3 Eisschnelllauf

Hat es trotz ihrer großen Erfolge nicht leicht: Arianna Fontana. © ANSA / HOW HWEE YOUNG

Liebe, Zwist und Streit: Arianna Fontana im Fadenkreuz

Mit insgesamt elf olympischen Medaillen stieg Arianna Fontana zur erfolgreichsten Short-Track-Athletin aller Zeiten auf. Doch hinter der Fassade des Erfolges brodelt es heftig. Zwischen der zweimaligen Olympiasiegerin und dem Eissportverband FISG schwelt ein tiefgreifender Konflikt.

Wo beginnt man in diesem Chaos am besten? Verletzter Stolz, Neid, Missgunst – angesichts des stark abgekühlten Verhältnisses zwischen Fontana und der FISG könnte diese Liste durchaus länger sein. Den Knackpunkt dieser eigentlich erfolgreichen Zusammenarbeit bildet die Tatsache, dass Fontanas Partner Anthony Lobello ihr Trainer ist. Ein Umstand, welcher der FISG gehörig missfällt.


Dem Vernehmen nach kam es nach ihrem ersten Olympiasieg in PyeongChang zum Bruch zwischen der mittlerweile zur Legende aufgestiegenen Athletin und dem Verband. Fontana und Lobello zogen aufgrund der Meinungsverschiedenheiten nach Ungarn und trainierten dort abgeschottet von den anderen italienischen Shorttrackern.

Als die Azzurra im vergangenen Jahr schließlich doch zurückkehrte, um sich mit der Staffel auf Olympia vorzubereiten, wurde ihr ein eisiger Empfang bereitet. „Ich war nicht willkommen. Es war kein gutes Umfeld für mich. Es gibt einige große Probleme, die offensichtlich nicht ich und mein Trainer sind“, erklärte sie.

Ein Kuss als Provokation
Doch wie in den Jahren zuvor ließ sich die 31-Jährige nicht von den bösen Blicken ihrer Landsleute aufhalten. Nach ihrer Goldmedaille über die 500 Meter in Peking rauschte sie direkt zu ihrem Mann und küsste ihn vor den laufenden Kameras. Eine Aktion, die durchaus als Provokation gegen den Verband verstanden wurde. „Mit dieser Goldmedaille haben wir bewiesen, dass er der bestmögliche Trainer ist“, unterstrich sie. Im Anschluss ließ sie eine Bombe platzen.

Fontana und Lobello in Peking. © ANSA / FAZRY ISMAIL

Ihren Aussagen zufolge habe die FISG eigenhändig versucht, die erfolgreichste Shorttrackerin der italienischen Geschichte daran zu hindern, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. „Es gab Menschen, die mich hier bei Olympia nicht dabeihaben wollten. Mein Verband hat mich nicht unterstützt. Sie wollten nicht, dass ich meinen Mann als Trainer habe. Tatsächlich haben sie versucht, Wege zu finden, dass wir überhaupt nicht hier sein konnten“, stellte sie klar.
„Es gab Menschen, die mich hier bei Olympia nicht dabeihaben wollten.“ Arianna Fontana

Im Anschluss an ihren goldenen Triumph sei niemand aus dem Verband auf sie zugekommen. Keine Glückwünsche, keine Umarmungen. Funktionäre, die sie auf dem Flur getroffen hatte, hätten ihr nicht einmal gratuliert. Diese Anspannung und diesen mentalen Druck wolle sie nicht mehr lange aushalten müssen. Daher stellte sie der FISG ein inoffizielles Ultimatum für die kommenden Winterspiele in Cortina d’Ampezzo im Jahr 2026. „Wenn sich die Dinge nicht ändern, werde ich das nicht noch einmal durchmachen.“
FISG schießt zurück: „Wir haben Regeln“
Angesichts dieser öffentlichen Schlammschlacht will man beim Eissportverband nicht als der Bösewicht dastehen. „Als Verband haben wir uns nichts vorzuwerfen. Wir haben mit größter Sorgfalt gehandelt, in unserem Interesse und dem von Arianna“, äußerte sich Andrea Gios, Präsident der FISG. „Aber wir haben Regeln.“

Bei den Azzurri herrscht Eiszeit. © APA/afp / MANAN VATSYAYANA

Demnach sei es keiner Athletin erlaubt, selbst über ihre Trainer zu bestimmen und diese für sich zu beanspruchen. „Unser Ziel ist es, alle Athleten wachsen zu lassen.“ Auf die Vorwürfe, dass Fontana an ihrer Olympia-Teilnahme gehindert worden wäre, antwortete er nüchtern: „Wir haben alle Kosten für Ariannas Vorbereitung in diesen drei Jahren übernommen.“ Dann habe sie sich für den Umzug nach Ungarn entschieden. Bei ihrer Rückkehr hätte es seiner Ansicht nach keine Ausgrenzung gegeben. „Lobello war einfach nicht der technische Leiter der Nationalmannschaft, also hatte er Einschränkungen.“

Und das ist der Knackpunkt. „Wir glauben nicht, dass Lobello das Zeug zum Trainer der gesamten Shorttrack-Nationalmannschaft hat. Wir haben 18 andere Athleten. Es gibt nicht nur Arianna“, führte Gios fort. Angesichts dieser Aussage, scheint der Verband auch in Zukunft nicht von seiner Position weichen zu wollen. Letzten Endes muss er das auch nicht, zumal auch die anderen Azzurri vorne mitfahren können. Für das eisige Verhältnis zwischen den beiden Parteien ist daher keine Besserung in Sicht. Die Fronten sind nach wie vor verhärtet – und werden es wohl auch bleiben.

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