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Elisa Confortola, Pietro Sighel und Arianna Fontana bei den Olympischen Spielen in Mailand. © APA/afp / JULIEN DE ROSA

3 Eisschnelllauf

Elisa Confortola, Pietro Sighel und Arianna Fontana bei den Olympischen Spielen in Mailand. © APA/afp / JULIEN DE ROSA

Jahrelanger Zwist: Warum es bei Italiens Olympiasiegern knallt

In der Mixed-Staffel haben die italienischen Shorttracker olympisches Gold geholt. Innerhalb des Teams schwelt jedoch ein jahrelanger Konflikt.

Mit 26 Jahren hat Pietro Sighel den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Nach Silber (Mixed) und Bronze (Staffel) bei den Winterspielen 2022 in Peking, gelang ihm vier Jahre später an der Seite von Elisa Confortola, Arianna Fontana und Thomas Nadalini in der Mixed-Staffel der Sturm zu olympischem Gold – und das ausgerechnet vor heimischem Publikum in Mailand. Normalerweise ein Moment zum Genießen, doch bei den Azzurri brachen in den darauffolgenden Tagen alte Wunden auf.


„Arianna? Wer kennt sie schon“, legte Sighel gegenüber der Gazzetta dello Sport los. „Sie trainiert seit acht Jahren im Ausland, das ist ihre Entscheidung. Außer in den zweieinhalb Minuten, die wir gemeinsam auf der Bahn verbringen, sind wir auf gar keinen Fall ein Team.“ Das hat gesessen. Doch worauf zielen die Giftpfeile in Richtung der italienischen Olympia-Ikone ab?

Ein jahrelanger Konflikt in Italiens Team

13 olympische Medaillen hat Fontana in ihrer illustren Laufbahn bislang angehäuft, dank Gold (Mixed) und Silber (500m) zog sie mit Edoardo Mangiarotti gleich und gilt neben dem einstigen Fechter nun als erfolgreichste Olympia-Teilnehmerin in der italienischen Geschichte. Doch das Verhältnis zwischen und ihr und dem Verband ist seit Jahren abgekühlt.

Nur auf dem Eis ein Team: Italiens Shorttracker. © APA/afp / JULIEN DE ROSA

Nur auf dem Eis ein Team: Italiens Shorttracker. © APA/afp / JULIEN DE ROSA


Ausgangspunkt erster Diskussionen war ihre Beziehung zu ihrem Trainer und heutigem Ehemann Anthony Lobello, mit dem sie mittlerweile in Florida wohnt. Dem italienischen Eissportverband FISG missfiel die Beziehung, wodurch es nach Fontanas erstem Olympia-Gold in Pyeongchang vor acht Jahren zum Bruch kam. Die Shorttrackerin und Lobello zogen aufgrund der Meinungsverschiedenheiten nach Ungarn und trainierten dort abgeschottet von den anderen italienischen Shorttrackern.
„Es endete, wie es enden sollte – oder besser gesagt, es hätte gar nicht erst beginnen sollen.“ Pietro Sighel

Dazu kommt, dass nur ein Jahr später ein weiterer teaminterner Zoff hohe Wellen schlug. So beschuldigte Fontana ihre beiden Teamkollegen Tommaso Dotti und Andrea Cassinelli, sie in einer Trainingseinheit absichtlich zu Fall gebracht zu haben. Es folgte ein jahrelanger Streit, 2024 wurden die beiden Männer freigesprochen. Die Narben aber blieben. „Es endete, wie es enden sollte. Oder besser gesagt, es hätte gar nicht erst beginnen sollen. Die beiden Jungen wurden freigesprochen, weil sie die Tat nicht begangen hatten“, kommentierte Sighel.

Fontana lässt sich nicht provozieren

Normalerweise wäre eine Sportlerin vom Format von Fontana ein unbezahlbares Zugpferd innerhalb der Mannschaft, vor allem der Nachwuchs könnte an ihrer Seite große Sprünge machen. Aufgrund der erwähnten Streitigkeiten fiel ein solcher Prozess aber ins Wasser – und trotzdem zählen die italienischen Shorttracker zu den Besten der Welt. „Unsere Mädchen sind die wirklich Talentierten. Sie haben es geschafft, auch ohne sie ein Team zu bilden und sich weiterzuentwickeln“, stichelte Sighel weiter in Richtung Fontana.

Arianna Fontana hat bei Olympischen Spielen insgesamt 13 Medaillen gesammelt. © APA/afp / GABRIEL BOUYS

Arianna Fontana hat bei Olympischen Spielen insgesamt 13 Medaillen gesammelt. © APA/afp / GABRIEL BOUYS


Letztere lässt sich gar nicht erst auf eine öffentliche Schlammschlacht ein und will sich nur auf ihr Abenteuer bei den Heimspielen konzentrieren. „Das verdient nicht meine Aufmerksamkeit“, kommentierte sie die Angelegenheit. „Wenn ich nicht Teil des Teams hätte sein wollen, hätte ich kein Interesse daran gehabt, in Bormio mit ihnen zu trainieren und mich auf die Staffeln vorzubereiten, sondern wäre im Ausland geblieben.“

Tatsächlich meldete sich Sighel ein weiteres Mal zu Wort und ruderte etwas zurück. „Ich wollte niemanden herabsetzen, es war kein persönlicher Angriff“, meinte er in den Sozialen Medien. „Ich wollte niemals respektlos sein, auch wenn meine Worte, so wie sie wiedergegeben wurden etwas anderes suggerieren könnten. Auf der Bahn sind wir Profis, abseits davon verfolgt jeder seinen eigenen Weg.“

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