
Tommaso Giacomel, Dorothea Wierer, Lukas Hofer und Lisa Vittozzi (v.r.) bei der Siegerehrung. © Felice Calabro'
Wierer und Giacomel: Sie lieben und sie streiten sich
Was war das für ein Auftakt? Italien hat mit Silber in der Mixed-Staffel gleich im ersten Olympia-Bewerb in Antholz den Euphorie-Turbo gezündet. Entsprechend losgelöst gaben sich die Medaillengewinner nach dem Rennen. Sie scherzten, lachten – und ließen tief ins Mannschaftsinnere blicken.
08. Februar 2026
Aus Antholz

Von:
Alexander Foppa
Es war 16.45 Uhr, gut anderthalb Stunden nach Rennschluss, als Dorothea Wierer, Lisa Vittozzi, Lukas Hofer und Tommaso Giacomel unter dem Beifall von rund 250 Journalisten den Mediensaal der Olympia-Arena betraten. Einen Interview-Marathon hatten sie da längst hinter sich. Und dennoch strahlten sie noch immer wie Kinder am Weihnachtsmorgen – müde, aber überglücklich.
Das Quartett hatte zuvor mit der Silbermedaille in der Mixed-Staffel für einen glanzvollen Auftakt in Antholz gesorgt. Es war die Veredelung der ersten Olympia-Entscheidung überhaupt auf Südtiroler Boden. Dementsprechend viele Fragen galt es zu beantworten, Statements abzugeben – für Fernsehen, Radio, Print- und Onlinemedien. Angekommen im Pressezentrum, sanken sie erstmal in die bereitgestellten Sessel am Rednerpult. Dann standen sie weiter Rede und Antwort.
„Ich habe mir noch nie in einem Rennen so in die Hose gemacht“ Lukas Hofer
Schlussläuferin Lisa Vittozzi sagte, sie hätte beim letzten Schießen nichts von der Konkurrenz mitbekommen und sei dann einfach drauflosgelaufen, „erst als ich auf die Schlussrunde ging, habe ich am Bildschirm gesehen, dass die Dritt- und Viertplatzierten noch am Schießen waren.“
Vittozzi blieb ganz cool
Zu diesem Zeitpunkt hatte Lukas Hofer in einem ersten Gespräch mit SportNews in der Mixed-Zone schon verraten, dass bei ihm die Erleichterung enorm gewesen sei. „Ich habe mir noch nie in einem Rennen so in die Hose gemacht, als ich dann alle Schüsse abgegeben hatte, sind gefühlt 20 Kilogramm von mir gefallen.“ Später sprach Hofer einen Stock tiefer im Mediensaal im Bauch der Arena von „einem unglaublich guten Gefühl.“Tommaso Giacomel (l.) konnte sich einen Schmunzler nicht verkneifen. © Felice Calabro'
Kaum hatte Hofer sein Rennen analysiert, drehte er sich kopfschüttelnd zu seinem Teamkollegen Tommaso Giacomel. Dieser hatte in der Zwischenzeit demonstrativ gegähnt, seinen Kopf auf den Tisch gelegt und dem Anschein nach ein kurzes Nickerchen gehalten. Dorothea Wierer lachte und sagte: „Tommy mag das alles einfach nicht. Wir müssen ihn halt nehmen, wie er ist.“ In der Tat ist der introvertierte Trentiner kein Mann der großen Worte. Auf die Frage eines Journalisten, ob er müde sei, antwortete er staubtrocken: „Yes!“
„Ab und zu stünde ihm ein Lächeln ganz gut“ Dorothea Wierer über Tommaso Giacomel
Doch Giacomel wäre nicht Giacomel, wenn er Wierers liebgemeinten Seitenhieb nicht gekontert hätte. „Ihr müsst wissen: Doro ist wie eine Mama für mich, ein Vorbild, eine Inspiration. Ich weiß nicht recht, wie ich unsere Beziehung beschreiben soll. Wir sind richtig dicke Freunde, wir lieben uns gegenseitig – und wir fetzen uns.“ Doro ergänzte mit einem Schmunzeln auf den Lippen: „Wir sind eben grundverschiedene Charaktere. Aber ab und zu stünde ihm ein Lächeln ganz gut, das sage ich ihm immer wieder.“
Giacomels jubelnder Abgang
Es waren die letzten Sätze einer Pressekonferenz, die längst vom rein Sportlichen abgedriftet war – und diesen glückerfüllten Olympia-Auftakt in Antholz dennoch perfekt auf den Punkt brachte. Mit einem lauten „Juhuu!“ sprang Giacomel mit einer wild baumelnden Medaille um den Hals von der Bühne und verschwand aus einer Seitentür. Seine drei Teamkollegen folgten ihm müden Schrittes.> Hier geht es zu unserer Olympia-Sonderseite.
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