3 Eisschnelllauf

Claudia Pechstein schrieb Olympia-Geschichte. © ANSA / ROMAN PILIPEY

Mit knapp 50 Jahren bei Olympia

Mit ihrem Start über die 3000 Meter am Samstag in Peking hat sich eine Ausnahme-Eisschnellläuferin ihren Lebenstraum erfüllt.

Claudia Pechstein ist als erste Frau 8 Mal bei Olympischen Winterspielen angetreten. Fernab aller Medaillenambitionen will die 49-jährige Deutsche (sie wird am 22. Februar 50) bis zu ihrem zweiten Rennen am 19. Februar im Massenstart die ihr bislang unbekannten Vorzüge einer unbeschwerten Olympia-Touristin auskosten.


„Ich versuche, alle Events, wo ich dabei sein kann, mitzunehmen. Ich möchte die ganze deutsche Mannschaft miterleben und anfeuern, auch mal live dabei sein, denn die anderen Spiele vorher hatte ich immer noch andere Events dazwischen“, skizzierte Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin ihre Absichten.

Ihre 8. Olympischen Spiele
Ihre achten Olympischen Winterspiele, mit der sie die Bestmarke des japanischen Skispringers Noriaki Kasai eingestellt hat, haben ihr einen Eintrag in die Geschichtsbücher gesichert. „Wir zollen Claudia Pechstein unseren Respekt. Ihr Auftritt ist ein Zeichen des olympischen Geistes“, sagte Zhao Weidong, Sprecher des Pekinger Organisationskomitees. Die weltweite Anerkennung macht sie stolz und schmeichelt ihr, gerade weil sie diese im eigenen Land nicht immer in der Form erhält, wie sie es für gerechtfertigt hält.

Claudia Pechstein landete in Peking über die 3000 Meter auf Rang 20. © ANSA / ROMAN PILIPEY


All die Komplimente nehme sie gerne mit, ihre Laufgegnerin habe gesagt, dass sie gegen eine „Legende“ laufe. „Das geht natürlich runter wie Öl. Es war nicht so leicht zu laufen mit den ganzen Komplimenten im Kopf. Aber ich nehme das gerne mit, denn das hört man in Deutschland bei den Medien nicht so oft“, sagte sie.
„Ich habe alle Mädels, die hier am Start waren, schon mal geschlagen.“ Claudia Pechstein nach Rang 20

Für die mit dem achten Olympia-Start verbundene Bewunderung nahm die als enorm ehrgeizig bekannte Eislauf-Ikone sogar in Kauf, abgehängte 20. und damit Letzte geworden zu sein. Dass die Niederländerin Irene Schouten am vergangenen Samstag als Olympiasiegerin in 3:56,93 Minuten gut 20 Sekunden schneller war – geschenkt. Dass die Europameisterin ihr den vor 20 Jahren beim Olympiasieg in Salt Lake City aufgestellten Olympischen Rekord abgejagt hat – egal. „Ich habe alle Mädels, die hier am Start waren, schon mal geschlagen“, betonte sie.
Eine einzigartige Karriere mit einem Makel
Ihre glanzvollen Zeiten sieht Claudia Pechstein inzwischen im Rückspiegel ihrer Karriere. Fünf Olympiasiege sowie je zwei Silber- und Bronzemedaillen kann ihr ohnehin niemand nehmen. Der Teilnahme-Rekord krönt nun ihre auch von der Tiefe einer Zwei-Jahres-Sperre wegen angeblichen Dopings und dem anschließenden Comeback geprägten Laufbahn.

Claudia Pechstein im Jahr 2000. © APA


Die Genugtuung und die Glücksgefühle darüber zeigte sie der Sportwelt durch ihre Jubelpose beim Zieleinlauf. „Das war ein Sieg für mich. Mit dem Start auf den 3000 Metern habe ich diesen Rekord offiziell geschafft“, sagte die fünfmalige Olympiasiegerin aufgekratzt. „Da kann man eigentlich nur mit einem Jubeln über die Linie laufen.“ Bei 4:17,16 Minuten blieb die Uhr stehen und war das Maß für Platz 20 bei 20 Starterinnen – unwichtig. „Das Lustige ist, und das werden wahrscheinlich wenige verstehen, dass ich mit dieser Platzierung immer noch strahlen kann“, sagte sie vergnügt.

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