitet. Jetzt gewann Botn Gold und feierte mit einem emotionalen Fingerzeig gen Himmel. „Auf der letzten Runde hat es sich so angefühlt, als wäre er bei mir gewesen“, bezog er sich nach dem Rennen auf Bakken. „Ich hoffe, er hat von oben zugeschaut.“

„Das ist eine riesengroße Enttäuschung“ Tommaso Giacomel

Einer, der ebenfalls eng mit Bakken befreundet war und dem Olympiasieger im Zielraum in die Arme fiel, war Tommaso Giacomel. Allerdings stand seine Gefühlslage in totalem Kontrast zu jener von Botn. „Das ist eine riesengroße Enttäuschung“, resümierte Giacomel im Ziel. Er war mit Goldambitionen gestartet, belegte am Ende aber Platz sechs. „Das mag sich nach einem guten Ergebnis anhören, ist es für mich jedoch nicht. Ich habe mich weder in der Loipe noch beim Schießen gut gefühlt.“

Braunhofer überglücklich

Die Achterbahnfahrt der Emotionen nahm nur Augenblicke später mit unserem nächsten SportNews-Gesprächspartner im Zielraum ihren Lauf. „Das toppt alles Bisherige“, gab Patrick Braunhofer mit strahlenden Augen zu Protokoll, „Der Europameistertitel in Martell vergangenes Jahr war wunderschön, doch hier auf dieser Bühne, in meinem ersten Olympia-Rennen meine beste Leistung abzurufen – das ist ein unbezahlbares Glücksgefühl.“

Lukas Hofer sieht noch Verbesserungspotenzial. © ANSA / PIERRE TEYSSOT

Lukas Hofer sieht noch Verbesserungspotenzial. © ANSA / PIERRE TEYSSOT


„Brauni“, so wird er von seinen Teamkollegen gerufen, belegte nach nur einem Schießfehler den 14. Platz, sein bis dato bestes Weltcup-Ergebnis ist ein 19. Rang. Der 27-jährige Ridnauner verriet auch, wie es zu dieser Leistungsexplosion kam: „Ich lief gemeinsam mit einem Franzosen (Fabien Claude, Anm.d.Red.) den Anstieg zum ersten Schießen. Da schrie sein Trainer völlig wild, er solle jetzt umswitchen. Und ich habe zu mir selbst gesagt: Mach du das jetzt auch. Den Satz habe ich dann während des Rennens für mich immer und immer wiederholt. So war ich völlig im Tunnel.“

Hofers „Anfängerfehler“

Am Ende war es dieser Anfeuerungsruf, der Braunhofer zu seinem besten Karriereergebnis trieb und ihn noch vor Lukas Hofer ins Klassement einreihen ließ. Der Montaler war mit Platz 16 nicht zufrieden – auch, weil er bis zum dritten Schießen sogar in Medaillennähe lag. „Doch dann habe ich den letzten Liegendschuss danebengesetzt. Ich habe zu hastig abgedrückt, das war ein Anfängerfehler.“ Später folgten noch zwei weitere Schießfehler, aber da waren die Spitzenplätze bereits außer Reichweite. „Die Leistung war im Allgemeinen ganz okay, aber da geht noch viel mehr“, so Hofer abschließend.



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