
Federica Brignone konnte es selbst nicht fassen. © ANSA / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
„Alles oder nichts“: Ewige Brignone macht das Unmögliche möglich
Federica Brignone hat am Donnerstag Geschichte geschrieben und sich im Super-G von Cortina d'Ampezzo zur Olympiasiegerin gekrönt. An der Olimpia delle Tofane flossen die Tränen und eine Ski-Legende meldete sich zu Wort.
12. Februar 2026
Von: nie
Als auch die letzten großen Namen im Feld nicht an sie rankamen, dämmerte es Federica Brignone allmählich: Gold im Super-G – es ist greifbar nah. Blicke und Kameras waren nunmehr auf den italienischen Superstar gerichtet, die Athletinnen auf der Olimpia delle Tofane gerieten in den Hintergrund. „Ich habe meine Brüder und meine Mama weinen sehen“, erinnerte sie sich anschließend bei Eurosport Italia. Damit war ihre Familie nicht allein, auch bei Brignone selbst flossen von Startnummer zu Startnummer mehr Tränen.
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„Mir fehlen die Worte. Ich weiß nicht, wie das passiert ist“, sagte die 35-Jährige, die nach zweimal Bronze und einmal Silber bei Winterspielen nun endlich ganz oben auf dem Podest stand. Und das ausgerechnet beim Heimspiel in Cortina d'Ampezzo. „Ich habe einfach ans Skifahren gedacht, daran, mein Bestes zu geben. Aber ich hätte nicht gedacht, dass ich gewinnen könnte. 'Alles oder nichts' – das war mein Motto heute.“
Als Außenseiterin zur Krönung der Karriere
Blickt man in ferner Zukunft auf das Palmarès der zweimaligen Weltmeisterin, wird diese Goldmedaille nur wie die logische Konsequenz einer beispiellosen Laufbahn wirken. Nur: Dieser Triumph hatte überhaupt nichts mit Logik zu tun. Vor zehn Monaten lag Brignone noch mit einem Schien- und Wadenbeinbruch sowie einem Kreuzbandriss im Krankenhaus. So manche Athletin hätte in ihrem Alter das Handtuch geworfen oder sich zumindest ein Jahr zur Regeneration gegeben. Doch nicht Brignone. Für sie begann damals der Countdown bis zu den Olympischen Spielen in ihrer Heimat.Federica Brignone mit ihrer Goldmedaille. © APA/afp / STEFANO RELLANDINI
Es war ein Wettrennen mit der Zeit, dessen Ausgang bis zum Schluss völlig offen war. Erst am 20. Jänner kehrte sie beim Weltcup am Kronplatz auf die große Bühne zurück und verblüffte im Riesenslalom mit einem bärenstarken sechsten Platz. Eine Woche später folgte Platz 18 im Super-G von Crans-Montana. Phänomenal für die Umstände, doch die Winterspiele schienen zu früh zu kommen.
„Ich sah mich als Außenseitern und konnte die Sache ruhig angehen. Ich wusste, dass ich schon so viel erreicht habe.“ Federica Brignone
„Die Goldmedaille zu gewinnen, daran hätte ich niemals gedacht“, räumte Brignone ein, die in der Abfahrt am Sonntag Zehnte wurde. „Ich sah mich als Außenseitern und konnte die Sache ruhig angehen. Ich wusste, dass ich schon so viel erreicht habe.“ Doch Brignone machte das Unmögliche möglich.
Compagnoni gerührt von Brignone-Gold
Die erste Italienerin, die im Super-G die olympische Goldmedaille gewonnen hatte, ist Deborah Compagnoni. Und tatsächlich befand sich die dreimalige Olympiasiegerin inmitten der grün-weiß-roten Feierlichkeiten. „Ich war unglaublich gerührt“, wurde die 55-Jährige von Neve Italia zitiert. „Wenn eine Athletin durchmacht, was sie durchgemacht hat, ist ein solcher Erfolg unvorstellbar. Sie ist wirklich eine großartige Athletin. Ich freue mich sehr für sie.“Federica Brignone ist Olympiasiegerin im Super-G. © APA/afp / MARCO BERTORELLO
Neben Compagnoni (Super-G 1992, Riesenslalom 1994 und 1998), Goggia (Abfahrt 2018), Daniela Ceccarelli (Super-G 2002) und Paoletta Magoni (Slalom 1984) haben die Azzurre nun eine fünfte Olympiasiegerin im Ski Alpin vorzuweisen. Und das Märchen muss noch lange nicht abgeschlossen sein.
Am Sonntag geht Brignone nämlich in ihrer Paradedisziplin an den Start, um 10.00 Uhr steht der erste Durchgang im Riesenslalom auf dem Programm (live im SportNews-Ticker). Vielleicht macht sie es dann Compagnoni zum zweiten Mal gleich, spätestens seit Donnerstag wissen wir: Dieser Brignone ist alles zuzutrauen.
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